Frauen im Arbeitsleben: “I am powerful”
Von Chandara Tith
“I am powerful – Ich bin stark!” Was soll das heißen? Ist das eine politische Botschaft? Nein, es ist das Motto einer neuen Kampagne von CARE, um die Rechte der Frauen zu thematisieren und vor allem zu stärken.

In der CARE Kampagne "I am powerful" werden Frauen aus verschiedenen Ländern portraitiert. Hier zeigt eine Kambodschanerin in ihrem Gemüsegarten, dass sie ihre Familie ernähren kann. (Foto:CARE)
Sie hat bei mir wirklich Interesse geweckt. Ich bin sowohl auf der Website, als auch auf einigen Broschüren darauf aufmerksam geworden.
Frauen in Kambodscha
Habt ihr jemals von den Werten und Normen der alten Khmer gehört?
In Kambodscha war man damals der Meinung, Mädchen bräuchten keine höhere Bildung. Schließlich seien sie später eh nur als Hausfrau tätig. Deshalb müssten sie keine Zeit in der Schule verschwenden, sondern sollten lieber zu Hause bleiben, um zu lernen, eine gute Hausfrau zu werden. Ein altes kambodschanisches Sprichwort besagt passend dazu: „Mädchen sind nie weit weg vom Herd.“
Doch auch heute ist es noch üblich, dass die älteren Töchter als Arbeitskraft im Haus benötigt werden und sich zusätzlich um die jüngeren Geschwister kümmern müssen. Obwohl es in Kambodscha keine Schulgebühren gibt, kosten die benötigten Materialien wie Bücher und Stifte für viele Familien immer noch ein Vermögen. Aus diesem Grund bevorzugen sie es, nur dem Sohn und nicht allen Kindern eine Ausbildung zu finanzieren. Ein gutes Beispiel dafür ist meine eigene Familie. Ich habe fünf Geschwister, davon drei Schwestern. Ich bin der einzige, der studieren kann. Meine älteste Schwester finanziert mich. Sie brach die Lehre ab, um Geld zu verdienen und die Familie zu unterstützen, so auch mich.
Viele Frauen trugen damals eine doppelte Bürde. Zum einen hatten sie die Verantwortung für den Haushalt und darüber hinaus mussten sie Geld verdienen, um ihre Familie zu ernähren. Die meisten von ihnen begannen bereits in der Morgendämmerung mit der Hausarbeit, machten Essen und wuschen Kleidung. Danach arbeiteten sie bis zum Sonnenuntergang auf dem Reisfeld.
Mehrheit – Minderheit
Die Mehrheit der Arbeiter in der Textilindustrie sind Frauen. Die meisten von ihnen kommen vom Land, wo sie keine oder nur schwer Arbeit finden. Also ziehen sie zur Arbeitssuche in die Hauptstadt Phnom Penh. Das Durchschnittseinkommen eines Textilarbeiters liegt zwischen 50 und 80 Doller im Monat. Aber in der Stadt sind wiederum die Lebenshaltungskosten für die Frauen höher. Bisher sind die Diskussionen um Gehaltserhöhungen noch ergebnislos.
Ich sage nicht, dass die Arbeit in der Fabrik schlecht ist, aber ich denke, dass die Arbeitspositionen ungleich verteilt sind. Frauen sollten die Möglichkeit bekommen, auch in höheren Positionen zu arbeiten und somit mehr Geld zu verdienen.
Frauen stellen nicht nur die Mehrheit der Textilarbeiter, sie spielen auch eine große Rolle bei den Migranten. Viele verlassen Kambodscha, um in anderen Ländern Arbeit zu finden, zum Beispiel als Hausmädchen. In einigen Fällen werden sie ausgenutzt und letztendlich zur Prostitution gezwungen. So schrieb die Zeitung Phnom Penh Post: „Letzten Monat stießen Beamte bei einer Razzia in einer so genannten Arbeitsvermittlungsfirma auf 323 Mädchen und Frauen, die dort unter schrecklichen Bedingungen hausten.“
Die Barriere durchbrechen
Die Situation scheint sich jedoch zu verändern. Die meisten Eltern verstehen nun, wie wichtig Bildung ist und schicken auch ihre Töchter zur Schule. Immer mehr Frauen versuchen mittlerweile, die Barriere zu durchbrechen, schreiben sich in den Universitäten ein und Arbeiten sogar als Regierungsbeamte. Frauen sind stark und verändern somit ihre Welt.

Wie ihr sehen könnt, bin ich der einzige Mann - die Mehrheit meiner Kollegen sind Frauen. (Foto: Chandara Tith)
Meine derzeitige Arbeit im CARE Büro ist dafür ein gutes Beispiel. Im Büro der Pressestelle sind wir zu viert. Ich bin der einzige Mann. Da kommt es schon mal vor, dass ich mich ein wenig isoliert fühle.
Die Kluft zwischen den arbeitenden Frauen in Kambodscha und Deutschland ist, wie ihr seht, groß. Kambodschanische Männer haben immer noch das traditionelle Bild im Kopf – die Frau bleibt zu Hause und der Mann geht arbeiten und verdient Geld. Immer noch erhalten die Frauen weniger Bildung und arbeiten daher in niedrigeren Positionen.
Diese Situation muss sich ändern. Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Sie sind die Kraft der sozialen Bewegung. Ein weiteres Sprichwort besagt: „Kein Wasser, kein Fisch“, das kann man auch mit „Keine Frauen, keine Männer“ übersetzen.
CARE versucht die Lebensbedingungen der Frauen zu verbessern und verhilft ihnen zu mehr Unabhängigkeit und Stärke. „I am powerful“ soll ein Instrument sein, um Geschlechterungleichheiten und Diskriminierung zu durchbrechen. Hierzu kann man sich auch das sehr interessante Video “Ich bin eine Roma – Ich bin eine Europäerin – Ich bin eine Frau” ansehen, das auf dem Balkan gedreht wurde.
Was denkst du über die Zukunft der Frauen? Fühlst du dich stark als Frau?
Tags: Frauen, Frauenrechte, Kambodscha, Kambodschanisches Tagebuch


16. Oktober 2010 at 10:48
Mal wieder absolut toll, dieser Beitrag von euch
Aber ist man ja gewohnt