Trainings in Mosambik: Veränderung durch positive Beispiele

Von Male Thienken, Projektreferentin Afrika, CARE Deutschland

Dies ist nicht nur meine erste Reise nach Mosambik, sondern auch der erste Besuch unseres BMZ-IKU finanzierten Projektes „Anpassung an den Klimawandel in Nampula“, das im Januar 2015 begonnen hat. Ziel des Projektes ist es, Kleinbauern, insbesondere Frauen, darin zu unterstützen, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen und so ihre Widerstandsfähigkeit zu verbessern.
Nach meiner Ankunft in der Hauptstadt Maputo und einem ersten Treffen in der Deutschen Botschaft, geht meine Reise bereits am frühen Morgen des nächsten Tages weiter in den Norden nach Nampula. Ich werde am Flughafen von meinem Kollegen Nicholas Dexter abgeholt und wir machen uns auf den Weg nach Angoche, um voller Energie und Vorfreude mit dem Besuch der Projekte dort zu beginnen. In den nächsten Tagen werde ich einige Multiplikationsfelder und Kleinspargruppen besuchen. Besonders wichtig ist mir aber eine weitere Komponente unserer Arbeit: Die Ernährungstrainings.

Theater als Mittel der Aufklärung

In Sawa-Sawa, im Distrikt Angoche, besuche ich das Theaterstück einer Projektgruppe, die sich mit Ernährung und Genderfragen auseinandersetzt. Dabei schlüpfen die Gruppenmitglieder in die Rollen zweier Paare, die ein Kind erwarten. Das erste Paar, das im Vorfeld der Geburt nicht an einem Ernährungstraining teilgenommen hat, bekommt ihr Baby zu früh. Da die Frau noch bis zur Geburt auf dem Feld gearbeitet und sich nur von Manioca ernährt hat, wiegt ihr Kind unter 2000 Gramm.
Das zweite Paar jedoch wurde geschult und ernährt sich ausgewogen. Insbesondere achtet hier die schwangere Frau darauf, mehrmals am Tag zu essen, wird außerdem von ihrem Mann zur Entbindung begleitet und bringt schließlich ein fast 4000 Gramm schweres Baby zur Welt. Das Baby des zweiten Paares entwickelt sich darüber hinaus deutlich schneller als das des ersten Paares.
In der anschließenden Diskussion werden wichtige Ernährungsgrundsätze sowie Veränderungen im Umgang mit Rollenverhältnissen und Tabus besprochen. Früher war es für Schwangere beispielsweise verboten, Eier zu essen. Man glaubte, dem Baby würden sonst keine Haare wachsen. Dank Gender- und Ernährungstrainings glaubt das inzwischen jedoch niemand mehr.

Mit Hilfe von Theaterstücken setzen sich die Projektteilnehmer mit Fragen über Ernährung, Rollenverteilung und die Entwicklung ihrer Kinder auseinander. (Foto: CARE/Male Thienken)

Mit Hilfe von Theaterstücken setzen sich die Projektteilnehmer mit Fragen über Ernährung, Rollenverteilung und die Entwicklung ihrer Kinder auseinander. (Foto: CARE/Male Thienken)

Diskussionen und Veränderungen

Am nächsten Tag besuchen wir ein klassisches Training in Maganha in Larde. Nach einer kurzen Wiederholung des Erlernten aus dem letzten Treffen durch die Teilnehmer, beginnt der Gruppenleiter mit einer Frage in die Runde: Wer arbeitet mehr? Frauen oder Männer? Daraufhin bittet er die Mitglieder, sich nach Geschlechtern getrennt aufzuteilen und jeweils aufzumalen, mit welchen Aufgaben Männer beziehungsweise Frauen an einem Tag beschäftigt seien. Beide Gruppen haben sichtlich Spaß an ihrer Aufgabe. Die Ergebnisse werden schließlich vorgestellt und entsprechen der vorherigen Annahme, dass Frauen mehr Arbeit als Männer haben. Zwar wird bemerkt, dass einige typisch männliche Aufgaben, wie das Fischen, härter seien als etwa das Kochen der Frauen. Dennoch sind sich alle einig, dass eine etwas gerechtere Aufteilung gesünder wäre. Es wird auch über die Risiken gesprochen, die entstehen, wenn eine Frau direkt nach der Geburt wieder schwanger wird. Die Gruppe ist sich einig: Am besten ist es, eine Pause von zwei Jahren zwischen zwei Geburten zu wahren. Wie dies jedoch praktisch einzuhalten sei, darüber entbrennt eine hitzige Diskussion – leider ohne Ergebnis. Ich bin bedrückt über fehlendes Wissen und fehlende Möglichkeiten, aber auch erfreut über die Offenheit der Leute und den Willen, ihre Situation zu verändern.

Viele Teilnehmer sind stolz, als Positivbeispiele neue Wege zu gehen und den anderen Mut zur Veränderung zu machen. (Foto: CARE/Male Thienken)

Viele Teilnehmer sind stolz, als Positivbeispiele neue Wege zu gehen und den anderen Mut zur Veränderung zu machen. (Foto: CARE/Male Thienken)

Auch am letzten Tag im Feld, in Colocoto, werden Ernährungstipps und die Infragestellung von Rollenverteilungen in einem Theaterstück kommuniziert. Mir gefällt besonders, wie ein Mann zu einem anderen, der sein Baby in einem Tragetuch trägt, sagt, dass er sich vorher nicht getraut hätte, das zu tun, aus Scham. Jetzt aber, wo er den anderen sehe, würde er es auch machen. In allen Gruppen treffen wir auf solche Teilnehmer, die hoch motiviert sind, als Positivbeispiele voranzugehen, und man merkt ihnen auch an, dass es sie stolz macht, diese Rolle übernehmen zu dürfen.

Weitere Infos zur Arbeit von CARE in Mosambik finden Sie auf unserer Homepage.

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