Eindrücke aus Dadaab

von Alexandra Lopoukhine

Vor dem Auffanglager warten unzählige Menschen. Das Zelt des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), in dem die Flüchtlinge warten, um sich anzumelden, ist zu allen Seiten offen. Ein Dach schützt vor der brennenden Mittagssonne. Es ist groß, aber immer noch nicht groß genug für alle wartenden Menschen. Die Wartenden sind still und erschöpft. Viele von ihnen scheinen in einem schockähnlichen Zustand zu sein. Sie werden in kleinen Gruppen in das Aufnahmezelt geholt, um die Schlange der Wartenden in Bewegung zu halten.

Etwa 1.500 neue Flüchtlinge treffen täglich in Dadaab ein. Dagehaley ist eines von drei Flüchtlingscamps. (Foto: CARE/Holt)

Wenn sie ins Aufnahmezelt gerufen werden – ein umzäuntes Gelände mit verschiedenen Zelten, Bänken, Wassertanks und Wasserhähnen, die CARE bereitstellt – gehen sie zu einem der drei Empfangszelte, die mit UNHCR-Mitarbeitern besetzt sind. Zuerst wird ein elektronischer Fingerabdruck genommen, der die Ankommenden und ihre Familien registriert. Sie bekommen farbige Armbänder, je nachdem, in welches Camp sie kommen. Das Camp Ifo ist blau, Dagahaley gelb und Hagadera rot. Anschließend erhalten sie einige Gebrauchsgegenstände, wie Plastikmatten, Decken oder Wasserkanister, die von CARE-Mitarbeitern ausgegeben werden. Danach bekommen sie bei der Essensausgabe Verpflegung für zwei Wochen. In anderen Zelten untersuchen CARE-Mitarbeiter die ankommenden Flüchtlinge, vor allem auf Unterernährung und bieten Beratungen an. Am Schluss bekommen sie ein Papier mit Datum und Zeit der Registrierung, mit dem sie zur Registrierung von UNHCR gehen und dort erfahren, welchem Ort sie zugewiesen werden und eine Karte bekommen, mit der sie ihre Essensrationen erhalten.

Das Leben im Camp

Etwa 1.500 neue Flüchtlinge kommen momentan täglich in Dadaab an, so dass die Menschen ihre Zelte dort aufschlagen, wo sie gerade Platz finden. Das bedeutet, dass teilweise willkürliche Siedlungen entstehen, es an Platz mangelt und Wäldern abgeholzt werden. Das wiederum kann zu Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung führen, die das Land normalerweise als Weidefläche nutzt.

Wenn der Wind weht, verteilt er überall roten Staub. Manchmal ist der Staub so dicht, dass man nicht einmal einen Meter weit sehen kann – Autos müssen anhalten, Menschen ihre Gesichter bedecken. Diese starke Sichtbehinderung kann bis zu einer Minute dauern. Die Häuser sind runde Bauten aus Ästen und umwickelt mit alten Stoffen und Plastik. Je nach dem wie stark der Wind ist, überstehen die behelfsmäßig errichteten Häuschen ihn nicht. Auch die Kinder haben den Staub am ganzen Körper, vor allem ihre Füße sind davon bedeckt. Der Sand ist von der Sonne aufgeheizt. Die meisten Flüchtlinge laufen ohne Schuhe oder in Flip-Flops aus China.

Die Geschichte einer Frau

Hawa Aden Hassan ist 30 Jahre alt und hat drei Kinder. Ihr Mann ist in Somalia geblieben. Sie ist seit fünf Monaten in Dadaab. Während sie mit einer Freundin Äste suchte, um ein Haus zu bauen, wurden die beiden Frauen angegriffen. Sie konnten zwar fliehen und erlitten nur leichte Verletzungen. Aber jetzt haben sie Angst, das Camp zu verlassen, um das Nötigste zu sammeln. Sie sagte, sie schliefen unter offenem Himmel. Mehr als alles andere hoffen sie jedoch, dass ihre Kinder bald wieder in die Schule gehen können.

Auch die Kinder sehen das so, wie ein 14-jähriger Junge im Flüchtlingslager: „Die Gewalt in Somalia ist schlimm. Dieser Ort hier ist gut solange es keine Kämpfe gibt und man zur Schule gehen kann.“

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