Die Frauen von Koundougou

Von Marie-Eve Bertrand

Hier bin ich nun in Mali, im Dorf Koundougou, und denke über mein Leben nach und wo ich gerade stehe. Ich überlege mir, was ich in zwei oder drei Wochen, oder in einem Monat tun werde. Doch Frauen in Koundougou können sich das gar nicht leisten, sie denken nur an morgen. Morgen brauchen sie genug Milch für ihre jüngsten Kinder. Morgen benötigen sie Reis für die Kinder, damit sie nicht weinen müssen vor Hunger. Und auch ihre Männer haben leer Mägen. Erst wenn sie alle satt sind, werden die Mütter selbst essen. Egal, ob sie schwanger sind oder krank. Eine Mutter würde niemals ihre Kinder mit leerem Bauch ins Bett gehen lassen, nur damit sie gegessen hat.

"Alle warten gemeinsam geduldig auf die Nahrungsmittelverteilung, bis das lokale Komitee bereit ist." (Foto: CARE/Marie-Eve Bertrand)

„Alle warten gemeinsam geduldig auf die Nahrungsmittelverteilung, bis das lokale Komitee bereit ist.“ (Foto: CARE/Marie-Eve Bertrand)

Dies war drei Monate, bevor CARE mit der Nothilfe in Mali begonnen hat.

Hier in Koundougou leben 60 Familien, 44 von ihnen haben Kinder unter 6 Jahren. Fast 30 Frauen sind schwanger. Alle warten gemeinsam geduldig auf die Nahrungsmittelverteilung, bis das lokale Komitee bereit ist. Neben mir stehen eine junge Frau und ihr Freund. Die letzten drei Monate haben sie als Gemeindearbeiter gearbeitet, und so CARE und die lokale Partnerorganisation bei der Nahrungsmittelverteilung unterstützt. Zu meiner Überraschung waren nur zwei Frauen in ihrer Gruppe von zehn Personen. „Es ist das erste Mal, dass Frauen gemeinsam mit Männern zusammenarbeiten können. Es war das erste Mal, dass wir etwas zu sagen hatten. Wir sind glücklich, respektiert zu werden und unsere Ehemänner sind stolz auf uns.“ Ein überraschter Man neben mir sagt: „Zwei Frauen sind viele. Wir mussten lange suchen, um einen Platz in einer Gruppe für sie zu finden.“ Fifi, die Direktorin der lokalen Partnerorganisation, schaut mich an und lacht. Sie erklärt mir, dass es hier noch viel zu tun gibt, aber auf lange Sicht werden sich auch diese Dinge ändern.

„Geht ihr zur Schule?“, frage ich eine Gruppe junger Mädchen, die mir Datteln schenken möchten. Sie lächelt und schaut schüchtern weg. Die nächste Schule und das nächste Gesundheitszentrum sind sieben Kilometer weit entfernt, zu weit zum Laufen in diesem harschen Klima. Manche Kinder haben Glück und werden zur Schule geschickt, sie leben dann bei Verwandten. In allen anderen Fällen können die Eltern nicht das Schulgeld zahlen.

Diese Mädchen verbringen ihr Leben von ihrer Kindheit bis ins Alter damit, die Sonne aufgehen, scheinen, niederbrennen und sich in der Nacht verstecken zu sehen. Sie können das Wetter lesen und die Jahreszeiten anhand der Natur erkennen. Sie wissen, welche wilden Früchte und Pflanzen sie essen können. Sie helfen sich gegenseitig. Aber hier und jetzt bieten sie mir ihre Freundschaft und einen Korb gefüllt mit Essen an. Sie erinnern mich daran, dass Großzügigkeit weniger mit der Größe des Geldbeutels zu tun hat.

Während wir uns unterhalten, findet die Nahrungsmittelverteilung reibungslos statt. CARE verteilt auch „Plumpy Nut“ an Mütter, eine kalorienhaltige Erdnusspaste für Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren. Die Familien erhalten unterschiedlich viel zu essen, je nach Größe der Familie und dem Alter der Kinder.

CARE verteilt Nahrung an die von der Dürre betroffenen Familien in Koundougou in Mali. (Foto: CARE/Marie-Eve Bertrand)

Listen, Fingerabdrücke: So kommt die Hilfe an

Unsere Mitarbeiter und Partner müssen jede Familie registrieren und festhalten, wie viel jede Familie erhält. Viele der Bewohner können nicht schreiben und lesen. Dies erschwert die Registrierung der Familien. In einigen Fällen müssen Bewohner mit einem Fingerabdruck unterzeichnen. CARE Mali arbeitet hier zusammen mit einem lokalen Partner, der sicherstellt, dass niemand vergessen wird und niemand zweimal Unterstützung erhält.

CARE arbeitet bereits seit Jahren in Mali, um die Gemeinden dabei zu unterstützen, den Dürren besser Stand zu halten. Mali ist eins der neun Länder in der Sahelregion, das von einer schweren Nahrungsmittelkrise betroffen ist, in der schon 19 Millionen Menschen nicht genug zu essen haben. Die momentane Nothilfe ist wichtig, aber nur vorübergehend. Sie dient als Brücke zwischen zwei schlechten Ernten. Der unregelmäßige Regenfall, hohe Nahrungsmittelpreise, die politischen Spannungen, der niedrige Wasserpegel des Niger… . Die gesamte Sahelregion ist betroffen. Deshalb möchte CARE vor, während und nach einer Krise da sein. Und dafür bitten wir um Spenden und Unterstützung.

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