Dadaab: Wie Geflüchtete zu Helfern werden

Geflüchtete sind stets auf die Hilfe anderer angewiesen? Ganz und gar nicht! Eine kleine Geschichte über sechs Millionen Liter Wasser.

Der Unterschied zwischen einem Geflüchteten und einem Helfer in einem Flüchtlingscamp wie Dadaab scheint auf der Hand zu liegen. Doch die Übergänge können fließend sein – wie Wasser. Der Grund dafür ist der Ansatz der Hilfe, den CARE in Dadaab anwendet, einem der weltweit größten Flüchtlingscamps, gelegen im Osten Kenias. 245.000 Menschen suchen hier aktuell Zuflucht. Männer, Frauen und Kinder flohen vor Gewalt, Dürre und Hunger aus Somalia, dem Südsudan und anderen ostafrikanischen Ländern. Einige leben bereits seit zwei Jahrzehnten hier, andere verließen erst vor kurzem ihre Heimat.

Dadaab liegt in der Mitte einer von Dürre betroffenen Wüste, so dass Wasser eine überlebenswichtige wie rare Ressource ist. In zwei der fünf Flüchtlingscamps hier arbeiten CARE und das Europäische Amt für humanitäre Hilfe (ECHO) daher mit 1.600 Geflüchteten an der Wasserversorgung für die übrigen Mitglieder ihrer Gemeinden. Gemeinsam versorgen sie am Tag über 120.000 Millionen Menschen mit über sechs Millionen Litern Wasser; die Geflüchteten spielen dabei die Schlüsselrolle! Wir haben mit einigen dieser Wasserhelden und jenen, die von ihrem Einsatz profitieren, gesprochen:

 

Mohammed: Der Mann fürs Dringende

Mohammed kümmert sich um alle Reparaturen, die an den Wasseranlagen anfallen. (Foto: CARE/Sven Torfinn)

Mohammed Ibrahim Abdi (45) ist der Mann für alle Notfälle. Er ist Teil des Wasserbeschaffungs- und Hygieneteams und kümmert sich um alle notwendigen Reparaturen: Von kaputten Rohren in Schulen bis zu defekten Latrinen repariert Mohammed alles, was anfällt. „An extrem heißen Tagen kann meine Arbeit sehr erfrischend sein! Und mit dem Geld, das ich verdiene, kann ich mir zu meinen monatlichen Essensrationen noch Zucker, Reis und Früchte dazu kaufen,“ erzählt er uns stolz.

 

Hado: Die Pionierin

Die Somalierin Hado ist stolz, eine Arbeit zu haben. (Foto: CARE/Sven Torfinn)

Hado Abdi Gedi (28) ist ein echtes Vorbild für alle Frauen in Dadaab. Ihr Beispiel zeigt, dass auch sie in oftmals von Männern besetzen Berufsfeldern vordringen können. Trug Hado anfangs nur die Verantwortung für die Wasserversorgung ihrer Familie, ist sie mittlerweile Teil des Sicherheitsteams, welches die Wassertanks in Dadaab überwacht. Und sie genießt hohes Ansehen: „Ich bin stolz, eine Arbeit zu haben. Das ist nicht üblich für somalische Frauen. Aber für mich ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur zu Hause für meine Familie, sondern auch für die anderen Somalierinnen und Somalier in Dadaab.“

 

Jundani: Der zukünftige Ingenieur

Jundani arbeitet als Wassertankwart in Dadaab. (Foto: CARE/Sven Torfinn)

Jundani Mahamed Sharman (32) kümmert sich um die Wassertanks in Dadaab. „Ich bin ein Flüchtling und versorge meine Gemeinde mit Wasser. Die Menschen vertrauen mir. In meiner Ausbildung zum Wassertankwart habe ich gelernt, wie man den Generator und das Solarsystem eines Wassertanks repariert. Wenn ich jemals die Chance habe, in meine Heimat Somalia zurückzukehren, werde ich dieses Wissen mitnehmen. Wer weiß, vielleicht kann ich dann als Ingenieur arbeiten.”

 

Bahabo: Die Bäuerin in der Wüste

Bahabo baut lokales Gemüse an, das sie an Nachbarn und Freunde in Dadaab verkauft. (Foto: CARE/Sven Torfinn)

Bahabo Hussein Abdullahi (36) ist sehr kreativ. Sie schöpft übergelaufenes Wasser an den Wassertanks ab und verwendet es, um Okras und anderes lokales Gemüse anzubauen. Sie verkauft es dann an Nachbarn und Freunde und hat so einen kleinen Nebenverdienst. „Das Geld, was ich mit dem Anbauen des Gemüses verdiene, verwende ich zur Versorgung meiner Kinder und für die Ausbesserung der Schäden an unserer Unterkunft. Ich bin froh darüber, dass ich auf diese Weise etwas dazu verdienen kann, unsere Zukunft sichert es aber natürlich nicht.“

 

Tabbissa: Mutter und Großmutter aus dem Südsudan

Tabbissa sorgt für ihre sechs Töchter und zwei Enkelkinder. (Foto: CARE/Sven Torfinn)

Tabbissa Nyancholl Malek (41) floh bereits 1992 aus dem Sudan nach Kenia. Seit ihr Mann verstorben ist, ist sie das Oberhaupt der Familie. Tabbissa hat sechs Töchter und zwei Enkelkinder. „Die Wasserversorgung in Dadaab ist gut. Dennoch war es eine Herausforderung für mich, zweimal am Tag Wasser abschöpfen zu gehen, doch die zwei großen Kanister von CARE und ECHO haben diese Aufgabe sehr erleichtert. Nun kann ich meine täglichen Haushaltsaufgaben viel besser einteilen.“

 

Isha: Mutter von sechs Kindern

Isha ist froh, dass es an den meisten Tagen genug Wasser in Dadaab gibt. (Foto: CARE/Sven Torfinn)

„Kein Mensch kann ohne Wasser überleben. Wir sind bereits morgens nach dem Aufstehen darauf angewiesen. Wir brauchen es, um uns zu waschen und zu kochen. Wir sind froh darüber, dass wir an den meisten Tagen genug Wasser haben. Aber wenn das Wetter weiterhin so heiß und trocken bleibt, wird es schwierig für uns und die anderen Menschen hier im Camp.“

Sicherheitsleute, Wassertankwärter und Mütter: In Dadaab helfen sich die Geflüchteten gegenseitig und übernehmen Verantwortung füreinander. Sie können sie dabei unterstützen: Spenden Sie für die CARE-Projekte in Dadaab!

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