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Flucht ins Ungewisse, aber mit Hoffnung auf Leben

Von

Priyanas Hände zeugen vom Schmerz des Bürgerkrieges Foto: CARE/Melanie Brooks
CARE-Mitarbeiter in den Flüchtlingscamps (Foto: CARE)

Rund 80 CARE-Mitarbeiter arbeiten in zehn Camps rund um die Stadt Vavuniya in Sri Lanka. Hier berichten sie von ihren Eindrücken.


Übersetzt von Johanna Mitscherlich

Ihre Flucht aus dem Konfliktgebiet war eine gewaltsame, aber unausweichliche Prüfung. Ohne einen Blick zurück machten sie sich schließlich auf den Weg. Sie wussten nicht, wen sie schon verloren hatten, wer beim Durchqueren tiefer Meeresbuchten, im dornigen Unterholz oder auf trockenen Sandebenen bereits gestorben war. Sie hatten Angst vor der Dunkelheit, dem Licht und dem Wind, vor Geräuschen genauso wie vor der Stille.

Letztlich konnten sie sich in Sicherheit bringen, ohne jedoch zu wissen, wo ihr endgültiges Ziel lag. Sind wir bereit und fähig, ihnen zu helfen, ihre Leben wieder aufzubauen? Quälende Gewissensfragen, die lauter im Kopf wüten als ein Gewitter.

Mittlerweile beherbergen die Camps in Vavuniya, Jaffna und Mannar im nördlichen Sri Lanka 150.000 Menschen, denen es gelang, aus der Kampfzone zu flüchten. Nach Angaben der Regierung und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, haben sich in der letzten Woche mehr als 120.000 Zivilisten durch eine schussfreie Zone in von der Regierung kontrollierte Gebiete gerettet. In Omanthai, nördlich von Vavuniya, werden immer noch Flüchtlinge gesichtet.

In den letzten Tagen strömten immer mehr Menschen nach Vavuniya. Zehntausende suchen Sicherheit, Obdach und Hilfe. CARE versorgt zusammen mit der Regierung, der UN und anderen nationalen und internationalen Organisationen die bereits in Vavuniya eingetroffenen Menschen mit Essen und Notvorräten. Die Zahl der vertriebenen Personen steigt unaufhaltsam.

Die Menschen hier waren im Kampfgebiet gefangen, haben Monate in dunklen Erdbunkern oder selbst ausgehobenen, schlammigen Gruben verbracht, konnten nur alle paar Tage eine Mahlzeit zu sich nehmen und mussten ständig den Tod fürchten. Einige von ihnen sind alleine im Flüchtlingscamp angekommen. Viele Familien bestehen nur noch aus wenigen Mitgliedern, manchmal tauchen auch nur zwei kleine Geschwister auf, die ihre Eltern beim Fluchtversuch aus dem Krisengebiet verloren haben.

Nach Angaben verschiedener Quellen sind nahezu ein Drittel der Flüchtlinge Kinder, über zwei Prozent sind Mütter mit Neugeborenen. Am 21. April gebar eine junge Frau ihr Kind während des Transports in einem öffentlichen Bus in die Flüchtlingscamps. Leute flüchten mit nichts als ihren Kleidern am Leib, sind dehydriert, hungrig und erschöpft. Zunächst benötigen sie eine annehmbare Unterkunft zum Ruhen und Schlafen, lebenswichtige Nahrung und sauberes Trinkwasser.

Fünfzehn Flüchtlingslager sowie die „Manic Farm“, ein weiteres großes, aus drei Zonen bestehendes Camp, haben die kleine Stadt Vavuniya, 250 km nördlich von Colombo, drastisch verändert. Um dem Zufluss an Zivilisten gerecht zu werden und zumindest ihre Grundbedürfnisse zu stillen, werden neue Infrastruktur und zusätzliche Serviceleistungen benötigt. Das Krankenhaus in Vavuniya quillt über von verwundeten und kranken Personen. Zusätzliche medizinische Kräfte werden dort angestellt und es werden neue Flächen geschaffen, um vorübergehende Siedlungen für Zehntausende Menschen zu schaffen, die wegen der Kämpfe ihre Heimatorte verlassen mussten.

Zusätzlich zu der Errichtung von Notunterkünften für 3.000 Menschen hilft das CARE-Team dem UNHCR, Zelte für fast 30.000 Flüchtlinge außerhalb der Gefechtszone aufzubauen. Insgesamt plant CARE den Bau von Notunterkünften für ungefähr 6.000 Menschen. Außerdem errichtet CARE Latrinen für mehr als 4.000 Menschen und stellt warme Mahlzeiten und Notvorräte wie Decken, Matten, Moskitonetze, Kleidung und Kochutensilien bereit.

Aber mit dem Zustrom von zehntausenden Menschen ist fraglich, ob CARE seine humanitäre Hilfe entsprechend ausweiten kann. Spenden werden dringend benötigt, um sauberes Trinkwasser und Hygieneeinrichtungen zu garantieren. CARE hat einen Spendenaufruf für neun Millionen US-Dollar gestartet. Damit könnte die Nothilfe sofort aufgestockt werden und der langfristige Wiederaufbau wäre gesichert.

Jeder einzelne der Flüchtlinge wünscht und hofft, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren. Sie wissen, dass sie wahrscheinlich noch einige Zeit in notdürftigen Unterkünften bleiben müssen. Viele von ihnen waren vor ihrer verhängnisvollen Flucht Bauern, Fischer, mittelständische Unternehmer oder Lohnarbeiter. Gemeinsam ist ihnen allen jedoch die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität.

„Könnt Ihr uns helfen, damit wir in unsere Häuser zurückkehren können?“ Diese Frage schwirrt in der Stille zwischen ihnen und uns. Ja, sie brauchen alle ein neues Zuhause, um ein neues Leben starten zu können: Aber heute, heute sind sie schon zufrieden, eine warme Mahlzeit und einen sicheren Schlafplatz zu haben.

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1 Kommentar to “Flucht ins Ungewisse, aber mit Hoffnung auf Leben”

  1. Jenny marx Says:

    Hallo Johanna
    den Artikel den du geschrieben hast, ging mir sehr ans Herz.
    Ich selber habe mit erlebt, wie es den Menschen dort geht, welches Leben sie führen müssen. Ich habe sowas noch nie zuvor gesehen.
    Ich bin eigentlich nur aus 1 Grund hin geflogen….Mein Freund kommt aus Sri lanka. Wir waren Zuerst Brieffreunde 4 Jahre, bis wir uns zum ersten mal gesehen haben letztes Jahr. Jetzt sind wir zusammen. Inzwischen war ich 2 mal dort.
    Es war so schockierend. Seine Familie ist nur froh, dass sie überhaupt ein Dach überm Kopf haben und hat gerade Geld um Reis und Seife zu kaufen.
    Es hat mir so leid getan, dass zu sehen, wo wir in Deutschland doch alles haben und es nie zu schätzen wissen. Deswegen habe ich ihnen immer geholfen als ich da war. Doch es war so schwer für mich, mit dieser Situation klar zu kommen. Jetzt hoffe ich nur, dass mein freund irgendwann nach deutschland kommen kann….

    Liebe Johanna, das war ein Teil meine Geschichte,….
    Ich finde es bewundernswert, wie Sie Vorort den Menschen helfen. Ganz ganz grosses Lob an Sie!
    Ich hoffe, dass vielen Menschen dadurch die Augen geöffnet werden und anfangen, darüber nach zu denken, wie gut es uns eigentlich geht.

    Sobald ich wider Geld gespart habe, werde ich es spenden, versprochen!

    Alles Liebe & Gute für Ihr Projekt!

    Herzliche Grüße,

    von
    Jenny, 20 Jahre aus Bonn

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