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„… Und was machst Du bei CARE?“

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Die leichte Brise am frühen Morgen kündigt einen nicht allzu heißen Tag an. Vor der Kantine von CARE sitzen Menschen verstreut an Tischen unter den Bäumen und frühstücken. Die rund 270 CARE-Mitarbeiter in Dadaab leben und arbeiten in sogenannten „Compounds“, eingezäunten Anlagen, von denen es eine in jedem der drei Camps gibt und eine im Zentrum der Stadt, angeschlossen an die Anlagen der UN-Organisationen und anderer Hilfsorganisationen.

Theresiah Nthiani arbeitet in Dadaab in Bereich Bildung schon seit 1999. (Foto: CARE/Wilke)

Ich setze mich zu einer Gruppe von vier Kollegen, die eine sehr lebhafte Diskussion auf Swahili führen. So sehr wir als Mitglieder der CARE-Familie die gleiche „Sprache“ sprechen, wünschte ich mir doch manchmal einen Knopf, den ich drücken könnte, um die Sprache des jeweiligen Landes, in dem ich gerade arbeite, sprechen zu können. Aber so einen Knopf gibt es nicht. Deshalb schaue ich einfach zu, bis sie wieder zu Englisch wechseln. Als jemand, der neu dazugekommen ist, ist es für mich gar nicht so einfach, bei all dem Trubel zu wissen, wer eigentlich was hier genau macht. Also fragte ich die kleine Frühstücksrunde.

Humanitäre Hilfe ist auch Büroarbeit

„Ich sorge für die Instandhaltung der Fahrzeuge, damit alle auch richtig funktionieren“, erzählt mir einer der Männer. „Ich arbeite in dem WASH-Programm“, berichtet ein anderer. WASH ist eine Abkürzung, die wir sehr oft verwenden und bei der wir häufig vergessen, dass keiner um uns herum weiß, was sich dahinter versteckt. WASH fasst alles zusammen, was mit Wasser, Sanitär und Hygienemaßnahmen zu tun hat. Alles, was mit WASH zu tun hat, ist im Katastrophenfall von unschätzbarem Wert, um den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern und sicherzustellen, dass die betroffenen Menschen Trinkwasser haben, um zu überleben.

„Wir werden gerufen, wenn es Probleme mit den Bohrlöchern, Rohrleitungen oder Wasserstationen gibt“, fügt er hinzu. Fährt er also heute in eines der Camps? „Das kommt drauf an. Ich bin mehr oder weniger für jeden Notfall in Bereitschaft. Ansonsten bleibe ich hier im Büro und arbeite meinen Papierkram ab.“ Büroarbeit im Flüchtlingslager? Ja, selbstverständlich. Qualitätssicherung, Rechenschaftspflicht und Informationsmanagement sind entscheidend für erfolgreiche Arbeitsabläufen, vor allem in sich so schnell entwickelnden und verändernden humanitären Krisen.

Die humanitäre Arbeit von CARE hat zwei Gesichter

Wenn wir nicht alles, was wir tun und wie es sich entwickelt, dokumentieren, können wir nicht ausreichend herausarbeiten und kommunizieren, wie unsere Arbeit in den kommenden Monaten aussehen muss, was wir eventuell abändern müssen und was wir noch benötigen. Kommen wir zur dritten Person am Tisch und ihrer Tätigkeit für CARE. „Ich arbeite im Bau.“ Im Bau von was? „Alles, was eben benötigt wird, seien es neue Unterkünfte oder Sanitäranlagen in unseren Wohn- und Arbeitsanlagen oder Einrichtungen für die Flüchtlinge in den Camps. Gerade haben wir zum Beispiel einige Klassenzimmer in einer Schule saniert.“

Als ich mich auf den Weg zum Büro mache, denke ich über die Unterhaltung am Frühstückstisch nach. Die humanitäre Arbeit von CARE hat wirklich zwei Gesichter. Das eine Gesicht gehört den Männern und Frauen, die in Fernsehsendungen oder im Radio Interviews geben: Ärzte, die Patienten behandeln, Mitarbeiter, die Nahrungsmittel an Flüchtlinge verteilen und natürlich auch die Sprecher einer Organisation.

CARE Mitarbeiter reparieren einen Wassercontainer für die neu angekommenen Flüchtlinge (Foto: CARE/Holt)

Wenn die Fernsehkameras weiterziehen sind die lokalen Mitarbeiter immer noch da

Aber hinter den Kulissen existiert noch eine ganze Armee an Helfern, die dafür sorgt, dass die täglichen Arbeitsabläufe reibungslos funktionieren. Sie arbeiten von frühmorgens bis spätabends, haben kaum mehr ein Privatleben oder irgendeinen kleinen Luxus, vermissen ihre Familien und Freunde, die häufig weit entfernt leben. Journalisten fragen uns oft, ob wir Freiwillige aus Deutschland, Europa oder den USA anstellen, die ihre Heimat und damit auch viele Vorteile hinter sich lassen, um Menschen in Not zu helfen.

So ehrenhaft das auch ist: Humanitäre Hilfe fordert in erster Linie fachliche Expertise, lokales Wissen und eine langfristige Präsenz vor Ort. Mehr als 95 Prozent der weltweiten CARE-Mitarbeiter kommen deswegen aus den jeweiligen Ländern, in denen sie arbeiten, sprechen die lokale Sprache, kennen die Kultur und verpflichten sich, über einen längeren Zeitraum unter teilweise schwierigsten Bedingungen zu arbeiten.

Wenn ich Dadaab verlasse, werden meine Kollegen vom Frühstückstisch und viele andere immer noch hier sein. Und wenn die Fernsehteams mit ihren Kameras und damit auch das Interesse der Weltöffentlichkeit zur nächsten Katastrophe ziehen, werden sie weiterhin ihren Job machen, damit mehr als 400.000 Flüchtlinge Wasser, Nahrungsmittel und andere Unterstützung bekommen. Ich hoffe, dass sie am Frühstückstisch noch viel zusammen auf Swahili zu besprechen haben und ihren Tag mit einem Lächeln starten können.

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