Klima-Meilenstein Paris? Ja, aber…

Klimaexperte Sven Harmeling war im Dezember 2015 für CARE vor Ort, als die internationale Gemeinschaft das lang ersehnte, neue Klimaabkommen in Paris verabschiedete. In seinem Blog wagt er den Blick in die Zukunft nach Paris, in der auf eine Absichtserklärung dringend konkrete Maßnahmen folgen müssen.

"Den Planeten erhalten." Klimabotschaften auf Pappmaschee-Enten. (Foto: CARE Frankreich)

„Den Planeten erhalten.“ Klimabotschaften auf Pappmaschee-Enten. (Foto: CARE Frankreich)

Das Klima-Abkommen von Paris war unzweifelhaft ein Meilenstein für die internationalen Bemühungen, einen unkontrollierbaren Klimawandel noch abzuwenden. Dass gerade die besonders armen Menschen seinen Folgen ausgesetzt sind, sehen wir bei CARE immer wieder in unserer täglichen Arbeit. Sich für die Belange der besonders Betroffenen einzusetzen ist daher auch Hauptmotivation für CARE’s klimapolitische Arbeit.

Erschöpft, aber auch zufrieden bin ich vor drei Monaten aus Paris zurückgekommen, wohl wissend, dass man den Wert des Pariser Abkommens erst im Nachhinein daran messen können wird, wie es umgesetzt wird. Dies hat vor wenigen Tagen auch die UN-Klimachefin Christiana Figueres, die maßgeblich für das Gelingen des Pariser Klimagipfels verantwortlich war, bei einem Empfang in Bonn unterstrichen. Die Ergebnisse der Klimakonferenzen seien praktisch lediglich Absichtserklärungen, die noch in die Wirklichkeit reflektiert werden müssten: ein „sehr hartes Stück Arbeit.“ Auch heute also scheint unsere CARE-Bewertung, dass das Abkommen ein Hoffnungssignal für die Ärmsten ist, aber alleine nicht die Welt rettet, noch vollständig angebracht.

Der Klimawandel schlägt auch in 2016 zu

Die Hoffnung nährt sich leider nicht daraus, dass sich das Wetter als Reaktion auf die politischen Vereinbarungen plötzlich beruhigt hat. Im Gegenteil: Der Beginn des Jahres 2016 hätte kaum deutlicher machen können, dass die Vereinbarungen der Regierungen keine leeren Absichtserklärungen bleiben dürfen. Nachdem 2015 das bisher wärmste Jahr war, sind schon wieder neue Temperaturrekorde gebrochen worden. Das Wetterphänomen El Niño trifft nun auf ein insgesamt aus den Fugen geratenes Klima. In Äthiopien droht die schlimmste Dürre seit 30 Jahren, CARE hilft hier seit Monaten, die schlimmsten Folgen für die Ernährungssicherheit der Menschen zu mildern. Ein verheerender Wirbelsturm brachte Ende Februar Leid und Zerstörung über den Pazifikstaat Fiji. Ausgerechnet Fiji, dessen Parlament wenige Tage zuvor als erstes das Paris-Abkommen ratifiziert hatte.

Über Paris hinaus mobilisieren und Solidarität zeigen

Hoffnung macht allerdings der in Paris stark gewachsene Zusammenhalt und die Dynamik gesellschaftlicher Kräfte, die die ernsthafte Bedrohung des Klimawandels verstanden haben. Vor Ort in Paris gab es viele kreative und aussagekräftige Aktionen einer Vielfalt an Akteuren, die ein und dasselbe Ziel teilen: Klimagerechtigkeit. Auch CARE hat daran mitgewirkt. Regierungsdelegierten haben wir von SchülerInnen gebastelte Pappmaschee-Enten mit Klimabotschaften übergeben, um uns für eine höhere Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern einzusetzen. Die Enten, widerstandsfähiger gegenüber Überschwemmungen als andere Haustiere und daher Teil von CARE-Anpassungsprojekten zum Beispiel in Bangladesch, standen dabei stellvertretend für eine breite Palette an Maßnahmen, die CARE mit Betroffenen in vielen Ländern umsetzt. Für unsere Zusammenarbeit mit einer einflussreichen Gruppe von Entwicklungsländern zur Stärkung des globalen Temperaturziels auf 1,5-Grad, das es letztlich in das Klima-Abkommen schaffte, erfahren wir viel Unterstützung und neue Impulse für die Zeit nach Paris.

Hoffnung macht, dass so einflussreiche Akteure wie der Papst oder der amerikanische Schauspieler Leonardo di Caprio bei seiner Oscar-Preisrede, aber auch Wirtschaft und Wissenschaft die gesellschaftliche Debatte, mit Verweis auf die in Paris vereinbarten ambitionierten Klimaziele, vorantreiben.

Global denken – lokal handeln: nach Paris erst recht!

Dies muss sich natürlich auch in konkreten politischen Beschlüssen niederschlagen, um den Übergang zu einer klimafreundlichen Gesellschaft schrittweise ausreichend zu beschleunigen.  Immerhin: In aktuellen Debatten auf europäischer, aber auch deutscher Ebene sehen wir, wie das 1,5-Grad-Limit nun dafür genutzt wird, mehr Klimaschutz zu fordern und in den nächsten Jahrzehnten den Komplettausstieg aus den fossilen Energien hin zu erneuerbaren Alternativen zu planen. Das ist dringend notwendig, denn uns läuft die Zeit davon. Auch die EU-Außenminister haben kürzlich die Bedeutung des Paris-Abkommens anerkannt und verweisen darauf, dass Klimawandel immer mehr zu Migration als Folge von Ressourcenknappheit, Unsicherheit und Staatenverfall beiträgt. Unterstützung für die Reduktion von Klimagasen und Maßnahmen zur Klimaanpassung wird als Schlüsselaspekt der EU-Klimadiplomatie betrachtet. Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der EU in den kommenden Tagen und Wochen mit akuten Flüchtlingskrisen befassen, dürfen sie diese systemischen Zusammenhänge nicht aus dem Blick verlieren. Ambitioniertere Klimaschutzziele als die bisherigen wären so auch ein klares Signal an viele vom Klimawandel gebeutelte Länder, dass sie auf die Solidarität der EU zählen können, und diese den Klimawandel und seine Folgen nicht kurzsichtig aus dem Blick verliert. Nicht zuletzt lässt sich Paris aber auch in Handeln für jeden und jede Einzelne übersetzen. Heute ist es viel einfacher und oft auch kostengünstiger als noch vor ein paar Jahren, klimafreundlich zu handeln, zum Beispiel durch die Nutzung erneuerbarer Energien.

CARE wird auch in den nächsten Jahren weiter an konkreten Lösungen und der Umsetzung der Absichtserklärungen von Paris durch die politischen Entscheidungsträger arbeiten, damit das Hoffnungssignal weiterlebt und die Ziele des Paris-Abkommens zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden können. In Zusammenarbeit mit vielen anderen Akteuren und hoffentlich auch mit Ihrer Unterstützung.

Bitte unterstützen Sie die Arbeit von CARE zum Schutz des Klimas und für die Betroffenen des Klimawandels mit Ihrer Spende.

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