Bewölkt mit Aussicht auf Monsun

Sun Heng (21) ist Student in Kambodscha und macht für zwei Monate ein Praktikum in der Presseabteilung von CARE in Bonn. Im Blog erzählt er von seinen Erlebnissen.

Schon in meinen ersten Wochen in Deutschland bemerkte ich, wie unterschiedlich meine deutschen Kollegen und ich das Wetter hier empfinden. Eines Morgens fielen die Temperaturen wieder einmal auf zwölf Grad. Die Luft brannte beim Einatmen und für meine allmorgendliche Radtour zur Arbeit musste ich Schal und Pullover anziehen. An unserem Büro angekommen traf ich Franz, einen der anderen Praktikanten. Franz stand vor mir, lächelnd und gut gelaunt in seinem ärmellosen T-Shirt und freute sich anscheinend über das „tolle“ Wetter.

Schwere Regenfälle führen in vielen Teilen Asiens zu Überschwemmungen. So auch in meiner Heimat, Kambodscha. (Foto: CARE)

Schwere Regenfälle führen in vielen Teilen Asiens zu Überschwemmungen. So auch in meiner Heimat, Kambodscha. (Foto: CARE)

Als ich meinen Computer hochfuhr, stieß ich auf ein Video:  Darauf war eine Straße zu sehen, auf der sich kniehohes braunes Wasser seinen Weg bahnte. Im Hintergrund hörte ich ein Mädchen lachen, das sich mit anderen Menschen auf Khmer, meiner Muttersprache, unterhielt.

Das Mädchen in dem Video ist meine kleine Schwester.

Von „tollem Wetter“ kann meine Familie im mehr als 5.000 Kilometer entfernten Kambodscha derzeit nur träumen. Es ist Regenzeit. Das Ministerium für Wasserressourcen und Meteorologie warnte Anfang des Monats, der kommende Monsun könnte der stärkste in fünf Jahren sein. Schon jetzt spürt man seine Auswirkungen in der Hauptstadt Phnom Penh, in der meine Familie lebt. Bilder und Videos von überschwemmten Straßen und Fluten werden beinahe im Minutentakt auf Facebook gepostet. Doch es ist erst der Anfang.

Später an diesem Tag rief ich meine Familie an, um sicherzugehen, dass es allen gut geht. Sie berichteten mir von sintflutartigem Regen und dass der Fluss an manchen Stellen bereits überlief und leichte Fluten verursachte. Meine Familie musste sich in das Obergeschoss unseres Hauses zurückziehen, sorgte sich allerdings um die sanitären Anlagen, die sich im Erdgeschoss befinden.

Doch mit einem Zugang zu sauberem Wasser, Elektrizität und einem sicheren Dach über dem Kopf ist meine Familie für die bevorstehende Zeit gut ausgerüstet.

Die Monsun-Zeit stellt Nepal vor neue Herausforderungen

Ich musste an die Millionen Menschen in Nepal denken, die der Regenzeit zurzeit schutzlos ausgeliefert sind. Ein aktueller CARE-Bericht zeigt, dass über 792.000 Häuser in Folge der verheerenden Erdbeben vor etwa drei Monaten zerstört wurden. Eine sichere Unterkunft, sauberes Wasser und funktionierende sanitäre Anlagen sind für die Gesundheit der Menschen von enormer Bedeutung. Insbesondere Frauen und Kinder sind durch wasserbezogene und von Insekten übertragene Krankheiten gefährdet, die der Monsun mit sich bringt. CARE konnte bis jetzt mehr als 48.000 Menschen in Nepal mit Notunterkünften, Wasser, Nahrungsmitteln und Hygienemaßnahmen unterstützen. Doch es bleiben viele weitere, die dringend Nothilfe benötigen.

Der Monsun erschwert die humanitäre Hilfe in Nepal zusätzlich. Wegen der bergigen Landschaft stellen Landrutsche eine permanente Bedrohung dar und einige entlegene Regionen können deshalb nicht mehr oder nur unter hohem Risiko von den Helfern erreicht werden.

Die Zeit wird knapp. Menschenleben sind in Gefahr. Die Meldungen von Fluten und Hochwasser häufen sich: Myanmar, Bangladesch, Vietnam, Pakistan, Indien – die Bedrohung durch Extremwetterlagen in Asien darf nicht unterschätzt werden.

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