Mein politisches Jahr bei CARE

Von Benedikt Freese, Bundesfreiwilliger im Marketing, CARE Deutschland

Abitur – das stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „weggehen“. Wenn also über 400.000 Absolventinnen und Absolventen pro Jahr von der Schule „weggehen“, brauchen sie auch ein Ziel: Studium, Ausbildung, Weltreise oder ein freiwilliges Jahr. Die Wucht dieses Angebots kann einen geradezu erschlagen und es fällt oft schwer, den Überblick zu behalten. Wer allerdings Lust auf einen abwechslungsreichen Alltag hat, in einem engagierten Team arbeiten und sich persönlich weiterentwickeln will, der ist gut beraten, sich für einen Bundesfreiwilligendienst im politischen Leben der Hilfsorganisation CARE zu bewerben.

Die Bewerbung für ein politisches Jahr läuft über die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste – kurz IJGD – ab. Dort werden die persönlichen Interessen des Bewerbers sorgfältig ausgewertet. Auf dieser Grundlage empfehlt die IJGD verschiedene Einsatzstellen, bei denen sich der Bewerber nun nochmals bewirbt. Mit einer guten Bewerbung und etwas Glück hat man dann auch schon einen Platz für ein politisches Jahr, in meinem Fall bei CARE.

Jubiläumsfeier – deutschlandweit!

Bei CARE habe ich zwölf hervorragende Monate in der Geschäftsstelle in Bonn verbracht. Mein Dienst brachte mich in die Marketing-Abteilung, wo ich kollegial und herzlich empfangen wurde. CARE feierte während meines Dienstes sein 70. Jubiläum in großer Manier – es gab also immer etwas zu tun: Ob öffentliche Ausstellung in Berlin, Preisverleihung in Köln oder Beiratssitzung in Bonn – überall konnte ich mich einbringen und mithelfen. Doch auch im Büro gab es neben den Events viele spannende Herausforderungen.

So gehörte es u.a. zu meinen täglichen Aufgaben, Anfragen aller Art an die Organisation zu beantworten, Werbevideos zu drehen und zu entwickeln, Social-Media Kanäle zu betreuen, neue Inhalte auf der Homepage einzustellen und Workshops vorzubereiten. Durch diese in ihrer Art so unterschiedlichen Dinge konnte ich in viele Bereiche einen Einblick bekommen: Was passiert in einer Organisation, bis eine Idee in die Tat umgesetzt wird? Wie plant man mit vielen Leuten eine Kampagne, eine große Veranstaltung? Dies und Vieles mehr konnte ich hautnah miterleben. Natürlich stand im Büroalltag auch mal Kistenschleppen oder das Versenden der Weihnachtspost auf dem Programm, jedoch befand sich der Zeitaufwand hierfür in überschaubarem Rahmen und man konnte sich der Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher sein. Überhaupt konnte ich mich die ganze Zeit über auf eine synergetische „Hands-on“-Mentalität verlassen, mit der auch umfangreiche Aufgaben schnell erledigt werden konnten.

Benedikt in Aktion. Genauer: Bei der Städteaktion in Berlin anlässlich des 70. Jubiläums von CARE. Hier im Gespräch mit Oberbürgermeister Michael Müller. (Foto: CARE/2016)

Benedikt in Aktion. Genauer: Bei der Städteaktion in Berlin anlässlich des 70. Jubiläums von CARE. Hier im Gespräch mit Oberbürgermeister Michael Müller. (Foto: Mike Auerbach/2016)

El Niño?!

Dass ich bei all den Tätigkeiten auch entwicklungspolitisch viel dazu lernen konnte, war eine spannende Bereicherung meiner Arbeit. Zum Beispiel lernte ich die Kehrseite des Wetterphänomens El Niño, ein Begriff, der kaum in unserer öffentlichen Wahrnehmung vorhanden ist, kennen. Unter den Dürren und schwankenden Temperaturen, die El Niño verursacht, leiden weltweit Millionen Menschen. Diese schreckliche Tatsache wurde mir bei CARE erst richtig bewusst.

Die Berichte meiner Kolleginnen und Kollegen, die im Namen von CARE auf der ganzen Welt helfen und in die Projektländer reisen, erzählten mir viel mehr, als es eine Dokumentation im Fernsehen könnte. Besonders ergriff mich das Schicksal der Bauern in Laos, deren Felder mit Millionen nicht-explodierter Bomben des Vietnamkriegs übersät sind. So ist ihre tägliche Arbeit stets mit dem Risiko verbunden, auf eine Bombe zu treten. Geschichten wie diese lassen einen erst recht erkennen, wie gut wir es hier in Deutschland haben.

Politische Seminare: Auf zu neuen Ufern

Neben meinem abwechslungsreichen Arbeitsalltag, der Wochen wie im Fluge vergehen ließ, standen fünf verpflichtende politische Seminare auf dem Programm, bei denen man mit anderen Freiwilligen zusammentraf, die ebenso ein politisches Jahr absolvierten, bei anderen Organisationen, Stiftungen oder parlamentarischen Fraktionen. Hier setzten wir uns intensiv mit Themen unserer Wahl auseinander und verbrachten die Wochen gemeinsam auf engem Raum. Bei diversen Exkursionen – beispielsweise zum Aktivistencamp am Hambacher Forst, dem hessischen Landtag oder dem ehemaligen Bundesrat der Bonner Republik – lernten wir viele neue Perspektiven auf politische Streitthemen kennen. Die Seminare waren geprägt durch eine spannende Gruppendynamik, die durch die verschiedenen Hintergründe der Teilnehmenden entstand und mir stets Freude bereitete. Insgesamt waren sie zum ohnehin abwechslungsreichen Alltag im CARE-Büro eine tolle Ergänzung, bei denen ich neben dem Inhaltlichen auch tolle Menschen kennenlernen durfte.

Die Bundesfreiwilligen sind ein wichtiger Bestandteil des CARE Deutschland-Teams und nehmen auch an Meetings und Planungstreffen teil. Eine gute Gelegenheit für einen Instagram-Schnappschuss! (Foto: Benedikt Freese/CARE)

Die Bundesfreiwilligen sind ein wichtiger Bestandteil des CARE Deutschland-Teams und nehmen auch an Meetings und Planungstreffen teil. Eine gute Gelegenheit für einen Instagram-Schnappschuss! (Foto: Benedikt Freese/CARE)

All das – die Veranstaltungen, der spannende Alltag und die interessanten Seminare – setzten sich zu einem intensiven und gleichsam facettenreichen Jahr für mich zusammen. Oft sagt man, dass man die Güte einer Entscheidung erst nach einiger Zeit beurteilen kann. Auf meine Entscheidung, einen Freiwilligendienst bei CARE zu machen, trifft das nicht zu, da ich mich hier vom ersten Tag an wohlgefühlt habe.

So kann ich besten Gewissens sagen, dass ich Jeder und Jedem, der Lust hat, sich in einer großen Organisation einzubringen und das Abenteuer nicht scheut, eine Bewerbung bei CARE ans Herz lege. Ich habe sie nicht bereut!

Meine Bufdi-Kollegin Marie engagierte sich zur gleichen Zeit in der Pressestelle und hat auch Einiges zu erzählen. Wenn auch Du nun Interesse an einem Bundesfreiwilligendienst bei CARE hast, dann besuche unsere Webseite für weitere Infos.

Einsatzorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.