Flüchtling zur Gewalt in Köln: „Niemand sollte solches Leid erfahren“ Teil I

„Ich bin männlich, Flüchtling aus Syrien und wohne in der Nähe von Köln.“ – Basheer Alzalaan äußert sich zu den Ereignissen der Silvesternacht in Köln.

„Mir ist es besonders wichtig, meine Solidarität mit den Frauen auszusprechen, die Opfer dieser Gräueltaten geworden sind.“ (Foto: CARE)

„Mir ist es besonders wichtig, meine Solidarität mit den Frauen auszusprechen, die Opfer dieser Gräueltaten geworden sind.“ (Foto: CARE)

Ich bin männlich, Flüchtling aus Syrien und wohne in der Nähe von Köln. Ich empfinde es als meine moralische Pflicht, mich zu den Vorfällen in Köln zu äußern. Aber wo kann und soll ich anfangen? Auf der einen Seite bin ich wie viele andere Menschen in Köln, Deutschland und in der ganzen Welt sprachlos und wütend. Auf der anderen Seite mache ich mir Sorgen, was dieses abscheuliche Verbrechen für andere Flüchtlinge wie meine Familie und mich bedeuten wird. Vorneweg ist mir jedoch besonders wichtig, meine Solidarität mit den Frauen auszusprechen, die Opfer dieser Gräueltaten geworden sind. Niemandem sollte irgendwo auf dieser Welt von irgendwem ein solches Leid zugefügt werden.

Es macht mich traurig und beschämt zu hören, dass einige der Verbrecher Asylbewerber sind. Wie können sie so etwas tun? Wie können gerade diejenigen, die selbst vor unendlichem Leid, vor Krieg geflohen sind, sich so verhalten? Meine deutschen Freunde sagen mir, dass es keine „Kollektivschuld“ geben darf, dass Verbrecher Verbrecher sind, egal, wo sie herkommen. Statistiken zeigen, dass die Straffälligkeit von Flüchtlingen genauso hoch ist wie bei Deutschen. Aus der Herkunft von Menschen können und dürfen keine Rückschlüsse über Gesetzestreue gezogen werden. Aber ich denke an all die ehrenamtlichen Helfer, die mich seit meiner Flucht nach Deutschland unterstützt haben; an die Hilfe, die ich vom deutschen Staat erhalte, an den Rückhalt, den ich erfahre. Wir sagen im Arabischen, dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißen darf. Genau dagegen haben die Täter von Köln verstoßen, und sie haben den Islam, auch meine Religion, mit ihren Taten beschmutzt. Der Islam, wie ich und viele andere Syrer ihn leben, erlaubt keine Gewalt gegen Frauen, keinen Diebstahl, und ja, auch keinen Alkoholkonsum. Selbst Freunde, die noch in den Wirren des syrischen Bürgerkriegs gefangen sind, haben von den Vorfällen in Köln gehört und mir über Facebook ihr Entsetzen geschildert. Auch in meinem Flüchtlingsheim in der Nähe von Köln sprechen alle darüber, was an Neujahr passiert ist. Es ist uns unbegreiflich, wie Menschen so etwas tun können.

Hilflosigkeit und Angst

Die Übergriffe auf die Frauen in der Silvesternacht haben auch andere, ähnliche Erinnerungen in mir aufgewühlt. Es war vor etwa einem Jahr, am Hauptbahnhof in Düsseldorf. Das erste Mal in meinem Leben habe ich gesehen, wie eine Frau belästigt wurde. Der Täter war betrunken, ich versuchte dazwischen zu gehen, aber er wurde sehr gewalttätig. Mein Bruder hielt mich damals zurück, sagte mir, dass ich aufpassen müsste, dass die Polizei nicht am Schluss mich verhaftet. Schließlich sei ich Flüchtling.

Vielleicht wäre das nicht so gewesen, aber wir waren noch sehr fremd in diesem Land und hatten Angst, man könne uns nach Syrien zurückschicken. Bis heute denke ich an diesen Vorfall und fühle mich schwach und hilflos. Vor einiger Zeit gab es einen weiteren Fall von Gewalt gegen eine Frau in dem Flüchtlingsheim, in dem ich wohne. Ein Mann hat auf sie eingeschlagen. Wir haben die Polizei gerufen, aber sie hat nichts getan. Man hat uns gesagt, dass ihnen die Hände gebunden seien, weil sowohl die Täter als auch die Opfer Asylsuchende sind. Ich war sehr wütend, die Polizei so machtlos zu sehen. Es konnte doch nicht sein, dass man die Frau nicht beschützen, nichts dagegen tun konnte! Die Frau weinte sehr und der Täter wohnt bis heute bei uns im Heim. Wir versuchen alle, ihr zu helfen und haben den Mann zur Rede gestellt. Er sagte nur, er hätte keine Angst vor der Polizei. Das deutsche Recht könne auf ihn nicht angewandt werden. Kann das wirklich sein?

Kriminelle Flüchtlinge schaden anderen Flüchtlingen

Es wird gerade in den Nachrichten viel diskutiert darüber, dass man Asylbewerber stärker bestrafen sollte. Ich bin dafür, dass man sie genauso wie alle anderen zur Rechenschaft zieht. Wer kriminell ist, muss auch so behandelt werden, egal, wo er her kommt.

Eine konsequente Bestrafung ist deswegen auch gerade zum Schutz vieler Flüchtlinge, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen, wichtig. Zum einen, weil diejenigen, gegen die Gewalt sich richtet, vor allem andere Asylbewerber sind. Zum anderen, weil kriminelle Flüchtlinge all denjenigen besonders mit ihrem Handeln schaden, die auch als „Flüchtlinge“ zählen, weil die Stimmung sich ändert, und ja, weil pauschalisiert wird. Wie alle Menschen sind wir „Flüchtlinge“ natürlich auch eine heterogene Gruppe. Wie überall gibt es auch unter uns Kriminelle. Ein schlechter Mensch ändert sich auch dann nicht, wenn er alles verloren hat und durch die Hölle auf Erden gegangen ist. Vielleicht wird er dadurch manchmal sogar noch schlechter.

Hier geht es zum zweiten Teil des Beitrages …

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