„Danke“ ist nicht gleich „Danke“

11. Juli 2011  |  Autor: (269 Artikel)
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von Alexandra Lopoukhine

10. Juli 2011. Heute Morgen diskutierten die CARE-Mitarbeiter über Pläne und Ideen, die Wasserversorgung in den Gegenden, in denen die neuen Flüchtlinge ankommen, auszubauen. Ein Wasser-Experte von CARE International ist bereits seit einigen Tagen in Dadaab, um einzuschätzen, was am dringendsten benötigt wird: Vor allem mehr der 10.000 Gallone-Tanks, mehr Bohrungen und Bohrlöcher.

Jeden Tag kommen in Dadaab neue Flüchtlinge an. Es ist schwierig, mit der Hilfe nachzukommen. (Foto: CARE/Holt)

Heute Nachmittag habe ich mich auf den Weg nach Dagahaley gemacht und mit ein paar Leuten gesprochen, die seit weniger als drei Monaten hier leben. Schnell versammelten sich viele Menschen um mich herum. Eine Frau erzählte mir, dass es an Wasser fehle. Wir wurden alle von einem großen Mann überragt. Ich bin zwar sehr klein und es ist nicht schwer, größer als ich zu sein, aber dieser Mann war wirklich hochgewachsen. Er erklärte mir, dass viel zu viele Menschen eine Latrine teilen müssten. Er sagte, sie bräuchten mehr Wasser, was sie im Moment haben, sei nicht genug. Alle waren sich darin einig.

Ich erzählte ihnen, dass ein Wasser-Experte angereist sei, um CARE darin zu beraten, wie die Wasserversorgung am besten erweitert und verbessert werden kann. Ich sagte ihm, dass wir wissen, dass es nicht genug ist. Und dass die Welt der Situation in Dadaab Aufmerksamkeit schenkt, dass Geld gegeben wird, damit mehr Nahrung, Wasser und Unterstützung garantiert werden kann. Ich entschuldigte mich, dass die Situation im Moment noch so schwierig ist. Aber mit den vielen neuen Flüchtlingen, die im Camp ankommen, ist es nicht einfach. Ich bat sie, geduldig zu sein.

Was dann passierte, werde ich so schnell nicht vergessen. Als mein Übersetzer damit fertig war, zu erklären, dass wir unter Hochdruck arbeiten, um die Situation zu verbessern, lächelte er. Er lächelte und schaute mir in die Augen und sagte „Danke“. Die Menge nickte und lächelte auch. Dieses „Danke“ war das ehrlichste, aufrichtigste und herzlichste, das ich jemals gehört habe.

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4 Gedanken zu “„Danke“ ist nicht gleich „Danke“

  1. Hallo Frau Mitscherlich,

    vielen Dank für die Links ich habe mir die Informationen über das ALP, die Schulung von Gemeinden in traditionelle Bewältigungsstrategien und das Konzept der Spargruppen durchgelesen. Das war sehr interessant.
    Ich finde es gut, dass Sie vor Ort die Kommunikation und die kurz/mittelfristigen „coping-strategies“ schulen.

    In einem interessanten Beitrag von Aljazeera (sh. Link) in der auch jemand von Care International auftritt, werden einige wichtige Fragen gestellt.

    http://english.aljazeera.net/programmes/insidestory/2011/07/201171185829495562.html
    Ich möchte hier eine kurze Zusammenfassung wiedergeben, da einige Punkte angesprochen wurden, die meiner Meinung nach nicht genug von NGOs angepackt werden.

    In dem Beitrag sagte zum Beispiel Alan Tomlinson von Care International, dass Monate zuvor Regierungen gewarnt wurden. Warum konnte es zu einer solchen Zuspitzung der Situation und des Leides kommen? Arbeitet Care eng mit Regierungen zusammen bzw. ist Care imstande mit anderen NGOs genügend Druck auf die jeweiligen Regierungen auszuüben, damit die betroffenen Länder irgendwann einmal eigenständig mit Problemen umgehen können?

    Daphne Wysham sprach in dem Aljazeera Beitrag darüber, dass die Klimaerwärmung besonders Länder in Ostafrika betreffen wird, das Dürren besonders in Ostafrika immer häufiger und heftiger auftreten werden. Es handelt sich also um ein wiederkehrendes Muster, dass immer stärker wird.

    Ich finde im Angesicht solcher zu erwartender Dürren und Katastrophen sollte Care sich darauf fokussieren mit medienwirksamen Aktionen auf die Folgen aufmerksam zu machen (zum Beispiel wie Greenpeace). Bei jeder Hungerkatastrophe holen Tausende Menschen die Kreditkarten heraus, um kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Das ist löblich, aber die strukturellen Probleme bleiben (Spekulationen mit Lebensmitteln, Subventionen in westlichen Ländern, Anbau von Monokulturen, wie Kaffee für den Export). Auch Aly Khan Satchu schlägt vor, dass man neben den kurzfristigen Lösungen das große Ganze nicht aus den Augen verlieren sollte und neue Strategien benötigt, um Probleme in den Griff zu bekommen.

    Verstehen Sie mich bitte nicht falsch ich bin für Hilfe und für NGOs aber wenn ich lese, dass seit Monaten vor dieser extremen Dürre gewarnt wurde und dass es in einigen Teilen Ostafrikas seit 2 Jahren nicht mehr geregnet hat. Dann frage ich mich warum ich davon nichts in den Zeitungen gelesen habe (ich lese die Taz und den Spiegel und habe nichts darüber gelesen), warum darüber nicht berichtet wurde. Wenn Sie jetzt sagen, dass das die Zeitungen nicht interessiert darüber zu schreiben, dann muss Care und die anderen Organisationen mehr Druck ausüben, damit diese wichtigen Reports überall zu lesen sind (Medien schaffen Awareness, daraus entsteht Interesse, daraus entsteht dann hoffentlich Druck auf die Politik…).

    Viele Grüße aus Berlin Izzl

  2. Ich finde den Einsatz auch unbedingt notwendig und gut, dass sich Care engagiert. Aber wenn ich dieses Zitat hier lese:

    „Das Horn von Afrika ist chronisch von Nahrungsmittelknappheit bedroht, und die Gründe sind vielfältig: Tief verwurzelte Armut, Klimawandel, Konflikt und soziale Ungerechtigkeit […] All diese Probleme müssen angepackt werden, um dem Kreislauf der wiederkehrenden Hungersnöte zu entkommen.“ CARE arbeite seit Jahren in der Region und entwickele mit den Gemeinden erfolgreich Strategien, um mit Hilfe von traditionellem Wissen Dürreperioden zu überstehen.“

    ,dann frage ich mich was Care tut bzw. was mit dem Geld angestellt wird, das besorgte und engagierte Menschen spenden. Dadaab ist seit 20 Jahren ein Refugee camp! Das Lager sind überfüllt und die Situation der Flüchtlinge bessert sich nicht. Was tut Care, um die Situation zu verbessern? Nach welchen Kriterien wird das Geld aufgeteilt, wie wird die Sinnhaftigkeit von Projekten evaluiert?

    Ja selbstverständlich werde ich spenden, aber ich sehe seit 20 Jahren die gleichen Bilder, höre die gleichen Spendenaufrufe und die gleichen Versprechen, erfolgreiche Strategien umzusetzen…

    • Lieber Izzl Stuff,

      Vielen Dank für Ihren Kommentar! Ihre Fragen sind absolut verständlich und legitim und werden im Moment von vielen Menschen geteilt. Auch für uns ist Ihre Frage interessant, weil sie uns zeigt, dass Katastrophen leider nur wahrgenommen werden, wenn sich eine breite Öffentlichkeit und die Medien dafür interessieren. CARE arbeitet seit vielen Jahren, teilweise seit Jahrzehnten, in Regionen am Horn von Afrika. Unser Anliegen ist, dass wir eben nicht erst vor Ort sind, wenn es „schon zu spät“ ist. Wir haben daher zahlreiche Projekte in Kenia, Somalia und Äthiopien – also die jetzt betroffenen Gebiete – um zu verhindern, dass es überhaupt so weit kommt. Es gibt verschiedene Initiativen, die darauf abzielen, dass die Menschen sich besser an die Klimaveränderungen anpassen können, dass sie besseres Katastrophenmanagement und natürlich auch -vorsorge betreiben. Man kann sich das so vorstellen, dass Bauern etwa ihr traditionelles Wissen mit einfachen Maßnahmen erweitern, wie sie etwa dürreresistenteres Saatgut nutzen können, wie rechtzeitig Notschlachtungen durchgeführt werden, oder wie Fleisch konserviert wird. All das ist sehr wichtig, damit Menschen gar nicht erst aus ihren Dörfern fliehen müssen und in Flüchtlingslagern wie Dadaab Schutz suchen. Wir haben auf unserer Homepage sehr viele Berichte darüber, die findest Du unten. Ich kann gut verstehen, dass man manchmal das Gefühl hat, dass sich seit 20 Jahren nichts geändert hat. Das Ausmaß der Katastrophen, teilweise auch das Zunehmen von Katastrophen durch den Klimawandel, lassen das manchmal so erscheinen. Aber leider auch, weil es eben immer erst die großen Katastrophen sind, die Beachtung in den Medien finden. Nicht die vielen kleinen Schritte, die täglich unternommen werden, um Katastrophen erst gar nicht entstehen zu lassen.

      In Kenia etwa arbeitet CARE seit Jahrzehnten mit Dorfgemeinschaften, insbesondere mit Frauen, damit sie sich besser an den Klimawandel anpassen können. So gründen sie etwa Spargruppen und kleinere Unternehmen, um nicht zu sehr von guten Ernten abhängig zu sein, wie die Geschichte „Größere Lebensmittelsicherheit trotz Dürren“ aus Kenia zeigt. http://www.care.de/aktuelle-meldungen-einzel+M53116e21a2c.html

      Eine andere Geschichte, die ganz schön beschreibt, wie sich Menschen in Kenia auf stärkere Dürren vorbereiten, ist „Mit Traditionen gegen die Dürre“ http://www.care.de/aktuelle-meldungen-einzel+M5bd7aef9f3a.html

      oder „Geld sparen, Leid ersparen“ aus Kenia: http://www.care.de/aktuelle-meldungen-einzel+M571a2c867fe.html

      oder auch „Ziegen und Sparen gegen den Hunger“ aus Äthiopien: http://www.care.de/aktuelle-meldungen-einzel+M56e0a8d61bc.html

      Falls Sie noch weitere Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden! Wir hoffen, dass diese Zeilen Sie ermutigen, die Arbeit von CARE weiter zu unterstützen.

      Beste Grüße aus Bonn von Johanna Mitscherlich (Pressestelle von CARE)

  3. Ich bewundere immer wieder die Helfer von den Hilfsorganisationen und danke ihnen für ihren Einsatz. Ich könnte es nicht mehr. Aber gut zu wissen, dass die Spenden wirklich ankommen und richtig eingesetzt werden. Das Elend, das diese Menschen dort ertragen müssen, ist für uns unvorstellbar.

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