Balkan: Sei ein Mann, ändere die Spielregeln

Teilnehmer der Young Men Initiative im Kosovo. (Foto: CARE/Armend Nimani)

Teilnehmer der Young Men Initiative im Kosovo. (Foto: CARE/Armend Nimani)

In vielen Ländern auf der Welt arbeitet CARE für die Gleichstellung der Geschlechter. Mit der „Young Men Initiative“ läuft derzeit ein Programm zur Gleichberechtigung in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo und Serbien, in dem nicht Frauen die Hauptrolle übernehmen, sondern junge Männer: Be a man – change the rules! – „Sei ein Mann, ändere die Spielregeln“. Wir haben uns mit John Crownover unterhalten, einem Amerikaner, der bereits seit Jahrzehnten mit Jugendlichen in der Balkanregion arbeitet:

„Ich arbeite nun schon ziemlich lange für CARE in der Balkanregion, seit 1998, um genau zu sein. Zurzeit bin ich Teil eines Programms, das versucht, junge Männer dazu zu bewegen, sich mit „Gender“ und Gleichberechtigung auseinanderzusetzen. Wir legen Wert darauf, fragwürdigen Männeridealen entgegenzuwirken. Wir setzen im Schulsystem an, und zwar in den Berufsschulen, die hauptsächlich von Männern besucht werden. Junge Lehrer unterrichten zu geschlechtsspezifischer und sexualisierter Gewalt, auch über Fortpflanzung und Homophobie wird gesprochen.

Der typische „Macho“

In den meisten Gesellschaften gibt es ein typisches Männerbild: Männer sollen stark, fast aggressiv sein. Auch wenn viele Menschen diese Einstellung nicht teilen, fehlt oft der Mut sich öffentlich dagegen auszusprechen. Das Schweigen ebnet aber genau denen den Weg, die dieses Männerbild verkörpern und ausleben. Auf dem Balkan etwa gibt es den typischen „Macho“: Er wechselt häufig die Partnerin, trinkt viel, ist gewaltbereit, besucht das Fitnesscenter und legt Wert auf seine Nationalität.

Die Reaktion auf unsere Kurse ist oft dieselbe: Einige der jungen Männer sind zunächst skeptisch, doch dank des geringen Altersunterschieds zwischen Lehrern und Schülern sowie der Interaktivität im Unterricht lassen sie sich schnell begeistern. Außerdem erhalten sie in den Workshops die Möglichkeit, Themen zu diskutieren, die zuhause kaum angesprochen werden. Auch von den Eltern werden die Kurse gut aufgenommen – inzwischen gibt es auch Mütter und Väter, die auf uns zukommen, um ihre Kinder für unsere Kurse anzumelden.

Der Bürgerkrieg hat Spuren hinterlassen

Wir führen auch Theaterstücke auf, in denen sich die Jugendlichen mit ihrer Rolle als Mann in der Gesellschaft und in der Beziehung zu Frauen auseinandersetzen. Die Kampagne dazu heißt: „Sei ein Mann, ändere die Spielregeln“. Die Idee dazu entstand so: In Bosnien und Herzegowina wurde zu sexueller und reproduktiver Gesundheit geforscht. In unserer Gesellschaft gibt es große Probleme in der Nachkriegsgeneration: Viele Familien sind arbeitslos, Kinder und Jugendliche haben Schwierigkeiten in der Schule. Wenn Kinder in Familien aufwachsen, in denen Gewalt akzeptiert wird, ist das Risiko groß, dass sie später selbst Gewalt ausüben. Das Problem muss daher vorbeugend gelöst werden.

Im Jahr 2008 begannen wir mit der Testphase des Programms, heute arbeiten wir in rund 30 Schulen der Region. Unser langfristiges Ziel ist es, ein Pflichtprogramm in Schulen einzuführen. Es gibt solche Programme auch in anderen Ländern, etwa in Burundi oder der Demokratischen Republik Kongo. Die Rahmenbedingungen sind natürlich nicht dieselben: In ärmeren Regionen, wo nicht alle Kinder zur Schule gehen können, müssen andere Anknüpfungspunkte und -orte gefunden werden.

Was mir an der Arbeit gefällt?

Ich arbeite seit 1996 mit jungen Menschen, und ich stellte früh fest, dass es viele Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Die Jugendlichen sind desillusioniert, die meisten würden ihr Land am liebsten verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Doch dieser „Braindrain“ hilft dem Land natürlich nicht. Politiker versuchen leider den Nationalismus zu verstärken. Ich arbeite gern mit jungen Menschen zusammen und diskutiere mit ihnen die Maskulinität in unserer Gesellschaft. In letzter Zeit haben wir uns stark mit Forschungsarbeiten über Vaterschaft beschäftigt und welche Auswirkung die Präsenz/Absenz des Vaters auf das Familienleben hat. In Zukunft würde ich mich also gern auch Vätern zuwenden.“

Erfahren Sie mehr über „Be a man – change the rules!” in einem kurzen Video!

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