5 Fakten: Darum geht Euch El Niño etwas an

El Niño ist eigentlich vorbei – und betrifft trotzdem immer noch 60 Millionen Menschen weltweit. Was das für sie bedeutet? Wie sich das Wetterphänomen auswirkt? Und was das alles mit Klimawandel zu tun hat? El Niño im Faktencheck:

1. Ihr wisst nicht, was El Niño ist?

Für Mosambik bedeutet El Niño: die schlimmste Dürre seit 35 Jahren.

In Mosambik hat El Niño die schlimmste Dürre seit 35 Jahren verursacht. Das bedeutet keine Ernte und vor allem Hunger. (Foto: Adérito Bie/CARE)

Keine Sorge, Ihr seid nicht die einzigen. Hier die Antwort: El Niño ist ein Wetterphänomen, bei dem sich ungewöhnlich warme Luft über dem Pazifischen Ozean ausbreitet. Das Zusammenspiel zwischen Winden und Meeresströmungen verändert das Wetter überall auf der Welt. Die Folgen: Weniger Regen und Dürren, in manchen Gebieten auch Überschwemmungen. Das klingt zu kompliziert und zu technisch? Dann zeigen Euch diese Frauen und Männer aus Mosambik, welche konkreten Auswirkungen das  Wetterphänomen auf sie hat.

Für 23 Millionen Menschen im südlichen Afrika gehört Nahrungsmittelunsicherheit deshalb seit mehr als einem Jahr zum Alltag. Warum werden gerade die ärmsten Gemeinden am stärksten getroffen? Ein Grund ist die Landwirtschaft: Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind darauf angewiesen. El Niño bedeutet für sie Dürre, Dürre bedeutet keine Ernte. Und keine Ernte bedeutet für sie kein Essen und kein Einkommen. So können sie sich auch nichts kaufen, die Marktpreise in einigen Ländern haben sich mehr als verdoppelt. Die Menschen haben kein Wasser, können nichts trinken und sich nicht waschen. Krankheiten breiten sich schneller aus, Kinder können nicht mehr zur Schule gehen.

2. Frauen und Mädchen: Doppelt benachteiligt

El Niño trifft Frauen und Mädchen besonders stark.

Mädchen und Frauen trifft El Niño besonders stark. Warum ist das so? (Foto: Paulina Filipe/CARE)

In Mosambik trifft El Niño vor allem Frauen und Mädchen. Die kürzlich erschienene CARE-Studie „Hope dries-up? Women and Girls coping with Drought and Climate Change in Mozambique“ zeigt, wozu die vorherrschende Verzweiflung die Frauen zwingt: Um ihre Familien zu versorgen, werden Sex oder andere ausbeuterische Praktiken als Gegenleistung für Geld in Kauf genommen und viele Mädchen früh verheiratet. Der Gedanke dahinter: Mit der Mitgift kann die restliche Familie leichter versorgt werden.

Seitdem Lebensmittel zur Mangelware geworden sind, gibt es immer mehr sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt. „Während unserer Forschung fanden wir heraus, dass schon Mädchen im Alter von elf oder zwölf Jahren von älteren Männern an Wasserstellen weggelockt wurden, im Gegenzug für Essen oder Geld“, erzählt ein CARE-Mitarbeiter. „Einige der Mädchen wurden schwanger und wurden von ihren Gemeinden und Familien ausgestoßen.“ Anstatt zur Schule zu gehen, sind die Mädchen stundenlang damit beschäftigt, Wasser und Essen zu finden. Die Krise trifft sie und die Frauen Mosambiks unverhältnismäßig stark.

3. Nur eine Vorschau

So who is to blame for El Nino?

Ist auch der Klimawandel für El Niño mitverantwortlich?

El Niño ist an sich ein natürliches Wetterphänomen. Aber der Klimawandel verstärkt es. Obwohl die ärmsten Gemeinden am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, wird es vor allem sie in Zukunft treffen. Aber, so CARE-Klimaexperte Kit Vaughan, das ist noch nicht alles. „Was wir gerade im Süden Afrikas sehen, ist nur eine Vorschau. Das wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auch auf uns zukommen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es auch zu unserer Normalität. Dann ist das, was die Menschen gerade in Mosambik erleben, die Zukunft auch unserer Enkel.“ Doch es ist noch nicht zu spät. Kit ist schon lange in Sachen Klimawandel aktiv und hat viele UN-Klimagipfel erlebt. Seine Worte ermutigen dazu, selbst aktiv zu werden: „Ohne den Druck der Bürger und ohne ihr Handeln gäbe es kaum Veränderung. Ohne ihre Unterstützung gehen die führenden Politiker nicht die nötigen Kompromisse ein und erfüllen ihre Versprechen nicht.“

Auch heute schon gibt es Lösungen. Roland Bunch, der sich seit über vierzig Jahren mit landwirtschaftlicher Entwicklung beschäftigt, hat eine unabhängige Studie in Mosambik durchgeführt. Seine Erkenntnis: Gerade die Gemeinden, die sich durch Unterstützung an das veränderte Wetter anpassen konnten, haben nicht nur überlebt, sondern sind sogar gestärkt aus der Dürre hervorgegangen. Denn auf lange Sicht werden die Dürren und Überschwemmungen nicht verschwinden, sondern immer häufiger. Deshalb konzentriert sich CARE neben der unmittelbaren Versorgung auch darauf, die Widerstandsfähigkeit der Menschen zu stärken: mithilfe von modernen Landwirtschaftsmethoden, widerstandsfähigem Saatgut und der Suche nach alternativen Einkommensquellen. Ein Erfolgsrezept dafür sind die CARE-Kleinspargruppen. Familien, die daran teilnehmen, überstehen Krisen deutlich besser.

4. Warum Sparen teuer wird

Vorbeugung ist wichtig, denn noch viele Dürren werden zum Beispiel Malawi treffen.

Dürren werden die Menschen auch in Zukunft treffen. Darum ist Vorbeugung so wichtig. (Foto: Lucy Beck/CARE)

Kostet es uns nicht noch mehr, vorbereitet zu sein, anstatt nur auf Katastrophen zu reagieren? Das Gegenteil ist der Fall. Das letzte Mal, als El Niño vor fast zwanzig Jahren 21.000 Tote und verheerende Zerstörungen hinterließ, belief sich der Schaden auf umgerechnet 33 Milliarden Euro. Dabei zeigen Studien, dass jeder Dollar, der zum Katastrophenschutz eingesetzt wird, sieben Dollar für Notfallmaßnahmen einspart.

Bisher wurden nur 45 Prozent des regionalen UN-Spendenaufrufs für den Süden Afrikas von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro finanziert. Viel Geld? Mit Sicherheit. Aber schließlich hängen auch Millionen von Menschenleben davon ab. Je länger Mittel fehlen, desto länger müssen die Menschen leiden, sind künftigen Katastrophen ausgeliefert und desto kostspieliger wird auch die Nothilfe – ein Teufelskreis. Wir müssen verstehen, dass humanitäre Hilfe nicht ausreicht, um den Kreislauf aktueller Krisen zu durchbrechen. Vorbeugung ist das Schlüsselwort. Frühzeitige Reaktionen und eine gute Vorbereitung kosten weitaus weniger Geld und Menschenleben.

5. La Niña: Keine Zeit zu verlieren

Susan Uni stammt aus Papua-Neuguinea. El Niño betrifft auch sie.

Auch Susan Uni in Papua Neuguinea braucht eine helfende Hand – heute und in Zukunft. (Foto: Sam Bolitho/CARE)

El Niño hat eine Schwester? Ja, und sie heißt La Niña. Oft folgt ihm La Niña und bringt entgegengesetzte Wetterextreme in die Regionen, die bereits von El Niño schwer getroffen wurden: Neue Überflutungen und Dürren sind der Fall. Aktuellen Vorhersagen zufolge ist La Niña zwar diesmal deutlich geschwächt, aber sie kommt, zumindest mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent. Und dann?

Auch hier ist Vorbereitung wieder der Schlüssel. Wichtig ist, jetzt zu handeln und so die Existenzgrundlagen vieler Menschen schützen, Proviant bereitstellen und die Gemeinden stärken zu können. Der Klimawandel ist der Gegner einer völlig neuen Dimension. Wir müssen ihn verstehen, um ihm entschieden gegenübertreten zu können, und dabei flexibel und kreativ sein. Und wir müssen lernen, uns anpassen zu können. Damit wir aktuelle und auch zukünftige Folgen meistern.

Einsatzorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.