Aleppo: „Bitte rettet uns“

Khaled Mostafa von CARE arbeitet mit und für syrische Partnerorganisationen in der Grenzregion. Den verzweifelten Aufruf der Weißhelme aus Aleppo nimmt er zum Anlass, erneut an die internationale Gemeinschaft zu appellieren und sie zum Handeln aufzufordern:

„Ab jetzt wissen wir nicht mehr, was mit uns passieren wird oder wie wir überleben können.“ Das ist die einzige Nachricht, die wir von unseren syrischen Kollegen in Aleppo innerhalb der letzten Tage bekommen haben. Wir machen uns große Sorgen, schließlich hat sich die Lage dramatisch verschlechtert und die Regierung kontrolliert wieder die Stadt. Und diese Nachricht, die uns schließlich erreicht, trägt kaum zu unserer Beruhigung bei.

Die Bewohner Aleppos haben große Angst. Berichten zufolge werden Menschen festgenommen, inhaftiert oder sie verschwinden einfach. Viele verabschieden sich vorsichtshalber schon in den sozialen Medien. Sie könnten nicht beschreiben, was sie sehen, und seien höchstwahrscheinlich tot, wenn sie beim nächsten Mal nicht antworten. Nur eines ist sicher: Die heftigen Kämpfe halten an und Bomben können nicht zwischen humanitären Helfern, Zivilisten oder bewaffneten Gruppen unterscheiden.

Nichts als Zerstörung: Ein Mitarbeiter einer CARE-Partnerorganisation in Syrien hat dieses Bild aus Ost-Aleppo Ende November geteilt. (Foto: Ahmad Makiya/CARE)

Nichts als Zerstörung: Ein Mitarbeiter einer CARE-Partnerorganisation in Syrien hat dieses Bild aus Ost-Aleppo Ende November aufgenommen. (Foto: Ahmad Makiya/CARE)

Verzweifelte Aufrufe verschiedener syrischer Hilfsorganisationen erreichen uns. Sie alle flehen um Unterstützung dabei, Zivilisten aus Ost-Aleppo zu evakuieren. Darunter ist auch eine Partnerorganisation von CARE: die Weißhelme, die zuletzt mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Sie fordern die sichere Evakuierung der verbleibenden Zivilisten, die im Osten der Stadt eingeschlossen sind, so wie auch sie selbst: „Während wir diese Zeilen schreiben, regnen Bomben auf uns nieder. Seit Jahren setzen sich unsere freiwilligen Helfer dafür ein, die Leben der Menschen in Aleppo zu retten“, teilen sie in einem Schreiben an die internationale Gemeinschaft mit.

Sie seien mit ihren Kräften am Ende. „100.000 Zivilisten sind auf fünf Quadratkilometern eingekesselt, während ständig geschossen wird und die Truppen weiter vorrücken. In einem Gebäude hier haben mehr als 500 Menschen Zuflucht gesucht, andere harren tagelang unter der Erde aus.“

Die Leben der humanitären Helfer in Ost-Aleppo sind ebenfalls stark bedroht. Seit 2012 ist jegliche humanitäre Versorgung verboten, die nicht durch die Regierung genehmigt wird. Werden Zivilisten in den von den Rebellen besetzten Gebieten versorgt, gilt das als Akt des Widerstandes und als Unterstützung der Rebellen. Maßnahmen, um Leben zu retten, werden als kriminell eingestuft. Unsere Kollegen riskieren es, festgenommen, gefoltert oder getötet zu werden.

Diese Puppe wurde in den Trümmern eines zerstörten Hauses in Ost-Aleppo. (Foto: Ahmad Makiya/CARE)

Diese Puppe wurde in den Trümmern eines zerstörten Hauses in Ost-Aleppo gefunden. (Foto: Ahmad Makiya/CARE)

Wir sind frustriert von unserer Hilflosigkeit. Gleichzeitig sind wir entsetzt, dass die internationale Gemeinschaft dieses Massaker andauern lässt. Aber wir dürfen nicht aufgeben. Wir dürfen uns nicht von Verzweiflung überwältigen lassen, wenn hunderttausende Zivilisten versuchen, im Bombenhagel zu überleben.

Wir haben weder den Luxus noch das Recht zu schweigen. Deshalb fordern wir die am Konflikt beteiligten Regierungen erneut und immer wieder dazu auf, das Richtige zu tun: Die schwerwiegenden Verletzungen von internationalem Recht müssen sofort aufhören. Alle Parteien müssen ihre Gewalttaten sofort einstellen und den humanitären Akteuren erlauben, die Zivilisten vor Ort mit der dringend benötigten Hilfe zu versorgen. Wir dürfen keine Zivilisten opfern. Jedes Menschenleben zählt.

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