DR Kongo: Vergewaltigungen nehmen kein Ende

Elisabeth Roesch ist Mitarbeiterin von CARE im Kongo. Sie betreut ein Projekt für traumatisierte Frauen, die physische oder sexuelle Gewalt erlebt haben. Hier schreibt Sie über ihre tägliche Arbeit.

(Übersetzung bearbeitet von Diana Holland)

Goma, 7. November 2008 – „Ich lebe seit einem Jahr in der Demokratischen Republik Kongo und betreue Frauen, die sexuell missbraucht wurden. Sie erzählen mir oft von diesen schrecklichen Erlebnissen und deren Auswirkungen auf ihr tägliches Leben. Bevor ich nach Afrika kam, hatte ich in unzähligen Nachrichtenartikel über die Situation der Frauen im Kongo gelesen. Doch ich war keineswegs vorbereitet auf das, was ich hier erlebe und worüber die Frauen mir berichten. Jedes Mal, wenn ich mit ihnen über ihre Erlebnisse spreche, überkommt mich eine erschütternde Traurigkeit. Denn ich habe das Gefühl, als würden die furchtbaren Fälle von Vergewaltigungen, Folter und Verstümmelung kein Ende nehmen.“

„’Vergewaltigung als Kriegswaffe’ ist mittlerweile ein bekannter Ausdruck. Wenn man einmal mit Überlebenden der Gewalt redet, erfährt man, wie diese Waffe funktioniert. Vergewaltigungen zerstören nicht einfach nur Frauen. Sie reißen ganze Familien und Gemeinden auseinander. Manchmal werden Frauen sogar vor ihren Familienmitgliedern und Nachbarn angegriffen, öffentlich bloßgestellt und gefoltert. Das alles hinterlässt bei ihnen tiefe physische und emotionale Wunden. Ihre Ehemänner fühlen sich machtlos. Sie können ihre Frauen und Kinder vor der andauernden Gewalt nicht schützen und schämen sich dafür. Kinder und Ältere, normalerweise am stärksten von der Familie beschützt, werden zu Opfern. Der Krieg zerstört soziale Werte, die Gewalttaten hinterlassen einen bleibenden Abdruck in der Seele der Menschen. Die Arbeit bei CARE im Kongo zeigt mir, dass Vergewaltigung selbst nach Ende des Krieges Alltag ist und ein Hemmnis für die Entwicklung des Landes darstellt.“

„Vor einigen Tagen traf ich ein junges Mädchen, das vor den neu aufgeflammten Kämpfen in ein Waisenhaus in Goma flüchtete. Ich fragte sie, wann sie in ihre Heimat zurückkehren möchte. Sie antwortete: ‚Solange es Krieg gibt, werden wir nicht zurückgehen. Wie können wir nach Hause zurückkehren und dabei riskieren, bei jeder Gelegenheit vergewaltigt zu werden? Wenn wir Wasser holen und in die Felder gehen, haben wir Angst!’ Andere Frauen nickten zustimmend. Und plötzlich verstand ich, wie erfolgreich Vergewaltigungen Gemeinden terrorisieren.“

„Das bloße Gerücht über mögliche Angriffe versetzt Menschen in enorme Angst. Sie fliehen und lassen meist allen Besitz zurück. Die Frauen, die mit dem Mädchen im Waisenhaus Unterschlupf fanden, waren so verärgert darüber, dass niemand sie beschützt. Oft sprechen Frauen und Mädchen ihre Vergewaltigung nicht an. Sie haben Angst, ihre bewaffneten Schänder könnten sich rächen. Doch die Frauen und Mädchen, die ich jetzt in Goma traf, machten lautstark und nachdrücklich auf ihre schmerzhaften Erfahrungen aufmerksam. Sie verlangten Schutz und ein Ende der Kämpfe.“

„CARE geht in der Arbeit im Kongo auf die kritischen Bedürfnisse der betroffenen Frauen ein. Das sofortige Reagieren auf sexuelle Gewalt in Notsituationen sehen ich und meine Mitarbeiter als oberste Priorität an. CARE unterstützt Gesundheitszentren, in denen vergewaltigte Frauen medizinische Hilfe bekommen. Wir regen die Gemeinden in Flüchtlingsgebieten dazu an, öffentlicher über sexuelle Gewalt zu diskutieren und die Menschen über Anlaufstellen zu informieren. Das alles ist notwendig, damit meine Arbeit im Kongo irgendwann beendet ist und die Frauen nicht mehr täglich mit Angst und Horror leben müssen.“

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ENGLISH ORIGINAL VERSION BY ELISABETH ROESCH

In DRC, there is no end to the terrible experiences of rape

Elisabeth Roesch is CARE’s gender and advocacy advisor based in Goma, DRC.

Goma, Nov. 7, 2008 – I’ve been in the DRC for a year, working with women who have experienced abuse and violence and talking to them about the impact that this has had on their lives. Thanks to numerous news articles and increasing international attention, the horrific nature of sexual violence here in Congo is becoming known in the world. But nothing has really prepared me for the stories that I have heard, and each time I speak with women, I am saddened to find that there is no end to the terrible experiences of rape, torture and mutilation.

„Rape is a weapon of war“ has become a catchphrase, but when you talk to survivors of violence, you realize how this weapon operates. Rape doesn’t simply destroy women, it destroys families and communities.
Attacked, sometimes in front of their families and neighbors, publicly humiliated, and terrorized by physical torture, women bear deep physical as well as emotional scars. Husbands find themselves diminished, unable to protect their wives and children from violence. They suffer shame. And when those who are usually the most protected, children and the elderly, are being victimized, I think that it is a clear indication of how war destroys social values. Such violence leaves a legacy. As CARE’s work in post-conflict areas in the DRC shows, rape remains a problem even after war ends, with civilians being the main perpetrators.

The other day, I asked a young girl who fled the most recent fighting, when she would go back home, and she replied „as long as there is war, we won’t go back – how can we go back and risk being raped? When we go for water, when we go to the fields, we are afraid.” Other women nodded in agreement, and suddenly I understood how effective rape is at terrorizing communities. The mere rumor of an attack will send people running in fear. And the women I saw, who were seeking shelter in an orphanage on the outskirts of Goma, were so angry that nobody could protect them. Often women and girls are afraid to speak out, scared of reprisals by the armed men who attacked them and who sometimes remain nearby, but this group was vocal and insistent, demanding protection and an end to fighting.

CARE is working with women to meet critical needs, not forgetting that responding to sexual violence is a priority from the very outset of an emergency. CARE is supporting health centers so that rape survivors can receive medical care and is mobilizing communities in displacement sites to talk about sexual violence, ensure that people have knowledge about services, and create protection plans to prevent continued violence against women.

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