Die zwei Welten von CARE
Von Sabine Wilke
Ruanda scheint gerade in diesen Tagen noch viel weiter entfernt zu sein von Haiti als die 11.000 Kilometer, die mir die Landkarte anzeigt.
Nach zehn Flugstunden quer über die Sahara und Zentralafrika landen wir in Kigali. Und die letzten Tage wirken wie aus einer anderen Welt: Seit dem Erdbeben, das die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince am Dienstag letzter Woche erschütterte, liefen die Drähte im CARE-Büro in Bonn heiß.
Unser Nothilfeteam koordinierte sich mit den Kollegen in Genf und Atlanta, wir nahmen in der Pressestelle unzählige Anrufe entgegen und das Marketing-Team organisierte die Spendenaufrufe – alles musste so schnell wie möglich gehen. Gleichzeitig trafen immer mehr Horrornachrichten und -bilder aus Haiti ein. Die Katastrophe wird wohl ähnliche Ausmaße haben wie der Tsunami in Südostasien 2004, das befürchteten die erfahrenen Nothelfer schon kurz nach den ersten Meldungen aus Port-au-Prince.
Am Samstag bin ich dann in eine völlig andere Welt katapultiert worden. Ich werde eine Woche bei CARE in Ruanda verbringen und dabei viel unterwegs sein. Im Osten, wo CARE mit dörflichen Spargruppen arbeitet, bei der Familienplanung berät und Projekte gegen Gewalt umsetzt. Und im Norden an der Grenze zu Goma und Uganda, wo die imposante Vulkanlandschaft und die Berggorillas immer mehr Touristen hinlocken. Hier unterstützt CARE mit Partnern den Ökotourismus und das nachhaltige Waldmanagement.
Nothilfe fürs Überleben dort, Entwicklung für die Zukunft hier
Auf unserer Homepage liest man in der Rubrik „Über Uns“: CARE konzentriert sich auf die Bereiche Nothilfe und Armutsbekämpfung. In Haiti arbeiten das CARE-Team und andere Hilfsorganisationen in diesen Tagen rund um die Uhr, um das Überleben der Menschen sichern und sie mit dem Nötigsten zu versorgen. Hier in Ruanda können die Menschen inzwischen glücklicherweise über den nächsten Morgen hinausplanen. Im Land herrscht heute Frieden, und es bleibt glücklicherweise von Naturkatastrophen verschont. Deshalb hat die Bevölkerung eine Chance, die Armut und Ungerechtigkeit langfristig zu überwinden.
Und dafür bleibt noch viel zu tun: Beim UN-Entwicklungsprogramm UNDP lese ich, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Ruander bei 49 Jahren liegt. Jeder Dritte hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In den letzten Jahren hat sich in Ruanda viel getan, das merkt man sofort, wenn man in der Hauptstadt ankommt. Von solch gut asphaltierten Hauptstraßen können viele andere Länder des Kontinents nur träumen. Vision 2020 heißt ein ehrgeiziges Projekt der Regierung, die im Stadtzentrum Hochhäuser baut. Auch die Vision von CARE ist ehrgeizig: Armut soll in Ruanda Geschichte werden. Ich bin gespannt, wie meine Kollegen dieses Ziel tagtäglich aufs Neue verfolgen.
Tags: Afrika, Armutsbekämpfung, Erdbeben, Haiti, Kigali, Nothilfe, Ruanda




20. Januar 2010 at 09:04
Die CARE-Projekte in Ruanda scheinen wie immer durchdacht und langfristig angelegt.
Es tut gerade jetzt gut zu lesen, wie auch aus Krisengebieten wieder Entwicklungsgebiete werden,
vielen Dank!
C. Korte