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Archiv für Januar 2011

Stumme Lippen und lautlose Schreie nach Hilfe

Sonntag, 30. Januar 2011

Auf der Rückreise von Madyan im Distrik Swat bemerke ich, wie Hameed die Lippen lautlos bewegt und sich schließlich mit einer Hand von oben nach unten über das Gesicht fährt. Es ist Freitag, und er hat gebetet. „Ja natürlich, jeden Tag gehe ich in die Moschee. Betet Ihr nicht jeden Tag, zuhause in Deutschland?“ „Naja“, ich antworte zögerlich, etwas verunsichert. „Weißt Du, viele Menschen in Deutschland sind nicht mehr so religiös. Jedenfalls nicht mehr so wie in der Generation meiner Eltern.“ Und füge noch erklärend hinzu, dass viele Menschen doch auch gute Menschen sein können, wenn sie nicht jeden Tag in die Kirche gehen. Erklärungsversuche eines stotternden Ungläubigen, denke ich. Hameed schüttelt lächelnd den Kopf und verspricht mir, auch für mich zu beten.

Auch die Moscheen werden wieder aufgebaut, wie hier in Nowshera in der Provinz Khyber Pakthoon Khwa. (Foto: CARE/Schwarz)

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In der Schweiz, in Pakistan

Samstag, 29. Januar 2011

Alexander der Große soll hier mit Soldaten seines Heeres den Fluss überquert und dann gewütet haben: Das Tal in der gebirgigen Region im Nordwesten des Landes war früher ein Reiseziel für Flitterwochen. Es wird die „Schweiz Pakistans“ genannt: das Swat-Tal. Es liegt nicht weit weg von Afghanistan. Die Menschen hier hatten 2009 mit einer Großoffensive der Armee zu tun, die die Taliban bekämpft. Hunderttausende von Swat-Bewohnern mussten raus aus dem schönen Tal. Als sie wieder nachhause kamen, fanden sie vielfach ihre Häuser zerstört und die Felder unbrauchbar. Sie bauten wieder auf, strengten sich an und waren gerade dabei, ein halbwegs normales Leben zu führen – halbwegs. Denn arm sind sie hier oben fast alle, leben von der Hand in den Mund und eine gute Perspektive haben nur wenige.

Gruppenbild mit Hoffnung: Bauern aus dem Dorf Kas im pakistanischen Swat. CARE und IDEA verteilen Saatgut und helfen bei der Vermarktung der Ernte. (Foto: IDEA/Ejaz Ahmad)

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Den Dreck wegmachen

Mittwoch, 26. Januar 2011

Es gibt doch so eine Art Spruch oder Sprichwort: Aus Dreck Geld machen, zum Beispiel. Der kam mir in den Sinn, als ich in den Distrikten Nowshera und Charsadda unterwegs war. Da waren zum einen die Arbeiter, die die Kanäle der Dörfer säuberten. Darüber habe ich ja gestern geschrieben. Ich habe in einem anderen  Dorf einen recht großen Platz gesehen, der auf den ersten Blick eher wie eine Müllhalde aussah, oder wie ein Ablageplatz für Dreck.

Den gab es dort reichlich, wie fein säuberlich geteilt auf der einen Seite dieses Platzes. In dem Dorf Nawa Killi, im Distrikt Nowshera, kamen die Partner von CARE auf die Idee, diesen Platz zunächst einmal ordentlich aufzuräumen. Und dann: umzugestalten.

Als ich dort ankam, kurvte gerade ein Bagger schräge Bewegungen in die Luft und hub trotzdem sehr geschickt mit seiner Riesenschaufel den Dreck des Platzes um. Ein Traktor mit einem kleinen Anhänger – wie der von einem Bauern–, auf dem sonst vielleicht Kartoffeln oder Bananen transportiert worden wären, stand bereit. Mehr als zwei, vielleicht zweieinhalb dieser Schaufeln Dreck passten nicht darauf. Dann war die Ladung fertig. Dieser Traktor fuhr weg, ein anderer folgte fünf Minuten später. Nun wieder das gleiche Bild: Geschickt, als ob es sich um Filigranarbeit handele, wurden die Dreckhaufen aufgeschichtet und weggefahren.

Noch sehen viele freie Flächen so wie hier aus: Nowshera im Januar 2011. (Foto: CARE/Schwarz)

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Es geht weiter, aber sehr schleppend

Mittwoch, 26. Januar 2011

Endlich der erste Besuch dort, wo die Reise nach Pakistan im vergangenen Jahr begonnen hatte: Charsadda und Nowshera. Das sind zwei Distrikte in der Provinz KPK (Khyber-Pakhtunkhwa) im Nordwesten des Landes, in denen die Flut unvorstellbare Verwüstungen angerichtet hatte. Die sieht man noch heute, ein halbes Jahr danach. Morgens trage ich noch meinen traditionellen pakistanischen Schal, den mir ein Freund hier einmal geschenkt hatte. Es ist sehr kühl morgens, kaum mehr als null Grad. Das merkt man am „Wohnsitz des Islam“, wie Islamabad übersetzt heißt – auf etwas mehr als 1.000 Metern.

Nach der Flut hat Ali aus Nowshera ein neues Leben begonnen. Diesmal sogar mit Zement zwischen den Steinen seines Hauses und nicht Lehm, wie vorher. "Mir geht es sehr gut", sagt er. (Foto: CARE/Schwarz)

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Bestes Wissen, schlechtes Gewissen

Mittwoch, 26. Januar 2011

Es ist ein Dilemma, in das man immer wieder kommt, wenn man für eine Hilfsorganisation arbeitet. Wo dürfen wir spontan helfen, wo kann Eingreifen schaden und falsche Erwartungen wecken? In der humanitären Hilfe gilt der Grundsatz Do no harm“ – also „richte keinen Schaden an“.

Ein Markt in Haiti: Hilfsorganisationen wie CARE müssen entscheiden, wer die Hilfe am dringendsten benötigt, wie und wo sie ausgeführt wird. (Foto: CARE/Wilke)

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Immer noch Wasser im Süden, Schnee im Norden

Montag, 24. Januar 2011

Direkt neben mir wird gerade gebetet. Es ist halb sechs am Abend. In diesem muslimisch geprägten Land hat gerade der Muezzin dazu aufgerufen. Die Teppiche werden ausgebreitet. Die Menschen stehen, knien, beten. Sicher auch dafür, dass nicht noch eine Katastrophe ihr Land heimsucht. Heute morgen gegen halb acht hat die Erde hier gebebt. Die nüchternen Zahlen klingen nicht beunruhigend: 6,1 auf der Richterskala, Dauer: knapp sieben Sekunden. Dennoch fährt einem der Schreck in die Glieder. Das würde noch fehlen, sagen hier viele, die sich auch noch an das katastrophale Beben von 2005 erinnern. Dabei hat das ganze Land mit den Folgen der Flut aus dem letzten Sommer natürlich immer noch zu kämpfen.

Auch sechs Monate nach der Flut hat Pakistan noch mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen. (Foto: CARE/Gressmann)

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Schon wieder Pakistan?

Sonntag, 23. Januar 2011

Ich hatte nur kurz anrufen wollen, um mich zu verabschieden. Das mache ich immer, auch wenn es nur kurze Reisen sind. Meine Eltern sowieso, meine Geschwister und – einigen Freunden sage ich „Tschüss“. Eine Freundin zündet dann immer „eine Kerze an, damit Du sicher wieder nachhause kommst“, wie sie sagt. Das macht sie wirklich immer. Nicht nur, wenn ich in etwas unsicherere Gegenden reise.

Auch die 20-jährige Balquis konnte, wie viele andere junge Frauen im Punjab, ihr Kind im Krankenhaus gesund zur Welt bringen. (Foto: CARE/Schwarz)

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