Äthiopien: Teure Nahrung, magere Zeiten

Von Mandefro Mekete, Nothilfekoordinator, CARE Äthiopien

Ich kann mich ganz deutlich an die Ausrufung der Hungerskrise am Horn von Afrika erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Am elften Juli begann die Welt das Ausmaß der Katastrophe endlich wahrzunehmen. 5,4 Millionen Menschen waren damals schon allein in Äthiopien dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Wasserknappheit, und damit verbundene Infektionskrankheiten bedrohten Millionen von Menschen und Tieren.

Ich kann mich so deutlich an den Juli 2011 erinnern, weil es damals genau ein Jahr her war, seitdem ich eine Dürrewarnung für das Horn von Afrika an unsere internationalen Partner gemeldet hatte. Schon für August 2010 war trockenes Klima, typisch für das „La Niña“-Wetterphänomen, vorhergesagt. Da ich selbst im dürreanfälligen Nordosten von Äthiopien aufgewachsen bin, weiß ich, was solch eine Wettervorhersage bedeutet.

Chronische Nahrungsunsicherheit

Der Magersaison vorbeugen: CARE verteilte schon früh Nahrungsmittel. (Foto: CARE/ Bulling)

CARE hat daraufhin sofort reagiert und begann mit der Vorsorge für eine mögliche Krise. Schon im Februar 2011 haben wir die ersten Nothilfeprogramme in der von der Dürre betroffenen Region Borena im Süden des Landes begonnen. Auch in Oromia und Afar verteilte CARE Nahrungsmittel. Später haben wir die Nahrungsmittelverteilungen aufgestockt und zusätzlich Futter für die Tiere verteilt.

Mit chronischer Ernährungsunsicherheit  kann man im ländlichen Äthiopien eigentlich jedes Jahr rechnen, unabhängig von klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Es gibt viele Ursachen für diese jährlich wiederkehrende Unsicherheit: unfruchtbare Böden auf Grund von falscher Bewirtschaftung, fehlende Sozialleistungen und unzureichender Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, Bevölkerungswachstum und die Abhängigkeit von der Landwirtschaft für den Eigenbedarf.

Die Mehrheit der äthiopischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Da der Anbau von Nahrungsmitteln vom Regen abhängt, kann dessen Ausbleiben verheerende Folgen für die Wirtschaft des Landes und für den Viehbestand und damit die Ernährungssicherheit der Bevölkerung haben.

Alles verkauft, aber Lebensmittelpreise steigen

Alles verloren: Viele Menschen brauchen Unterstützung. (Foto: CARE/ Bulling)

Jedes Jahr hat Äthiopien zwei Regenzeiten und eine Trockenzeit, die allerdings in jedem Landesteil zu unterschiedlichen Zeiten auftreten. Die schwierigste Zeit ist die sogenannte „Magersaison“ vor der Ernte, wenn die Nahrungsmittelvorräte zur Neige gehen. Während dieser Zeit steigen Lebensmittelpreise leicht an und die Viehpreise sinken.

Die Menschen reagieren unterschiedlich auf die „Magersaison“. Manche essen eine Mahlzeit weniger am Tag, andere kaufen weniger nachgefragte Nahrungsmittel oder verkaufen ihr Hab und Gut, wie zum Beispiel ihre Tiere. Desto mehr sie verkaufen, umso länger wird es dauern, bis sie wieder einen Besitz erwirtschaftet haben. So geraten sie schnell in einen Teufelskreis der Armut.

Die Menschen in Äthiopien waren 2011 nicht nur von der Dürre betroffen, sondern eben auch von den Auswirkungen der klimatischen und wirtschaftlichen Veränderungen über die Jahre hinweg. Ein Wechsel von Dürre und Überschwemmungen, starke Preisschwankungen auf dem Lebensmittelmarkt  und die Magersaison, die ohnehin auftritt, haben zu verheerenden Folgen am Horn von Afrika geführt. Man kann sagen, dass die Magersaison normal ist,  aber sie verstärkt sich seit Jahren und wird schließlich zur alles vernichtenden Katastrophe.

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