Deutliche Zeichen setzen

Von Sven Harmeling, Klimapolitischer Koordinator für CARE International

Die große UN-Klimakonferenz im November 2017 in Bonn (COP23) wirft ihre Schatten voraus, wenn sich diese Woche Delegierte von fast 200 Ländern und Beobachter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu der offiziellen Vorbereitungskonferenz, ebenfalls in Bonn, treffen. Der pazifische Inselstaat Fidschi, ein Land, das besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen ist, wird COP23 vorsitzen. Doch auch in vielen weiteren Weltregionen sind die Folgen des Klimawandels längst bittere Realität. Immer knapper werdende Wasserressourcen, eine übermäßige Erosion der Böden, aber vor allem unkalkulierbare Wetterzyklen mit Dürren und Überschwemmungen erschweren Kleinbauern in Afrika, Lateinamerika und Asien den Kampf um das Überleben. Konflikte um Wasser, Land und Holz nehmen zu. Drei Haupttrends setzen dabei den Rahmen.

Der Nevado Hualcan Gletscher in Peru schmilzt weiter ab als Folge des fortschreitenden Klimawandels. (CARE Peru/Zak Bennett)

Der Nevado Hualcan Gletscher in Peru schmilzt weiter ab als Folge des fortschreitenden Klimawandels. (CARE Peru/Zak Bennett)

Erstens, der Klimawandel schreitet unvermindert voran. Seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt werden immer greifbarer und gravierender. Neue Rekordwerte in der Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre steigen Jahr für Jahr an. Rekordtemperaturen und beschleunigte Schmelzprozesse an den Polen unseres Planeten sind nur durch den menschgemachten Klimawandel zu erklären. Nicht zuletzt reiht sich eine Wetterkapriole an die andere. Der überaus starke El Nino im letzten Jahr wirkt unvermindert nach, wiederholte Dürren tragen zu Fehlernten und Hungersnöten in Ländern wie Äthiopien oder Somalia bei. Insbesondere die ärmsten und verletzlichsten Menschen, häufig Frauen und Mädchen, sind besonders betroffen. Die Konsequenzen heute zeigen umso deutlicher, warum neben der verstärkten Anpassung und Vorsorge gegenüber den Folgen eine schnelle Verringerung der globalen Emissionen absolut dringlich ist, um das ambitionierte Ziel des Pariser Klimaabkommens einzuhalten. Dieses verspricht, den Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen.

Zweitens, stellen Klimaschutzlösungen einen positiven Trend dar. Insbesondere die Erneuerbaren Energien gewinnen weltweit an Bedeutung, mit rapide sinkenden Preisen. Somit wird mehr Klimaschutz zu geringeren Kosten möglich und die Hoffnung auf eine sich selbst beschleunigende Transformation gewinnt an Realität. Dies setzt die fossile Energieindustrie weltweit massiv unter Druck. So sind die globalen Emissionen, gerade auch aufgrund geringerer Kohlenutzung in China, im dritten Jahr in Folge quasi stabil geblieben. Das reicht aber bei weitem nicht aus. Vielmehr muss bis 2020 die tatsächliche Trendwende geschafft werden und die Emissionen müssen dann fortlaufend und schnell sinken. Immer mehr Studien zeigen, dass dies nicht auf Kosten von Armutsbekämpfung und nachhaltiger Entwicklung laufen muss, sondern vielmehr eine klimafreundliche und –resiliente Entwicklung der Schlüssel zu Nachhaltigkeit ist.

Drittens, droht der klimapolitische Zug an Geschwindigkeit zu verlieren zu einem Zeitpunkt, wo er richtig Fahrt aufnehmen müsste. Die neue US-Regierung unter Donald Trump und die sie beeinflussenden fossilen Energie-Lobbyisten versuchen, den Zug vom Gleis zu stoßen. Die Vorbereitungen zum Hamburger G20-Gipfel, Energieministertreffen der G7 und die bisher vorgelegten Energiepläne der US-Regierung zeigen dies nur allzu deutlich. Die US-Pläne, die internationale Klima- und Entwicklungsfinanzierung radikal zurückzufahren, würden insbesondere die Länder und Menschen negativ treffen, die heute schon am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Doch es bleibt Hoffnung, denn Teil des Trends ist der wachsende Widerstand gegen diese Politik. Am Wochenende marschierten hunderttausende Menschen weltweit für mehr Klimaschutz, explizit auch als Widerstand gegen die rückwärtsgewandten Pläne der neuen US-Regierung. Eine Gruppe von fast 50 gefährdeten Entwicklungsländern hat in einem erstmaligen Dialog mit der G20-Gruppe sehr deutlich gemacht, dass sie kein Zurückweichen hinter die Ziele des Paris-Abkommens akzeptieren wird und von den G20 konkrete Schritte erwartet, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit zum Umgang mit Klimarisiken und dem Abbau von Subventionen für fossile Energien.

Was heißt das für das Treffen der Klimadiplomaten? Sie müssen deutliche Zeichen setzen: Dafür, dass die Länder geschlossen hinter dem Paris-Abkommen stehen und es jetzt Zeit ist, die konkrete Umsetzung von Maßnahmen zu beschleunigen. Eine Neuverhandlung des Abkommens, wie von manchen US-Vertretern ins Spiel gebracht, kann kein Thema sein. Die anderen Industrieländer, insbesondere die EU, müssen die Gelegenheit nutzen, die klimapolitischen Verbindungen zu progressiveren Entwicklungs- und Schwellenländern, auch China, zu stärken und die Zusammenarbeit bei Klimaschutz und –anpassung zu intensivieren. Sie sollten auch deutlich machen, dass sie bereit sind, ihre vorgelegten Klimaschutzpläne zu überprüfen und in den nächsten Jahren zu verschärfen. Gemeinsam mit der Regierung von Fidschi muss es darum gehen, eine ambitionierte Agenda für die große Konferenz im November zu erarbeiten, damit sich die Unterstützung für die ärmeren Länder beim Umgang mit den Klimafolgen weiter erhöht und nicht zurückgefahren wird. Nicht zuletzt muss die deutsche Bundesregierung ihre Hausaufgaben machen, damit das Land sich nicht klimapolitisch abhängt. Der Klimaschutz stagniert und Deutschland droht seine wichtigen Ziele zu verfehlen, da immer noch zu viel Kohle verstromt wird. Mehr, nicht weniger, tatsächlicher Klimaschutz ist das Gebot der Stunde.

CARE zu den Klimagesprächen in Bonn.

Auf unserer Themenseite „Klimawandel“  finden Sie weitere Informationen.

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