Äthiopien: „Diese Dürre ist härter als jemals zuvor“

Vor kurzem reiste Wolfgang Jamann, Generalsekretär von CARE International, nach Äthiopien, um die Auswirkungen von El Niño auf das Land am Horn von Afrika besser zu verstehen. In Ost-Haraghe traf er Tuba Alyi und sprach mit ihr darüber, wie sie sich durch Sparen auf schwere Zeiten vorbereitet.

Dr. Wolfgang Jamann, Generalsekretär von CARE International im Gespräch mit Tuba Alyi ( Foto: Terhas Berhe/CARE)

Dr. Wolfgang Jamann, Generalsekretär von CARE International im Gespräch mit Tuba Alyi (Foto:Terhas Berhe/CARE)

Tuba Alyi wurde 1984 während einer Hungersnot geboren. Sie hat nicht nur als Kind Hunger und Dürre überlebt, auch danach folgten viele Dürreperioden in ihrem Land. Doch die derzeitige Dürre ist anders. Sie ist noch härter als die vorherigen. In den letzten 30 Jahren gab es keine schlimmere Dürre als die, die das Wetterphänomen El Niño seit Ende 2015 mit sich bringt.

Einen Tag bevor ich Tuba traf, bereitete sie mit den letzten Hirsesamen, die sie noch besaß, eine Mahlzeit für sich und ihre Kinder zu. Ich treffe sie an einer der Stationen, an denen CARE Lebensmittel verteilt. Tuba musste, wie auch viele ihrer Freunde, die Mahlzeiten der Familie reduzieren. Früher gab es drei Mahlzeiten am Tag, heute nur noch eine. Doch eine Mahlzeit am Tag führt zu Nährstoffmangel. Damit steigt das Risiko auf langfristige gesundheitliche Probleme sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei Kindern.

Trotz der vielen Probleme, die Tubas Alltag begleiten, ist sie voller Energie und Optimismus. Sie ist Mitglied in einer Kleinsparergruppe, die von CARE ins Leben gerufen wurde.

Die meist aus Frauen bestehenden Gruppen sparen zusammen Geld. Von dem gemeinsam ersparten Geld kann sich jedes Mitglied einen Mikrokredit leihen, um beispielsweise in eine Kuh zu investieren oder in einer Notsituation Bargeld zur Verfügung zu haben. Gemeinschaftlich wird beschlossen, wer ein Darlehen erhält und wann es zurückgezahlt werden muss.

Eigentlich konnte Tuba wöchentlich fünf äthiopische Birr sparen, das sind umgerechnet etwa 20 Cent. El Niño und die Dürre haben viele ihrer Reserven aufgebracht. Weiter zu sparen wird immer schwieriger. Man kann Geld nicht essen. Aber Tuba weiß, dass sie und ihre Gruppe auf lange Sicht vom Sparen profitieren werden. Dazu muss sie die jetzige Trockenzeit überleben. Sie weiß, dass sie verhindern muss, dass sie alle ihre Habseligkeiten verliert. Sonst wird sie in einem Teufelskreis der Armut gefangen sein.

Früher gab es drei Mahlzeiten am Tag, heute nur noch eine. ( Foto: Terhas Berhe/CARE)

Früher gab es drei Mahlzeiten am Tag, heute nur noch eine. (Foto:Terhas Berhe/CARE)

Tuba erzählt von ihrer Kleinsparergruppe. Wenn eines der Mitglieder in einer schwierigen Situation steckt, stehen ihm alle mit Rat und Tat zu Seite. Entscheidungen werden nach gemeinsamer Beratung getroffen und in besonders schwierigen Zeiten versucht man zusammen etwas zu erreichen. Beispielsweise legen alle ihr Geld zusammen und investieren gemeinsam in die Hühnerzucht statt in den Hirseanbau.

Ein solches Sicherheitsnetz durch Zusammenarbeit und Solidarität hilft der ganzen Gemeinschaft flexibler und widerstandsfähig zu werden, vor allem angesichts des Klimawandels.

Dieses Jahr reichen die Gemeinde basierten Bewältigungsmechanismen alleine jedoch nicht aus, um den Auswirkungen von El Niño entgegen zu wirken. Die Arbeit internationaler Hilfsorganisationen ist jetzt dringend erforderlich.

Als eine starke, entschlossene und energische Frau ist Tuba ein leuchtendes Beispiel dafür, wie die Fähigkeiten entwickelt werden können, zukünftige Dürreperioden besser zu meistern.
Ihr Beispiel zeigt auch, dass Kleinsparergruppen ein hervorragendes Mittel sind, um die Frauen im ländlichen Äthiopien zu stärken, so dass sie alle notwendigen Fähigkeiten besitzen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Tuba und andere Frauen brauchen Ihre Hilfe! Bitte unterstützen Sie die Arbeit von CARE mit Ihrer Spende. 

Auf unserer Homepage erfahren Sie mehr über unsere Arbeit in Afrika.

 

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