Bosnien und Herzegowina: Ein Leben für die Menschenrechte

Jadranka Milicevic, CARE-Projektleiterin auf dem Balkan, ist eine von vier Protagonisten der Ausstellung „Vorkämpfer für die Freiheit – 30 Jahre Sacharow-Preis“ des Europäischen Parlaments. Die langjährige Menschenrechtsaktivistin wurde im Jahr 2017 als einzige Europäerin für das Sacharow-Stipendium ausgewählt.

Jadranka, die Sacharow-Ausstellung zeigt 25 Bilder aus Deinem täglichen Leben. Was ist darauf zu sehen?

Die Fotos bilden einen einzigen Tag meines täglichen Lebens ab – das reicht aber bei Weitem nicht aus, um einen Eindruck von mir zu bekommen. Ich sehe mich als Friedensstifterin, Feministin und Aktivistin und setze mich für die Rechte aller marginalisierten Personen, insbesondere Frauen, ein. Als Projektmanagerin bei CARE verantworte ich ein regionales Projekt für Frauen in Roma-Gemeinden in Serbien, Montenegro sowie Bosnien und Herzegowina. Außerdem bin ich eine Mitbegründerin der lokalen Hilfsorganisation „CURE“ in Sarajevo, die sich für Gleichberechtigung einsetzt. Wir wollen positive soziale Veränderungen durch Bildungs-, Kultur- und Forschungsprogramme schaffen. Und ich bin Mitglied des Internationalen Friedensnetzwerkes „Women in Black“.

Jadranka Milicevic, Menschenrechtsaktivistin in der Balkanregion, ist eine Protagonistin der Ausstellung des EU-Parlaments "30 Jahre Sacharow-Preis".

Jadranka Milicevic (Mitte) bei der Vernissage der Ausstellung in Luxemburg. Foto: Europäisches Parlament

Was liegt Dir bei Deiner Arbeit besonders am Herzen?

Ich respektiere diejenigen, die man „anders“ nennt, und denke, dass jeder das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben hat. Ich engagiere mich für diejenigen, die am Rande der Gesellschaft leben und Unterstützung dabei brauchen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Was bedeutet es für Dich, Teil der Sacharow-Ausstellung zu sein?

Ich bin stolz darauf, dass meine Arbeit der vergangenen 25 Jahre anerkannt wird. Und auch die Arbeit der tollen Menschen, die ich treffen durfte. Was meine persönliche Motivation anbelangt, möchte ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen, damit mein Leben nicht vergebens war.

Fotos aus der Ausstellung zeigen Jadranka in ihrem täglichen Leben in Bosnien und Herzegowina, wo sie sich für Roma und Bedürftige einsetzt.

Die Ausstellung zeigt 25 Szenen aus Jadrankas Leben als Menschenrechtskämpferin und Aktivistin. Foto: Europäisches Parlament

2017 wurdest Du für das Sacharow-Stipendium des Europäischen Parlaments ausgewählt – als einzige Europäerin. Wie hast Du davon profitiert?

Von 1.400 registrierten Kandidaten wurden nur 14 ausgewählt, um an einem zweiwöchigen intensiven Training in Brüssel und Venedig teilzunehmen. Ich hatte die Möglichkeit, meine Kenntnisse über EU-weite und internationale Menschenrechte, -politiken und -mechanismen zu verbessern und Strategien zu entwickeln, um die Situation zu verbessern und Menschenrechte zu schützen. Ich habe zum Beispiel mehr über Menschenrechte, Kommunikation und Sicherheit erfahren, und ich habe mit Mitgliedern des Parlaments, Beamten der EU-Institutionen und Vertretern führender Menschenrechtsorganisationen gesprochen.

Du hast zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Was hat Dich dazu motiviert, Vollzeitaktivistin zu werden?

Im April 1992 waren die Angriffe auf Bosnien und Herzegowina und der Kriegsbeginn der Grund, warum ich mich dazu entschloss. Ich wollte niemanden in meinem Namen sprechen lassen und mich von niemandem manipulieren lassen. Abgesehen von den Schwierigkeiten und Problemen, die ich in all diesen Jahren hatte, habe ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung versucht, denjenigen zu helfen, die Hilfe und Unterstützung brauchten, um zu überleben und ihre Rechte wahrzunehmen.

In Europa wird gerade viel über Flüchtlinge diskutiert. Anfang der 1990er Jahre wurdest Du selbst vertrieben. Wie hast Du den Verlust Deiner Heimat erlebt?

Ich traf diese Entscheidung im Mai 1992 für meine Söhne, die damals drei und elf Jahre alt waren. Zusammen mit meinem späteren Ehemann habe ich beschlossen, Sarajewo zu verlassen – wo der Krieg schon täglich Opfer forderte. Aber als ich nach Belgrad, Serbien kam, begann ich mein Leben als Aktivistin aus Schuldgefühlen. Denn alle meine engsten Familienmitglieder, viele Freunde und Bekannte mussten bis zum Ende des Krieges in Sarajewo und Umgebung bleiben.

Entlang der Balkanroute versorgte CARE Geflüchtete mit Winterkleidung und Essenspaketen. Archivfoto: Sabine Wilke/CARE

Wie haben sich die Bedürfnisse der Menschen auf dem Balkan seither verändert?

In den 1990er Jahren drehten sich die Bedürfnisse der Menschen ums Überleben und den Versuch, in diesen schwierigen Zeiten des Krieges ihre Würde zu bewahren. Die heutigen Bedürfnisse sind wegen der schwierigen Wirtschaftslage, der Korruption und der Gewalt im Alltag vergleichbar mit dieser Zeit.

Was hat CARE in den Jahren erreicht, in denen Du für die Organisation gearbeitet hast?

Ich arbeite seit 2006 für CARE. Wir setzen uns für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz marginalisierter Menschen wie Rückkehrer, Roma, junge Menschen, Frauen, Überlebende von Gewalt oder Vertriebene ein. Wir arbeiten auf Augenhöhe mit den Menschen zusammen, um ihnen ihre Rechte auf Leben, Freiheit, Gesundheit oder Arbeit zu ermöglichen. Und wir arbeiten auch daran, alle Formen von Gewalt zu verhindern.

Erfahren Sie mehr über die Arbeit von CARE in der Balkanregion.

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