„Manche wollten reden, andere einfach nur weinen.“

Basheer Alzaalan, 29, floh vor etwa einem Jahr aus Syrien nach Deutschland. Für CARE war er im Vorfeld des fünften Jahrestages der Syrienkrise in Berlin, um mit einer Straßenmalaktion auf das Leid seiner Landsleute aufmerksam zu machen. 

Die Sonne schien in Bonn, als wir am Sonntag in den Zug nach Berlin stiegen. Das beste Wetter für einen Spaziergang mit Familie und Freunden oder um warm eingepackt in der Sonne zu liegen. Für uns war die Sonne aber vor allem ein gutes Vorzeichen: Wir machten uns auf den Weg zu einer Straßenmalaktion, die bei Regen nicht stattfinden kann, weil das Wasser sonst die Kreide wegspült. Anlass für die Aktion: der fünfte Jahrestag der Syrienkrise. Unser Ziel: Aufmerksamkeit schaffen für die größte humanitäre Krise unserer Zeit. Wir wollten unsere Solidarität ausdrücken mit den Millionen von Syrern, die unter Krieg und Gewalt leiden – entweder in Syrien selbst, oder in Nachbarländern wie dem Libanon, Jordanien oder der Türkei. Angst, Hunger und Tod bestimmt seit Jahren ihr Leben.

"Es hat mich berührt und auch beruhigt, dass so viele Menschen sich für das Leid der Menschen interessieren." (Foto: CARE/Auerbach)

„Es hat mich berührt und auch beruhigt, dass so viele Menschen sich für das Leid der Menschen interessieren.“ (Foto: CARE/Auerbach)

Ich komme selbst aus Syrien, bin vor etwas über einem Jahr nach Deutschland geflohen. Mittlerweile bin ich Bundesfreiwilliger bei CARE Deutschland und unterstütze das KIWI-Projekt, bei dem wir Kinder mit Migrations- und Fluchthintergrund bei der Integration unterstützen.

Als wir am Sonntagabend in Berlin ankamen, trafen wir die zwei syrischen Flüchtlinge Maram und Omran, die vor ein paar Jahren für CARE Jordanien als freiwillige Helfer tätig waren. Es war spannend von ihnen aus erster Hand zu hören, wie die Hilfe von CARE für die Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens  abläuft.

Am nächsten Morgen ging es früh los: Auf dem Potsdamer Platz wurde zunächst Cola auf den Boden gestrichen, damit die Farbe besser haftet. Auf einer 40 Quadratmeter-Fläche begann die Straßenkünstlerin Frederike Wouters mit ihrer Arbeit. Schüler und Schülerinnen der Gail Halvorsen Schule in Berlin unterstützten sie, damit sich Passanten ein „Bild von Syrien“ machen können. Zusammen mit ein paar anderen Kollegen habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die sich für das Bild und für die Syrienkrise interessiert haben. Es war eine gute Gelegenheit, über die Situation und die Hilfe vor Ort zu sprechen. Viele von ihnen gingen noch einen Schritt weiter und haben ihre Wünsche für Syrien auf eine Tafel geschrieben und sich damit vor einer Fotowand fotografieren lassen. Es hat mich berührt und auch beruhigt, dass sich so viele Menschen für das Leid der Menschen interessieren. Ihre Wünsche für Frieden und ein Ende der Gewalt in Syrien bedeuten mir viel. Viele der Passanten kamen aus Berlin oder waren Touristen. Aber es waren auch einige andere syrische Flüchtlinge vor Ort. Manche wollten reden, andere wollten einfach nur weinen. Ein Mann aus Syrien ist zu mir gekommen und hat sich viele Male bedankt. Dann konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Er erzählte mir, dass er gerade aus dem Krankenhaus gekommen ist und wie sehr ihm die Aktion jetzt hilft, sich besser zu fühlen. Zu sehen, dass die Menschen Syrien nicht vergessen haben.

Klare Botschaft zum 5. Jahrestag der Syrienkrise. (Foto: CARE/Auerbach)

Klare Botschaft zum 5. Jahrestag der Syrienkrise. (Foto: CARE/Auerbach)

Bei all dem Leid ist natürlich nicht nur humanitäre Hilfe wichtig, sondern auch, dass endlich Frieden einkehrt. Deswegen war ich sehr beeindruckt, dass auch einige Politiker vor Ort waren. Bärbel Kofler, die Bundesbeauftragte für humanitäre Hilfe und Menschenrechtspolitik, hat auch ihren Wunsch für Syrien auf eine Tafel geschrieben: „Frieden, Nahrung, Gesundheitsversorgung und Schulen für Kinder.“

Ein paar ältere Menschen konnten sich auch noch gut an den Krieg in Deutschland erinnern und wie sie selbst damals Hilfe benötigten. Der Potsdamer Platz ist ein symbolischer Ort, direkt neben unserem Bild konnte man noch gut sehen, wo die Berliner Mauer einmal stand. Dass hier, wo noch vor einigen Jahrzehnten auch Krieg herrschte, heute neue Gebäude stehen, Menschen einkaufen gehen, lachen und sich Frieden für Syrien wünschen, gibt mir Hoffnung. Hoffnung, dass ich irgendwann wieder auf einem zentralen Platz in Damaskus stehen kann und sehe, dass die Wünsche der Menschen in Berlin in Erfüllung gegangen sind.

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