Fische, Früchte und Freundlichkeit

Das Team von CARE bekommt im Mangrovenwald schlammige Füße (Foto: CARE/Bulling)

Sauer und saftig schmeckt die Bungo. Das gelbe Fruchtfleisch ist in kleine Kugeln aufgeteilt, jede ist so groß wie ein „Nimm zwei-Bonbon“. Die Säure ruft Gänsehaut auf meinen Armen hervor, es sträuben sich die Nackenhaare. „Ich werde dir jede Frucht zeigen, die es auf Pemba gibt“, sagt Mbarouk lachend. Ich lache mit und hoffe auf weniger sauere Experimente.

Früchteparadies ohne Chancen auf Export

Früchte und Gemüse gibt es reichlich auf Pemba. Gestern zum Mittagessen haben wir Cassava probiert, die holzige und Kartoffel-ähnlich schmeckende Wurzel. Heute Vormittag kaufte Mbarouk Rambutan, die aussehen wie Eier, die man mit rotem Klettverschluss umwickelt hat. Hat man sich durch die harte Schale durchgebissen, wird man mit milchig weißem Fruchtfleisch belohnt, ähnlich dem von Litschis. Ich sehe überall riesige Mangobäume, die mehr als hundert Jahre alt sind. Leider ist die Mangosaison vorbei. Darüber hinaus gibt es Ananas, Bananen, Papaya, Orangen, ein wahres Früchteparadies. „Doch wir haben keine Möglichkeit, die Früchte zu lagern und zu exportieren“, erzählt mir Omar, ein junger CARE-Kollege. „In der Mangozeit essen wir nur noch Mangos, bis uns schlecht wird. In der Ananaszeit nur Ananas. Denn sonst wissen wir nicht, wohin damit. Es ist ein Jammer, dass diese exotischen Leckerbissen aus Pemba aufgrund mangelnder Infrastruktur, aber auch der Abschottung europäischer Märkte nicht bei uns zu kaufen sind.

Frischer Fisch, umweltschonend gefangen

Doch man kann in Pemba nicht nur Früchte schlemmen. Frischer Fisch ist die Haupteinnahmequelle vieler Bewohner. Die Fischer fangen mit ihren kleinen Holzbooten Tunfisch, Hummer, Garnelen, Shrimps und vieles mehr. Im Dorf Ndagoni treffen wir den Fischer Nassor Sulleiman.

Nassor Sulleiman fischt nachhaltig und umweltschonend. Damit folgt er den Regeln des Koran (Foto: CARE/Bulling)

Er fischt seit vielen Jahren, zusammen mit seiner Familie. Seitdem Mbarouk im Auftrag von CARE und Mica in sein Dorf kam, fischt er nachhaltiger und folgt der islamischen Ethik des respektvollen Umgangs mit der Natur: „Ich benutze jetzt ein Netz mit großen Löchern, das ist schonender. Da werden nur die großen Fische drin gefangen, nicht mehr die jungen Fische oder andere kleine Meerestiere.“ Der lokale Imam ruft in den Freitagsgebeten dazu auf, die Natur zu achten und sorgfältig zu nutzen. Daran halten sich Nassor und seine Familie. Doch die Fischerei reicht nicht aus zum Leben. Nebenbei baut er Gemüse an, damit er sich und seine neun Kinder ernähren kann.

Ein friedlicher Ort

Abends zurück in Wete laufen wir durch das dunkle Städtchen. Nicht alle Häuser haben Strom, nur vereinzelte Geschäfte sind beleuchtet. Ganz Wete scheint auf den Beinen, die Jugend flaniert auf der einzigen asphaltierten Straße auf und ab, hört am Straßenrand Musik oder versucht einen Platz im kleinen Kino zu ergattern. Wir werden auch am dritten Abend weiterhin freudig begrüßt, obwohl sicher schon ganz Wete erfahren hat, dass wir beiden Ausländer abends hier spazieren gehen. „Das schöne an meiner Heimatstadt ist, dass du hier offen deine Tasche liegen lassen kannst und niemand wird sie wegnehmen“, sagt Omar stolz. „Die Menschen hier sind friedlich, niemand will dir etwas Böses.“ Ich glaube ihm gerne. Und so endet ein weiterer ereignisreicher Tag auf Pemba, dieser kleinen Insel im Indischen Ozean.

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