Das KIWI-Projekt: Wir fördern die Jugend

Von Marie Pieper, Bundesfreiwillige in der CARE-Pressestelle

Uns bei CARE ist es wichtig, die Jugend zu fördern; global, aber auch hierzulande. Deshalb haben wir das KIWI-Projekt ins Leben gerufen.

300.000 Kinder mit Flucht- oder Migrationshintergrund wurden im letzten Jahr in Deutschland eingeschult. Diese große Zahl stellt für viele Schulen eine Herausforderung dar. Die Lehrer stehen plötzlich vor ganz neuen Fragen: Wie geht man mit traumatisierten Kindern um? In welcher Kultur sind die Schüler aufgewachsen? Wie sieht es in ihren Herkunftsländern aus?
CARE hat es sich zum Ziel gesetzt, Schulen bei der Bewältigung dieser Schwierigkeiten zu helfen und im Januar 2016 das Projekt „KIWI“ ins Leben gerufen. Die Abkürzung steht für Kultur, Integration, Werte und Initiative; die Punkte, an denen CARE ansetzen möchte.

Um das Vorhaben umzusetzen, hat das KIWI-Team zunächst Lehrer geschult. An dem Fortbildungsprogramm nahmen 58 Lehrkräfte von 28 Schulen in NRW teil – ein großer und überraschender Erfolg. Sie alle erhielten ein Curriculum mit Workshops zu den Themen Kultur, Werte & Rechte, Umgang mit Geschlechterrollen, Gewalt & Konflikte. So wurden sie darauf vorbereitet, diese Themen auch in ihren Integrationsklassen zu behandeln. Doch nicht nur die Lehrer, auch das KIWI-Team selber führte Workshops in unterschiedlichen Schulen durch.

Am 29. Juni konnte ich einen solchen Workshop begleiten. Wir fuhren nach Viersen, zum Lise-Meitner-Gymnasium, um dort in der „Willkommensklasse“ mit zehn Schülern mit Fluchthintergrund über ihre Schullaufbahn und Berufswünsche zu sprechen. „Ich möchte später KFZ-Mechatroniker werden“, hieß es von vielen Jungs. Aber auch Berufe wie Arzt, Lehrer und Anwalt waren beliebt. Doch für die geflüchteten Schüler ist es alles andere als einfach, diese Träume zu verwirklichen. Vor allem die deutsche Sprache ist für viele von ihnen ein Hindernis. Thomas Knoll, Leiter des KIWI-Projekts, erklärte jedem Schüler individuell, welchen Weg er oder sie gehen muss, um den Traumberuf zu verwirklichen.

Thomas Knoll erklärt den Schülern, was sie tun müssen, um ihren Traumberuf zu erreichen. (CARE/Marie Pieper)

Thomas Knoll erklärt den Schülern, was sie tun müssen, um ihren Traumberuf zu erreichen. (CARE/Marie Pieper)

Dass dieser Weg lang und beschwerlich sein kann, schreckt hier niemanden ab. Alle lernen ehrgeizig Deutsch und haben schon tolle Fortschritte gemacht. Um jedoch an einem Gymnasium mit den anderen Schülern mitzuhalten, werden sie noch lange weiterlernen müssen. Die Schüler lassen sich davon aber nicht entmutigen: Ihre Motivation und die Aussicht auf eine sichere Zukunft sind viel stärker.

Oft vergisst man, was diese Kinder und Jugendlichen schon alles erlebt und durchgestanden haben. Sie sind geflohen; hatten keine andere Wahl, als ihre geliebte Heimat zu verlassen, auf der Suche nach Sicherheit. Einige von ihnen sind im Krieg aufgewachsen, kannten bis vor kurzem keinen Frieden. Dass diese Kinder jetzt in Deutschland sind und den Ehrgeiz haben, die Sprache und einen Beruf zu erlernen, verdient größten Respekt.

Diesen Ehrgeiz möchte CARE unterstützen: Um schulische Integrationsmaßnahmen zu fördern, begleitet CARE die Schulen bei ihrer Umsetzung und stellt finanzielle Hilfen zur Verfügung. Im Zuge dessen haben zum Beispiel Schüler der Liebfrauenschule Mülhausen gemeinsam mit ihren geflüchteten Klassenkameraden einen Hühnerstall gebaut; ein Projekt, welches auch die Aufmerksamkeit von NRW-Familienministerin Christina Kampmann (SPD) auf sich zog. Die gemeinsame Arbeit hat den geflüchteten Schülern dabei geholfen, in die Klassengemeinschaft integriert zu werden und besser Deutsch zu lernen. Einer von ihnen ist Boubacar, 16, aus Guinea: „Es hat mir großen Spaß gemacht und ich habe sehr viel Arbeit in den Stall gesteckt.“

Ministerin Kampmann besuchte ein KIWI-Projekt in Mülhausen. Die Schüler haben gemeinsam einen Hühnerstall gebaut. (MFKJKS NRW/ H. Severin)

Ministerin Kampmann besuchte ein KIWI-Projekt in Mülhausen. Die Schüler haben gemeinsam einen Hühnerstall gebaut. (MFKJKS NRW/ H. Severin)

Das Ziel von CARE ist es, das Potenzial aller Schüler zu fördern und ihnen Mut zu machen. Denn sie sind ein Teil von Deutschlands Zukunft und werden es mit viel Ehrgeiz schaffen, ihre Träume zu verwirklichen.

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