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Die Medien entdecken: Deutschland vs. Kambodscha

Von Chandara Tith

Ich hätte niemals gedacht, wie fortschrittlich die Medien in Deutschland sind.

Ich im WDR-Studio - ein interessantes Gefühl (Foto: Sina Stach)

Ich im WDR-Studio - ein interessantes Gefühl (Foto: Sina Stach)

Zwar wurde ich von deutschen Lehrern als professioneller Journalist ausgebildet und in meiner Universität in Phnom Penh kam das technische Equipment ebenfalls aus Deutschland. Aber dennoch hätte ich mir nie vorgestellt, wie großartig die deutschen Fernseh- und Rundfunkstudios sind.Letzten Montag besuchte ich das Studio von 1Live. Das ist ein öffentlich-rechtlicher Radiosender, der rund um die Uhr Programm für junges Publikum sendet. Ich versuchte es mit den Studios meiner Uni zu vergleichen, aber das war unmöglich. Die Ausrüstung von 1Live ist zwar ziemlich teuer, aber dafür sehr benutzerfreundlich und flexibel im Umgang. Ich hätte so gern die ganze Technik einmal angefasst und ausprobiert. Ich wollte gern selbst erleben, wie es ist, so modernes Equipment zu benutzen.
Doch wir haben auch noch mehr gesehen, und zwar die Online-Abteilung von 1Live, die für die Webseite verantwortlich ist. Jemand erzählte uns, dass die Nachrichten manchmal auf der Webseite bereits nachzulesen sind, noch bevor sie im Radio gesendet wurden. Das Internet ist eben schneller und erreicht noch mehr Menschen.

Glückliche Fügung: noch eine Führung!
Nach der Führung durch die Radiostation wollte ich mit Sina, einer deutschen Freundin, zu Mittag essen. Wir gingen durch die Straßen Kölns und ich schaute mich in dieser mir noch unbekannten Stadt um. Zufällig sah ich dann auf einer Häuserwand das Logo des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Das ist eine große und bekannte Rundfunkanstalt in Deutschland. Wir wussten bereits von einem 1Live Mitarbeiter, dass der WDR ebenfalls Führungen anbietet. Also sind wir spontan zum Besucherzentrum gegangen und glücklicherweise fing gerade in diesem Augenblick eine Führung an.

Der Tourguide beim WDR zeigt die High-Tech-Kamera. Für eine Sendung arbeiten bis zu 200 Leute im Team. (Foto: Chandara Tith)

Der Tourguide beim WDR zeigt die High-Tech-Kamera. Für eine Sendung arbeiten bis zu 200 Leute im Team. (Foto: Chandara Tith)

Uns wurde der gesamte Rundfunkkomplex gezeigt, die TV- und Hörfunk-Studios und auch die Konzerthalle. Dabei erzählte man uns viel über die Geschichte des Senders. Man konnte auch Fragen stellen, was zu interessanten Diskussionen unter den Teilnehmern führte. Ich habe diese Tour wirklich sehr genossen, obwohl sie in Deutsch stattfand, was ich bekanntlich überhaupt nicht verstehe. Aber Sina übersetzte für mich, sodass ich doch mitbekam, was der WDR alles macht und warum der Sender so bekannt ist.

Medien: Deutschland vs. Kambodscha
Nach der Führung und während eines späten Mittagessens begann ich darüber nachzudenken, wie man die Medien in Deutschland mit den Medien in Kambodscha vergleichen kann. Der WDR hat beispielsweise ein sehr variiertes Programm und durch seine verschiedenen Hörfunksender, wie WDR1, WDR2 und andere, spricht er alle möglichen Zielgruppen an. 1Live gehört auch zum WDR. Für mich stellt sich die Frage, ob das Ziel des Senders darin liegt, den Bedürfnissen des Publikums möglichst gerecht zu werden oder ob es eher darum geht, Werbung von Firmen und damit Geld zu bekommen.

Ich erfuhr, dass die meisten Medien in Deutschland nicht irgendeiner Partei angehören oder sogar von der Regierung beeinflusst werden, sonder vielmehr den Interessen des Publikums dienen, egal ob es sich um private oder öffentlich-rechtliche Medien handelt.

In Kambodscha fehlt es immer noch an professioneller, journalistischer Schulung und Ethik. Einige Medien berichten gern im Sinne politischer Parteien und der Regierung. In manchen Fällen finden es Journalisten sogar gefährlich, über heikle Geschehnisse zu berichten. Morde an Journalisten gibt es in Kambodscha ebenso. So wurden zum Beispiel 2008 Khim Sambo und sein Sohn auf offener Straße in Phnom Penh erschossen. Khim war ein Journalist, der unter einem Pseudonym für eine kambodschanische Zeitung schrieb, die eng mit der Opposition verbunden ist. Er war als sehr harter und regierungskritischer Reporter bekannt, der gern über Korruption, illegalen Landraub und allgemeine politische Missstände schrieb. Dennoch, ein richtiges Motiv für den Mord konnte bisher noch nicht gefunden werden.
Manche Journalisten wurden verhaftet. Die Anklage lautet Verunglimpfung, Rufschädigung oder Falschinformation.

Was denkt ihr darüber? Denkt ihr, der Grund ist fehlende Professionalität und Ethik unter den Journalisten? Oder ist es, weil sie Angst haben. Ein Grund könnte auch sein, dass Kambodscha ein armes Land ist und Journalisten sehen ihren Beruf eher als einen Job an, ohne die dazugehörige Ethik zu beachten. Wenn sie dafür bezahlt werden, etwas Positives über eine Firma oder die Regierung zu schreiben, dann machen sie das, um ihre Familie zu ernähren. Ich weis nicht, ob diese Vermutung richtig ist, aber ich finde keine anderen Gründe.

Trotzdem gibt es Licht am Ende des kambodschanischen Medien-Tunnels. Das Department für Medien und Kommunikation (DMC), auch bekannt als Kambodschanisches Institut für Kommunikation (CCI), ist das erste und bisher einzige Institut in Kambodscha, das junge Kambodschaner als professionelle Journalisten ausbildet. Dennoch gibt es diesen Studiengang, der jedes Jahr 30 Studenten ausbildet, erst seit 2001. Es braucht also noch Zeit, bis sich der Journalismus in Kambodscha weiterentwickelt. Doch er ist auf einem guten Weg.

Pressesprecher werden
Obwohl das Medienteam von CARE immer im Sinne der Organisation spricht, halten sich meine Kollegen doch an die ethischen Standards wie Prüfung von Zitaten, Faktencheck und so weiter. Die Pressestelle arbeitet zusammen mit allen möglichen Medien, wie TV, Radio, Zeitung und Internet. Zurzeit ist CARE in der Presse durch die Fluten in Pakistan sehr viel vertreten. Mein Chef, der Pressesprecher Thomas Schwarz, fuhr vor zwei Wochen nach Pakistan. Seit dem gibt er für alle möglichen deutschen Sender Interviews. Im Bonner Büro sind wir sehr beschäftigt damit, Pressefragen zu beantworten, Presseerklärungen und Artikel für die Homepage zu schreiben, sowie Kamerateams zu betreuen.

Durch mein momentanes Praktikum bekomme ich einen guten Eindruck davon, wie die Medien in Deutschland funktionieren. Ich hoffe, dass ich diese neuen Eindrücke mit meinen Kommilitonen in Kambodscha teilen kann. Ebenso erwarte ich von meiner Generation, die Medien in Kambodscha voranzubringen, sodass wir bald auch auf bessere Informationen zurückgreifen können.

Wie wichtig sind die Medien in Eurem Alltag? Und haltet Ihr sie für frei?

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3 Kommentare to “Die Medien entdecken: Deutschland vs. Kambodscha”

  1. Nicole Says:

    Dear Chandara,

    i think media can’t be free at all. But i believe that journalists can be report neutral, correct, not biased and in a way where both parts of a story are covered in a equal time (Video, Audio) or place (Print, Online). And honestly i espect that german public media try to do so. Also we have a “press-council” who watch over the ethic code. Similar to this the Cambodian Club of Journalists also publish a code of ethics. I use Media almost everyday. It is something neccessary to feel me well imformed. So i rely on it, that they report the truth. I think you described the big reasons for the lacks of media in your country. In many parts knowledge is missing. During my time in Cambodia i could see this especially in editing and covering stories in KTV. Although they had another style of ethics. They showed things in TV you won’t see here in Germany. I was frightened, when i saw an item about human beings, who weren’t convicted yet. They show the police station with them, holding a sign with there full name and the crime why they were arrested. Here in Germany you are innocent as long as you convicted. And noone is allowed to use clear names in such cases.

    Important for the future of Media in Cambodia – and in this point i fully agree with you – is to create a climate for journalist, were they have no fear to report about deplorable state of affairs and earn enough money to dam up corruption. So i wish your generation of journalists all the best to renew your system of press and media to a better one. And don’t understand me wrong. The media here in Germany is not infallible, too.

    I am looking forward your next blog entry. :)

    Nice Time and Samnang la or all the time
    Nicole

  2. Chandara Says:

    Dear Nicole:

    I agree that I am still young in the field of Media. But, do you think shooting those people (convicted or not) is another style of ethic? I don’t think so.

    Though I am Cambodian, I don’t think this is an ethic. But, I made a good feeling it a peaceful way that it’s a good example for the others.
    (I am not so much a nationalist. I say what I saw.)

    Thank you for your comments. It is very nice to have feedback and to see controversial ideas. I am looking forward to hearing suggestions or comments and esp. new lessons from you.

    Best;

    Dara

  3. Nicole Says:

    Sua sdey Dara chet la or,

    hihi. I am also young in the field of media. I studied Media Technology and afterwards Information and Communication Sciences. So we are nearly at the same level.

    And yes, i think it another style in handling some issues. In our example to shoot this people after arresting in such a humiliate way. (It is what i feel. You see, i also write, what i think.)
    - So try to play a possible “future-game” with me. Maybe then you can follow my thoughts. What will happen if you are a boss of a company. No matter which field of work. And then you see the pictures of those peole in TV. Afterwards one of the man ask you for a job in your company. In between you didn’t realize an item about correcting these arrestings. The man, who ask you for job was indeed innocent. But the pictures of the arresting will be in your mind – you probably won’t give the man a chance for working for your company. You have bad feelings in your stomach, if something was true. Because all these people will discriminated in the future i think it is not okay to cover them in this way until right was spoken.

    So you think that Cambodia cover subjects in a peaceful way? Is this correct, how i understand you? Try to place me in your position…

    Hmm. A example for others… i am really not sure if this the right way. Sometimes i agree, that we need harder punishment to prevent new crimes. But on the other hand i have the fear that too much innocent people will be affected. It is a really difficult topic.

    For the other thing you wrote at the end. I didn’t meant the comment as a lesson. Suom tooh for beeing so arrogant to try to teach you. This was not my intention.

    I just like to write with you. Talking and discussing about issues, you covered in your blog.

    Som aoy neak sekdey douch knear (hope you can interprete it correct :) )

    Nicole

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