Ankunft im Chaos

Szene der Verwüstung im Westen von Visayas in der Gemeinde Ivizan, Capiz Provinz. CARE und seine Partner erreichte die Region am 11. November 2013. (Foto: ACCORD / CARE)

Szene der Verwüstung im Westen von Visayas in der Gemeinde Ivizan, Capiz Provinz. CARE und seine Partner erreichten die Region am 11. November 2013. (Foto: ACCORD / CARE)

11. November 2013, 19:00 Ortszeit, MEZ 12:00 Uhr: „Als wir mit dem Boot am Hafen in Ormoc City auf der Insel Leyte von Bord gingen, standen wir sofort mitten im Chaos. Alles um uns herum war von Haiyan zerstört worden. Blechdächer hingen wie nasse Decken in den Bäumen. Die Häuser entlang der Küste wurden dem Erdboden gleichgemacht. Im Landesinneren sind nahezu alle Dächer abgedeckt worden. Rund fünf Prozent der Holzhäuser stürzten  sind in sich zusammen. Viele Menschen, denen wir auf unserem Weg durch die Region Süd-Leyte begegnet sind, hatten einen Hammer oder andere Werkzeuge in den Händen: Sie versuchen ihre Häuser und Dächer mit Holzstücken zu reparieren, die sie auf der Straße und zwischen den Trümmern finden. Denn Warteschlangen vor Baumärkten sind viel zu lang. Um Benzin für unser Auto zu bekommen, warteten wir ungefähr zwei Stunden. Viele Straßen sind passierbar, aber es kostet viel Zeit um selbst kurze Wege zurückzulegen.

Ihr ist nichts geblieben, außer ihren durchnässten Schulbüchern

In Ormoc habe ich mit einem Ladenbesitzer gesprochen, dessen Geschäft zerstört wurde: Der Wirbelsturm hat ihm alles genommen und er fragt sich, wie er seine fünf Kinder nun ernähren soll. Ich traf auch ein kleines Mädchen, das versuchte ihre durchnässten Bücher zu trocknen: Ihr Haus wurde völlig zerstört, aber sie sorgte sich um ihre Schulbücher, den einzigen Dingen, die ihr geblieben sind.

Wir sind gerade in Jaro angekommen, einer kleinen Stadt auf dem Weg nach Tacloban. Hier auf den Philippinen bricht die Nacht an und bei Dunkelheit können wir unseren Weg nicht fortsetzen. Den heutigen Abend werden wir in der Polizeistation der Kleinstadt verbringen. Auch hier sind die Spuren des Wirbelsturms nicht zu übersehen: Ein umgestürzter Stormmast lehnt gefährlich über der Polizei-Station und wird von allen großräumig gemieden. Wir sind der Polizei in Jaro sehr dankbar, dass wir uns hier aufhalten und ihre Sanitäranlagen benutzen dürfen! Wo wir diese Nacht schlafen, das ist noch nicht sicher, vielleicht im Auto oder draußen. Unser Plan ist es, morgen nach Dulag, südlich von Tacloban zu fahren. Unser Fahrer kommt gerade von dort und sagte uns, dass die Lage sehr kritisch sei und Menschen dringend Hilfe brauchen.

Die Menschen kämpfen mit allen Mitteln um Reis

Die Verzweiflung der Menschen in den Philippinen nimmt mehr und mehr zu. Einige Beamte und Einheimische kamen auf uns zu und berichteten uns von Plünderungen in der Umgebung. Die Menschen hier versuchen mit allen Mitteln Reis für ihre Familien zu bekommen. Denn seit drei Tagen ist das Essen knapp und jeder will seine Familie ernähren. Deshalb ist es so wichtig, dass wir schnellstmöglich Hilfsgüter und Nahrung in diese Region bringen. In Ormoc gab es noch Vorräte: wir konnten dort Geflügel und Reis kaufen, auch wenn die Warteschlangen an den Verkaufsstellen sehr lang waren. Zurzeit sind wir in der Nähe einer größeren Stadt und ich will mir gar nicht vorstellen, wie die Lage in den ländlichen Gebieten aussieht. Mit den ersten Sonnenstrahlen werden wir unsere Reise fortsetzen. Ich denke, dass keiner aus unserem Team heute viel Schlaf bekommt.“

Bitte unterstützen Sie die CARE-Nothilfe mit Ihrer Spende!

Einsatzorte

2 Gedanken zu “Ankunft im Chaos

  1. Hallo Sandra, ich wohne und arbeite in Kuala Lumpur und bin erschüttert, vor allem weil es so nah vor der Haustür ist – kannst du mir sagen, wie ich nicht „mit Geld“ sondern in Persona vor Ort ab dem 15 Dec helfen kann? – ich würde die Weihnachtszeit nutzen wollen um zu helfen – freu mich auf dein feed back – danke LG frank

    • Lieber Frank,
      vielen Dank für deine Hilfsbereitschaft! Wir wissen Dein Engagement sehr zu schätzen und danken Dir für Dein Hilfsangebot. Allerdings arbeitet CARE in Krisengebieten fast ausschließlich mit einheimischen Mitarbeitern, so auch in den Philippinen. Sie kennen das Land und die Sprache und waren bereits vor der Katastrophe vor Ort. Auch unsere deutschsprachige Mitarbeiterin Sandra Bulling ist zurzeit mit der philippinischen Partnerorganisation ACCORD unterwegs, um den vom Taifun betroffenen Menschen Hilfe zu leisten.
      Wir hoffen sehr, dass Du die Arbeitsweise von CARE in solchen humanitären Krisen nachvollziehen kannst. Wie also helfen? Tatsächlich – sei es aus Deutschland oder aus dem nahen Malaysia – am besten zunächst mit einer Spende. Denn damit können wir den Betroffenen zurzeit am meisten helfen und das bereitstellen, was sie zum Überleben nun am dringendsten brauchen: sauberes Trinkwasser, Nahrung, Medikamente und eine Unterkunft! Für 24 Euro können wir z.B. schon eine Notunterkunft für eine Familie bereitstellen. https://secure.care.de/spenden-helfen/spenden/online/

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