Abgeholzt und abgerutscht: Die Wälder von Uluguru
Von Sandra Bulling
Der grüne Schein trügt: Die Wälder Tansanias werden vielerorts unkontrolliert abgeholzt (Foto: CARE/Bulling)Das Uluguru-Gebirge türmt sich mitten im flachen Land Tansanias auf und ragt über 2000 Meter in die Höhe. Die Spitzen der Berge sind verdeckt von flaumigen Wolken, die felsigen Hänge fallen schroff nach unten ab. Von der Stadt Morogoro aus erhebt sich vor mir ein Panorama, welches man auch in der Schweiz oder in Österreich genießen kann. Doch etwas stört den malerischen Blick aufs Gebirge: Wo einst grüne Wälder die Berge säumten, macht sich heute ein brauner Flickenteppich aus ausgebrannter Erde und verdorrten Feldern breit. Nur noch vereinzelt wachsen hohe Bäume, das wenige Grün bilden Sträucher, Büsche und Bananenbäume. „Hier gab es früher überall dichten Waldbestand“, erklärt mir Lopa, der CARE-Projektmanager. „Doch die Dörfler in den Wäldern roden zu viel, um neue landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen.“
Löcher in den Straßen und ein voll bepackter Jeep
Unser Ziel heute ist Kibungo, ein Dorf weit oben in die Uluguru-Bergen. Obwohl es nur 60 Kilometer von Morogoro entfernt ist, brauchen wir mehr als drei Stunden dorthin. Die Straße ist kaum ihren Namen wert, unser Jeep springt von Loch zu Loch. Langsam zieht sich der Wagen die rote Piste hoch. Wir fahren an Reis- und Maisfeldern vorbei, sehen Bananenplantagen und Kokospalmen. Heute ist Markttag, wir passieren Händler, die bergeweise Bananen und Orangen verkaufen. Um vom Markt nach Kibungo zu gelangen, müssen die Einwohner den Berg herab laufen – und mit ihren Einkäufen wieder in die Höhe. Wir nehmen ein paar Einwohner mit, bis unser Jeep aus allen Nähten platzt. Während wir den Berg hinaufschaukeln, überlege ich zusammen mit dem Fahrer, ein Busunternehmen zu gründen. Doch was uns in diesem Moment als Scherz erscheint, ist für die Dorfbewohner bittere Realität. Ohne Straßen, ohne Transport können sie ihre Produkte nicht verkaufen.
Waldrodung und Erdrutsche gehen Hand in Hand
So leben sie vom Ertrag ihrer Felder. Und wenn ein Boden seine Fruchtbarkeit durch zu intensiven Anbau verliert, muss neues Land bewirtschaftet werden. Und dafür müssen Bäume fallen. „Dazu kommt, dass die Bauern sehr umweltschädigend anbauen“, erklärt mir Lopa. „Es gibt heutzutage Techniken, wie beispielsweise den Terrassenanbau oder die Nutzung von natürlichem Dünger, die die Felder und den Boden schonen.“
Es ist ein Teufelskreis: Je mehr Wald gerodet wird, desto mehr rutscht der Boden den Hang hinab. Ohne die stabilisierenden Wurzeln, kann sich das Erdreich nicht mehr halten und zerstört Felder, Straßen, Wege. Lopa und sein Team aus Morogoro erklären den Bauern, wie wichtig der schonende Umgang mit der Natur ist. Sie zeigen die neuen Techniken und deren richtige Anwendung.
Die Lösung: Umweltschutz wird bezahlt
Doch dies ist nur ein Teil des Projektes, das CARE zusammen mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) durchführt. In den Uluguru-Bergen entspringt der Ruvu-Fluss, der als wichtige Wasserquelle für die Versorgung der Hauptstadt Dar es Salaam gilt. Durch die Bodenerosion ist das Wasser verschmutzt und oft nur mit teuren Filtersystemen zu gebrauchen. Deswegen verfolgen CARE und WWF eine neue Idee: Die Bauern sorgen für sauberes Wasser, indem sie umweltschonender anbauen. Doch für diese Mühe sollen sie bezahlt werden – und zwar von den Firmen, die weiter unten am Flusslauf vom sauberen Wasser profitieren. „Damit bekommen die Menschen, die in den Uluguru-Bergen leben, einen Anreiz, die Wälder zu schonen“, sagt Lopa.
CARE hat einen Businessplan entwickelt, um den Firmen dieses Bezahlsystem schmackhaft zu machen. Noch ist das Projekt am Anfang, erst müssen die Bauern das Wasser sauber halten, dann können sie von den Firmen Geld verlangen. „Ich bin sehr optimistisch“, freut sich Lopa. „Wir haben bereits einige interessierte Firmen, wie Coca Cola, die in diese Idee investieren wollen. Es ist dringend notwendig, denn sonst sind die Uluguru-Berge bald nicht mehr für ihre grünen Wälder, sondern nur noch für ihre rote Erde bekannt.“
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