Fest der Luftbrücke: „Meine persönliche Bitte“

Lea van der Pütten ist Praktikantin bei CARE im Bereich Kommunikation und Advocacy. Gemeinsam mit Marlis Dworschak, Praktikantin im Bereich Marketing und Partnerschaften, betreute sie am 12. Mai einen der beiden Stände beim Fest der Luftbrücke auf dem Tempelhofer Feld in Berlin.

Das CARE-Team betreute beim Fest der Luftbrücke in Berlin zwei Stände und klärte über die Arbeit von CARE auf..

Das CARE-Team beim Fest der Luftbrücke in Berlin (v.l.): Lara Morlang, Anika Auweiler, Marlis Dworschak, Sina Klaus und Lea van der Pütten.

Es ist Sonntagmorgen um 8:30 Uhr und ich sitze im Zug auf dem Weg von Halle nach Berlin. Trotz einer kurzen Nacht bin ich hellwach und meine Finger kribbeln vor lauter Vorfreude. In meinem Rucksack befindet sich meine Ausstattung für diesen Tag: ein blaues CARE-T-Shirt und passend dazu eine luftige CARE-Jacke. Unweigerlich denke ich zurück an die vielen Tage, die ich bereits für CARE in den Fußgängerzonen in ganz Deutschland verbracht habe, die vielen tollen Gespräche mit den Passantinnen und Passanten sowie an die Höhen und manchmal auch Tiefen, die mein Job als sogenannte Dialogerin mit sich brachte. Zwei Jahre lang habe ich in meinen Semesterferien immer wieder für CARE neue Spender und Spenderinnen auf der Straße geworben. Meine letzte Kampagne ist jetzt schon über ein Jahr her; umso mehr freue ich mich, bei dem großen Fest zur Berliner Luftbrücke Menschen Rede und Antwort zu stehen und ihnen die Projekte von CARE vorzustellen.

Angekommen in Berlin begrüßt mich strahlendes Wetter. Ich treffe Mitpraktikantin Marlis am Luftbrückendenkmal und zusammen machen wir uns auf den Weg zum Tempelhofer Feld, wo die großen Feierlichkeiten anlässlich „70 Jahre Berliner Luftbrücke“ stattfinden. In zwei ehemaligen Flughangars können die Besucherinnen und Besucher in die Zeit der Berliner Blockade von 1948 bis 1949 eintauchen: Verschiedene Film- und Audioinstallationen nehmen die Menschen mit auf eine emotionale Reise in das besetzte Berlin der Nachkriegszeit und zeigen zudem die wahnsinnige Logistik hinter den im Minutentakt landenden Flugzeugen sowie die geschichtlichen Hintergründe der Luftbrücke.

Ein historischer Rosinenbomber über Berlin. Foto: CARE

Die sogenannten Rosinenbomber versorgten Berlin fast ein Jahr aus der Luft. Foto: CARE

Ein buntes Programm

Am Tempelhofer Feld angekommen, erwartet Marlis und mich die erste kleine Überraschung: Wir werden am offiziellen Haupteingang nicht eingelassen. Stattdessen schickt uns der Sicherheitsbeamte einmal um das Flughafengelände zu Hangar 5, dem Eingang für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir laufen durch einen kargen Flur mit vielen verschlossenen Türen und plötzlich stehen wir in Hangar 5 und blicken direkt auf ein riesiges CARE-Banner. Wir haben es geschafft, jetzt kann es losgehen!

Kaum angekommen, werden wir auch schon von unseren Kolleginnen vor Ort begrüßt. Schnell die Sachen abgestellt, die CARE-Klamotten übergeworfen und auf geht es zu unserem quietschorangenen CARE-Stand auf dem Vorfeld des Flughafens. Unsere Kolleginnen Leah und Lara haben schon ganze Arbeit geleistet und den Stand mit CARE-Paketen und Luftballons dekoriert. Ein Teppich mit den wichtigsten geschichtlichen Daten von CARE führt direkt in unseren Stand.

Wir sind noch mitten im Aufbau, als um Punkt 12 Uhr die ersten Leute auf uns zuströmen. Neugierig erkundigen sie sich, welche Arbeit CARE leistet oder schlendern den Teppich entlang und lesen interessiert die Meilensteine unserer Geschichte. Das ist eine ganz andere Art des Dialogens, als ich es kenne. In der Fußgängerzone müssen wir die Leute aktiv ansprechen und auch damit umgehen können, dass viele einfach an uns vorbeigehen. Hier kommen die Leute von sich aus in unser „Freiluftbüro“ geschlendert und wollen mehr über CARE erfahren. Ein schönes Gefühl!

Mitten auf dem Tempelhofer Feld: der CARE-Dialogerstand. Foto: Kathrin Leisch/CARE

Der CARE-Dialogerstand auf dem Vorfeld des Flughafens Tempelhof. Foto: Kathrin Leisch/CARE

Zwischendurch besucht uns Winfried Polte, Präsident von CARE Deutschland, dankt uns für unsere Arbeit und beginnt auch gleich selbst, mit den BesucherInnen ins Gespräch zu kommen. Kurze Zeit später treffen wir auch die 90-jährige Berlinerin Anita Stapel, die während der Berlin-Blockade 1948/49 selbst ein CARE-Paket erhalten hat. Die damals 20-Jährige wurde in dieser Zeit schwanger und litt schrecklichen Hunger. Nach der Geburt ihres Sohnes wurde sie von ihrem Arzt für ein CARE-Paket vorgeschlagen, das ihr und ihrer Familie half, zu überleben. Ich bin beeindruckt von dieser Frau, die sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch immer wo sie kann für CARE engagiert. Es macht eines ganz deutlich: Wie sehr die Organisation den Menschen damals geholfen hat und wie wichtig es ist, bedingungslose Hilfe in Notsituationen zu erhalten. Denn heute ist die Not größer denn je. Im letzten Jahr waren weltweit rund 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als je zuvor – sei es aufgrund von Naturkatastrophen, Kriegen oder anderen Konflikten. Darum stehe ich hier und bitte wieder und wieder um Spenden.

Noch einmal zieht Anita Stapel an unserem Stand ihren Lippenstift nach und zupft ihre lila Tunika zurecht. Keinen Moment zu früh, denn wenig später haben die Journalistinnen und Journalisten sie entdeckt und eine riesige Menschentraube bewegt sich durch unseren Stand, in der Hoffnung ein gutes Bild von der einstigen CARE-Paket-Empfängerin zu schießen.

Anita Stapel erhielt selbst ein CARE-Paket. Foto: Kathrin Leisch/CARE

CARE-Paket-Empfängerin Anita Stapel. Foto: Kathrin Leisch/CARE

Ein echtes Herzensprojekt

Neben Anita Stapel kommen viele weitere Zeitzeugen auf das Tempelhofer Feld. Immer wieder erzählen mir Menschen von ihren CARE-Paketen – von dem Milchpulver, das sie fälschlicherweise einfach so aßen, von dem salzigen Cheddar oder der süßen Schokolade. Das Glück und die Dankbarkeit, mit der sie mir ihre Geschichten erzählen, zeigen mir einmal mehr, warum die Unterstützung dieser Hilfsorganisation auch für mich mittlerweile zu einem echten Herzensprojekt geworden ist.

Besonders im Gedächtnis ist mir ein Gespräch mit einem jungen Paar geblieben. Barfuß schlendern sie auf unseren Stand zu und hören sich interessiert an, was CARE heute macht und welche Projekte wir weltweit umsetzen. Beide arbeiten im sozialen Bereich und unterstützen bereits viele Hilfseinrichtungen. Und trotzdem stehen sie hier bei CARE am Stand und überlegen, inwieweit sie nun auch unsere Projekte unterstützen können. Unsere Ansätze haben sie überzeugt!

Am Ende dieses schönen Tages darf CARE sich über einige Fördererinnen und Förderer mehr freuen und Marlis und ich ergreifen die Gelegenheit, selbst durch die Ausstellung in Hangar 5 zu laufen und dort noch einmal hautnah mitzuerleben, wovon wir den Menschen den ganzen Tag erzählt haben. Ich bin froh, dass CARE nach all der Zeit immer noch so tolle Arbeit leistet und Menschen weltweit unterstützt. Von daher ist meine persönliche Bitte an Sie auch ganz einfach: Fassen Sie sich ein Herz und helfen Sie mit!

Unterstützen Sie die Arbeit von CARE mit Ihrer Spende!

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