Eine verlorene Generation: Junge Afghanen auf der Flucht nach Europa

Von Lucy Beck, Referentin für Medien bei CARE International

Die Mehrheit der Menschen, die über den Balkan nach Europa flieht, kommt aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Doch auch aus Afghanistan nehmen viele Menschen die gefährliche Reise auf sich. Rund 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Afghanistans verlassen ihre Heimat. Das Erdbeben vor ein paar Tagen, am 26. Oktober, wird die Situation, in dem ohnehin schon zerrütteten Land noch verschlimmern. Immer mehr Menschen werden sich gezwungen sehen zu fliehen.

Seit 1978 wird Afghanistan fast durchgängig von Konflikten erschüttert. Ganze Generationen wachsen ohne Perspektive auf. Ausbildungen, Hochschulbildungen oder Arbeitsplätze sind kaum vorhanden. Deshalb machen sich viele auf den Weg nach Europa, in der Hoffnung auf ein Leben mit Zukunft.

Die meisten von ihnen, die die Grenzen der Balkanländer erreichen, sind junge Männer. Kinder oder Jugendliche, oftmals ohne erwachsene Begleitung. Sie haben sich in Gruppen zusammen gefunden, um ihr Ziel zu erreichen.

Ali, 21 Jahre alt

Ali, 21 Jahre alt

„Ich möchte nach Belgien – In den Nachrichten habe ich gehört, dass es dort schön sein soll.”

„Ich reise in einer Gruppe, wir sind 15 Leute. Auf dem Weg hierhin hatten wir viele Probleme. Seit 40 Tagen sind wir unterwegs und von Tag zu Tag wird es schlimmer. Ich bin durch Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien und nun durch Serbien geflohen. Zu Hause in Afghanistan bin ich Mechaniker. Ich würde in Belgien gern einen Job finden und möglichst schnell wieder arbeiten gehen.“

 

Ali, 28 Jahre mit seiner Schwester Masoumeh, 19 Jahre alt

Ali, 28 Jahre mit seiner Schwester Masoumeh, 19 Jahre alt

„Wir sind nicht auf Geld aus, sondern auf eine Ausbildung. Wir wollen arbeiten gehen.“

„Wir sind mit der ganzen Familie geflohen. Unsere Eltern, drei Schwestern und ein Bruder mit seiner Frau sind hier. Wir sind seit einem Monat unterwegs. Es war ein harter Weg bis hierher. Wir mussten durch die Berge Afghanistans gehen, das hat über zehn Stunden lang gedauert und teilweise mussten wir im Dunkeln laufen. In einem der Busse auf der Reise wurde unser gesamtes Geld geklaut. Doch in Afghanistan gibt es für uns Kinder keine Zukunft. Mein Bruder ist Arzt, aber er kann in Afghanistan nicht arbeiten. Für Mädchen ist es gefährlich bei uns zu Hause. Außerdem sind wir Hazaras und in Afghanistan gibt es viele Kämpfe zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Unser nächstes Ziel ist Schweden – Wir haben dort schon Familie, die gut zurechtkommen.“

 

In der Mitte: Rustam, 17 Jahre alt

In der Mitte: Rustam, 17 Jahre alt

 „Ich wünsche mir, dass ich eines Tages zurück nach Hause kehren kann. Ich liebe meine Heimat.“

„Ich komme aus Kabul und bin mit zwei Freunden geflohen, ohne meine Familie. Am liebsten möchte ich in Deutschland ankommen. Dort habe ich Freunde, denen es gut gefällt. Wir sind seit 30 Tagen  unterwegs und haben eine schlimme Zeit hinter uns. Bereits in Afghanistan sind wir ausgeraubt worden und im Iran hatten wir furchtbares Wetter. Oft habe ich mich gefragt, wie wir die Flucht überleben sollen. An der Grenze zu Mazedonien warteten wir lange Zeit im Regen und in der Kälte. Seitdem habe ich Halsschmerzen und fühle mich nicht gut. Doch es gibt zu viele Gründe meine Heimat Afghanistan zu verlassen; die andauernden Kämpfe, die Bomben und kein Geld zum Überleben. Aber auch innerhalb unserer Familie erlebten wir Konflikte. Vor einem Jahr haben  Familienmitglieder versucht uns zu töten. Ich musste mein Studium abbrechen wegen all dieser Probleme. Nichts wünsche ich mir mehr, als in Deutschland wieder studieren zu können. Informatik am liebsten. So oft ich kann, rufe ich meine Familie in Afghanistan an. Ich habe leider selbst kein Telefon, aber ich leihe mir oft eins, damit ich ihnen sagen kann, dass es mir gut geht. Ich habe alle zurückgelassen. Vor einer Woche habe ich das letzte Mal mit meiner Familie gesprochen. Bevor ich wieder zurück nach Hause kehren kann, müssen sich die Lebensbedingungen in meiner Heimat ändern. Ich bin mir nicht sicher, ob das jemals passieren wird, aber ich wünsche es mir von Herzen.  – Vielleicht werden meine Kinder das erleben können…“

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