„Wenn es in der Nacht passiert wäre, wir wären tot“

Wie sieht der Alltag sechs Monate nach einem Erdbeben aus? Welche Sorgen, Nöte und Ängste beschäftigen Betroffene und was lässt sie wieder neue Hoffnung schöpfen? Der Fotograf Brian Sokol und CARE-Mitarbeiter Grishma Aryal begleiteten Menschen beim Wiederaufbau im Nordosten Nepals.

Die Monsunzeit ist für Menschen in Nepal normalerweise eine Zeit der Hoffnung. Reis und Hirse werden neu gepflanzt. Die Dorfbewohner kommen zusammen und helfen einander. Doch dieses Jahr ist alles anders: Häuser, Lagerräume, Felder und Vieh sind zerstört. Die Erde ist immer noch unruhig. Regelmäßig sind Nachbeben zu spüren. Wenn es regnet, verspüren die Menschen Angst davor, dass ihre Häuser weggefegt werden. Für CARE ist die Lieferung von Hilfsgütern eine große Herausforderung. Viele Straßen sind nach dem Monsun kaum befahrbar, und die am schlimmsten betroffenen Gebiete liegen weit abgelegen in den Bergen.

„Nicht nur Ärzte retten Menschenleben, sondern auch Busfahrer.“  – Kumar Tamang

Viele Busse bleiben im Schlamm stecken,  für eine Strecke von rund 35 km dauert eine Fahrt manchmal mehr als dreieinhalb Stunden. Kumar Tamang, ein Busfahrer aus Mulpani, sagt: „Wir fahren fast jeden Tag unter schrecklichen Bedingungen. Nasser Schlamm ist unter Busrädern extrem rutschig. Wir müssen sehr vorsichtig fahren, um unsere Passagiere zu schützen. Sie haben uns schließlich ihr Leben anvertraut.“

Pannen kommen sehr häufig vor, besonders wenn es bergauf geht. Dieser Lastwagen war mit Hilfsgütern für Dorfbewohner in Muplani beladen. Es war der einzige Wagen, der nach langer Zeit in das Dorf vordringen konnte. Nachdem der Reifen geplatzt war, warteten die Passagiere mehrere Stunden auf die Weiterfahrt.

Das Erdbeben war so stark, dass sogar Häuser aus Beton in komplett zerstört oder gänzlich unbewohnbar wurden.

Insbesondere Kinder leiden unter der Situation nach den Erdbeben. Der sechs Jahre alte Durkesh Koirala aus Mulpani sitzt zwischen den Trümmern seines ursprünglichen Zuhauses. Er versucht, Gegenstände zu retten, mit denen er mit seinen Freunden spielen kann.

„Ich habe nach dem Erdbeben zehn Tage lang im Freien geschlafen. Dann hab ich mir selbst eine Notunterkunft gebaut. Das Wellblech bekam ich von CARE “, Shyam Pariyar.

Shyam Pariyar, 70 Jahre alt, ist Schneider. Als seine Enkelin Kamala in seinem Schoß einschläft, sagt er: „Meine Nähmaschine liegt unter den Trümmern begraben. Von dem Geld, das ich von der Regierung erhalten habe, konnte ich mir eine neue kaufen. Aber ich bin alt und meine Sehkraft wird immer schlechter. Ich weiß nicht, wie lange ich meinen Beruf noch ausüben kann. Ich mache mir Sorgen, wie ich meine Enkelkinder unter diesen Bedingungen großziehen kann.“

Während der Regenzeit kann es zu starken Windböen kommen, vor allem im Bergland. Die Dorfleute legen Felsbrocken und Steine auf ihre Blechdächer, damit sie nicht weggefegt werden.

Organisationen wie CARE stellen Wellblech und Werkzeug für den Bau von Notunterkünften zur Verfügung. Jetzt, wo der Monsun aufhört, gilt es, stabilere Konstruktionen zu errichten und dafür zu sorgen, dass wieder mehr Normalität einkehrt.

 

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