Ein Verkehrsstau für Desmond Tutu
Mein Stuhl knarzt und wackelt bedenklich, als ich mich in der Kathedrale St. George in Kapstadt nach den Eröffnungsgebeten setze.
Den Friedensnobelpreisträger merkt man ihm auf den ersten Blick nicht an: Desmond Tutu bei einem Gespräch im Café (Foto: CARE/Markmiller)Am Altar steht Erzbischof Desmond Tutu und lacht sein fröhliches Lachen, weil Gäste am Gottesdienst teilnehmen. Der Erzbischof mag Gäste. Und so hat er mich auch gleich entdeckt und aufgefordert, mich vorzustellen. Bereits mehrmals konnte ich “Arch”, wie ihn hier alle in Abkürzung von Archbishop nennen, treffen und heute gibt es einen besonderen Anlass. Ich verkünde also, dass ich heute als Vertreter von CARE Deutschland-Luxemburg gekommen bin, Arch nach Deutschland einladen wolle und ihm nach dem Gottesdienst noch eine persönliche Mitteilung hierzu machen wolle. “Das klingt wie eine Drohung”, sagt er – und lacht.
Arch = Brücke
“Arch” – das ist auch das englische Wort für „Brücke“. Kein Begriff ist passender für diesen Mann, der in seiner eminenten geistigen Präsenz, zwingenden Freundlichkeit und großen Bescheidenheit ganz wesentlich zum friedlichen Übergang aus dem Apartheidsystem heraus in ein demokratisches Südafrika hinein beigetragen hat. Über diese “Brücke” konnten alle gehen, die sich schuldig gemacht hatten ebenso wie die Opfer, die unerträgliches Leid erlitten hatten und es gesühnt sehen wollten. Dafür hat Erzbischof Tutu den Friedensnobelpreis erhalten, aber was mehr zählt, ist die uneingeschränkte Liebe, die ihm die Bevölkerung hier entgegen bringt.
Das wird schnell deutlich, als wir nach dem Gottesdienst die Hauptstraße überqueren müssen, um ein Cafe anzusteuern. Arch läuft einfach los, obwohl die Ampel rot zeigt. Aber in seinem legeren afrikanischen Hemd und der abgegriffenen Schiebermütze erkennen ihn die Autofahrer sofort und stoppen. Es kommt zu einem Auflauf, weil er von Auto zu Auto geht und Hände schüttelt. Schließlich muss der Verkehr aber abfließen und so beschränkt er sich darauf, die Hände kurz abzuklatschen, die ihm aus den vorbeifahrenden Autos entgegengehalten werden. Es sind sehr viele Autos. Beeindruckend.
Als wir dann nach weiteren Begrüßungen und Umarmungen von Passanten endlich beim Frühstück sitzen, erzählt Arch von der Global Conference, die CARE International im vergangenen Jahr in Kapstadt abgehalten und bei der er gesprochen habe. Er schätze die Arbeit von CARE ungemein, aber dass er von den Delegierten selbst so gelobt worden wäre, das habe ihn doch schamrot werden lassen. Und dann kommt es: “Da hilft es doch sehr, wenn man schwarz ist. Da sieht es keiner, wenn man rot wird!”, sagt es – und lacht.
Wir reden über CARE Deutschland-Luxemburg, das 30jährige Jubiläum im kommenden Jahr und den Partnerschaftspreis den er dort für CARE an eine afrikanische Initiative übergeben solle. Ob er denn kommen wolle, frage ich ihn. “Ja, gerne!”, antwortet er, schränkt aber sofort ein: “Aber nicht während der Fußballweltmeisterschaft!” – da ist Arch im Stadion.
Tags: Afrika, Desmond Tutu, Friedensnobelpreis, Partnerschaftspreis, Stau, Südafrika, WM



05. Dezember 2009 at 12:47
I liked your e-news article about the meeting between anton Markmiller and Archbishop Emeritus Desmond Tutu, and also enjoyed meeting Tony afterwards.
Some websites in foreign languages give one the posssibility of making a translation into other languages, such as English, French etc, and this would be a very favourable feature if it could be introduced on to your CARE site. I regret my knowledge of German is almost nil, so the text means little to me.
With best wishes for all you a doing in so many countries arou nd the world, Sincerely,
John Hunneyball