Die Heldinnen im Jemen

Am Weltfrauentag sollte jede Frau ihre Erfolge feiern. Im Jemen werden Frauen gefeiert, die Mut beweisen – nicht nur um ihr eigenes Überleben und das ihrer Familien zu sichern, sondern auch, um sich gegen Gewalt und Armut in einem vom Krieg gezeichneten Land zu stellen. Rehab ist so eine Frau, eine echte Heldin. Tag für Tag setzt sie sich bei CARE dafür ein, dass die Frauen im Jemen wirtschaftlich gestärkt werden. An dieser Stelle berichtet sie von ihrer Arbeit und den Zukunftschancen, die sich inmitten des Krieges für die Frauen im Jemen auftun.

„Ich bin das fünfte Kind meiner Eltern. Vor mir hatte meine Mutter bereits vier Söhne bekommen. Sie war sehr glücklich, als ich auf die Welt kam. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf, in dem nicht viele Mädchen zur Schule gingen. Doch meiner Mutter lag unsere Bildung sehr am Herzen. Ihr war es egal, ob wir Jungen oder Mädchen sind – sie glaubte an unser Potential und sorgte dafür, dass wir zu Schule gingen. Ich bin ihr bis heute dankbar dafür!

Rehab Alkhouja lächelt stolz in die Kamera.

Rehab Alkhouja setzt sich im Jemen für die wirtschaftliche Stärkung und Berufschancen von Frauen ein. (Foto: Mohammad Almahd/CARE)

Als ich anfing zu arbeiten, realisierte ich schnell meine besondere Position. Als Frau mit einer vernünftigen Schulbildung war ich in der Lage, auf eigenen Beinen zu stehen. Mein Wissen gab mir Kraft und Durchsetzungsvermögen, ich konnte mich auch den Männern in meinem Umfeld gegenüber behaupten.

Als der Krieg begann, zerstörte er die Träume vieler Menschen, darunter auch meine. Ich hatte vor, einen Master und einen Doktor im Ausland zu machen, um dann im Jemen an einer Universität zu arbeiten. Daraus wurde nichts. Ich sagte mir damals jeden Tag, dass die Kämpfe bald enden würden, doch das taten sie nicht. Er wurde alles nur immer schlimmer.

Als ich anfing, mich bei CARE für die wirtschaftliche Stärkung von Frauen einzusetzen, ihnen Bildungs- und Berufschancen aufzuzeigen, merkte ich schnell, dass es viele Geschichten von jemenitischen Frauen gibt, die in diesen Zeiten des Krieges zum ersten Mal arbeiten, um für ihre Familien etwas dazu zu verdienen. Damit ändern sich auch die Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft. Doch was das oft für ein ganz eigener Kampf ist, den die Frauen hier Tag für Tag austragen, bekommen wir nur selten mit.

Asma riecht an Bakhoor, einer Kräutermischung.

Die 35-Jährige Asma besitzt ihren eigenen Parfumladen. (Foto: CARE)

Es gibt die starken Frauen – und die noch stärkeren!

Ich beobachte hier im Jemen zwei Arten von Frauen: Zum einen gibt es die, deren Leben vor dem Krieg gut lief. Doch dann wurden ihre Ehemänner entweder getötet oder verletzt, verloren ihre Arbeitsstelle, oder sie wurden für den Kampf eingezogen. Langsam aber sicher wandelten sich diese Frauen zu den Hauptverdienerinnen ihrer Familien. Am Anfang bliebe ihnen gar nichts anderes übrig, heute leisten sie hervorragende Arbeit. Sie denken sich kreative Arbeitsmöglichkeiten aus: Manche arbeiten als Schneiderin, andere kochen zuhause Essen und verkaufen es dann, wieder andere stellen Parfum her.

Es gibt aber leider auch die Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben oder immer noch erleben, vor und nach Ausbruch des Krieges. Diese Frauen sind Heldinnen für mich, wenn auch traurige. Sie sind nicht nur mit einem brutalen Krieg konfrontiert, so wie Millionen andere, sie blicken zusätzlicher Gewalt ins Gesicht: durch ihre Ehemänner, Brüder, Väter oder durch andere männliche Personen in ihrem Umfeld.

Geschlechterspezifisches Rollenbild? Gleichberechtiges Vorbild!

Ich habe viele Frauen getroffen, die zu unseren Fortbildungen und Workshops gehen, ohne dass ihre Männer oder Brüder davon wissen – aus Angst, diese würden ihre Entscheidung nicht respektieren und gewalttätig werden. Trotzdem lassen sie sich nicht von ihrem Wunsch abbringen, einmal ein besseres Leben zu haben, und müssen sie auf ihrem Weg dorthin noch so sehr leiden.

Heba schaut in die Kamera, vor ihr steht ein Mikroskop.

Die 27-Jährige Heba arbeitet in einem medizinischen Labor und finanziert sich ihren Lebensunterhalt selbst. (Foto: Abdulhakim Al-Ansi/CARE)

So auch Sumaya, eine junge Frau, die von ihrem Ehemann geschlagen wurde. Als sie Schutz bei ihrer Familie suchte, schlug ihr Bruder sie. Doch das hielt sie nicht davon ab, für sich selbst und ihre Überzeugungen einzustehen. Heute ist sie stolze Besitzerin eines Ladens, in dem sie Hühner verkauft. Ihr wirtschaftlicher Erfolg brachte ihr auch den Respekt der Männer ein.

Jedes Mal, wenn ich diese Geschichten höre, atme ich tief durch und denke über die Bedeutung von Bildung nach. Hätten diese Frauen – wie ich – eine gute Bildung bekommen, hätten sie vielleicht nicht diesen entsetzlichen Gewaltsausbrüchen, Armut und Hunger ins Gesicht blicken müssen.

Wenn ich also sage, dass jemenitische Frauen Heldinnen sind, dann weil sie inmitten von Krieg, Tod, Hunger und Zerstörung trotzdem Zukunftschancen für sich selbst ergreifen. Sie inspirieren mich, sämtliche Hürden in meinem eigenen Leben zu überwinden. Sie geben mir unglaubliche Kraft.

Lasst uns am Weltfrauentag gemeinsam diese Stärke feiern.“

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