Haiti: Die Wahlen und das Warten

Heute sollen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen bekannt gegeben werden. Das Land wartet gespannt und wir hoffen, dass es nicht zu Ausschreitungen kommt. Das würde für CARE und die anderen Helfer nämlich bedeuten: Eingeschränkte Bewegungsfreiheit, höhere Sicherheitsvorkehrungen und ein langsameres Vorankommen. Und das ist in Zeiten der Cholera keine gute Wahl.

Dem Wahlkampf kann man in Haiti momentan nirgendwo entkommen (Foto: CARE/Wilke)

Dem Wahlkampf kann man in Haiti momentan nirgendwo entkommen (Foto: CARE/Wilke)

Vor einer Woche hat das Land gewählt. Es war mit Plakaten der 18 Präsidentschaftskandidaten zugepflastert, und wohin man sah, niemand konnte dem Wahlkampf entkommen. „Repons Payzan“ – „Antwort der Bauern“, so titelte der Kandidat Michel Martelly auf seinen pinken Postern. Er ist besser bekannt als „Sweet Mickey“. Diesen Namen hat er als Popstar angenommen, der dem karibischen Land einige große Showmomente geschenkt hat. „Nou tou dako“ – „Wir sind uns einig“, sagt wiederum Mirlande Manigat. Die 70jährige Frau eines ehemaligen Präsidenten bewarb sich ebenfalls um das Amt. Und dann war da noch Jude Celestin von der Regierungspartei Inite („Einheit“), der Nachfolger von Präsident René Preval werden möchte.

Auch wenn meine Kollegen und ich die Plakate anschauen und uns über die verschiedenen Kandidaten informieren: Hilfsorganisationen wie CARE arbeiten neutral und damit abseits vom politischen Tagesgeschäft. Dieser humanitäre Kodex ist der wichtigste Grundsatz unserer Arbeit. Er wurde unter anderem in der Genfer Konvention und im Code of Conduct für Nichtregierungsorganisationen des Roten Kreuzes festgeschrieben. Denn er garantiert, dass wir unabhängig Hilfe leisten können und Zugang zu den Menschen bekommen, die am dringendsten Unterstützung brauchen.

Aber natürlich ist eine Präsidentschaftswahl ein nationales Ereignis, und ich habe mit vielen einheimischen Kollegen gesprochen, ob sie denn wählen gehen. Die meisten wollten unbedingt, aber leider war nicht immer klar, wo sie sich melden müssen und ob die Sicherheit auf den Straßen es zulassen würde, zum Wahllokal zu gehen. Am Wahlsonntag mussten alle ausländischen CARE-Mitarbeiter, die nicht selber wählen durften, aus Sicherheitsgründen zu Hause bleiben. Zum Glück gibt es Internet und das Radio, und so haben wir die Ereignisse verfolgt. Es ist trotzdem merkwürdig, in bestimmten Momenten mitten in Port-au-Prince und trotzdem so weit entfernt von dem zu sein, was auf den Straßen passiert. Aber diese Gradwanderung zwischen Sicherheit und dem Wunsch, an den Ereignissen im Land teilzunehmen, ist leider unvermeidbar. Glücklicherweise wurde in der Woche nach den Wahlen weitgehend friedlich demonstriert, sodass wir ohne große Unterbrechungen weiterarbeiten konnten.

Ich bin mit zwei Fotografen nach Carrefour gefahren, einem Stadtteil von Port-au-Prince, in dem wir seit dem Erdbeben arbeiten. Seit Februar war ich nun nicht mehr hier, und es war wirklich schön zu sehen, dass es Fortschritte gibt. In den Hügeln des Stadtviertels sprangen mir viele kleine Häuser ins Auge, sogenannte „temporary shelter“ (Übergangshäuser), deren Bau CARE unterstützt hat. Und in einem Camp am Rande des Meeres gab es für mich ein Wiedersehen, auf das ich sehr gehofft hatte. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

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