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Friedliche Begegnung, stille Religion

Von Thomas Schwarz

Kurz vor sieben Uhr abends in Islamabad. Jinnah Market. Im Zentrum der pakistanischen Hauptstadt.

Thomas Schwarz ist seit Anfang August in Pakistan unterwegs (Foto: CARE)

Die Krähen veranstalten einen Lärm, dass man nicht mal mehr die wenigen Autos hört, die sich in die Parkbuchten zwängen. Eine erstaunlich ruhige Atmosphäre hier. Sonst wimmelt es nur so von Menschen, Stimmen, Autos und laut knatternden Motorrädern. Vom Gehupe gar nicht zu reden. Aber jetzt ist auf einmal alles anders.

Ich bin mit meinem pakistanischen Freund Riaz hier. Es ist warm, nicht wirklich heiß, Luftfeuchtigkeit gibt’s gratis. Ohne uns zu bewegen, schwitzen wir. Wir sprechen leise. Das tun auch die etwa hundert Männer schräg vor uns. Sie sitzen sich gegenüber, auf einem Bastteppich. Vor ihnen kleine Plastikkanister mit Wasser, davor Plastikbecher und Obstsalat. Der ist lecker, es ist eine Art würziger, flüssiger Quark darauf. Und Gewürze, die nicht allzu scharf sind. Das gibt einen mir bisher unbekannten, interessanten Geschmack. Die Männer sind leise. Wenige sprechen. Manche schauen in den Himmel, an dem der Halbmond leuchtet, der kurz vor der Dämmerung etwas Licht spendet, bevor die Laternen angehen. Andere scheinen versunken zu meditieren. Es sind Männer unterschiedlichen Alters. Sie tragen Jeans und Poloshirt, modische Kleidung mit irgendwelchen Logos darauf und Sprüchen – oder einen Shalwar Kamiz, die traditionelle Kleidung. Generationen, Lebensstile unterschiedlichster Art scheinen dort versammelt. Aber alle mit demselben Glauben.

Yasir erklärt mir den Ramadan

Drei Minuten nach sieben Uhr abends in Islamabad. Wie auf ein geheimes Zeichen bewegen sich plötzlich alle, die Männer auf dem Bastteppich, die Gäste des Cafés und Riaz und ich auch. Das stille Gemurmel wird zu Gesprächen. Die Krähen haben keine Chance mehr mit ihrem krächzenden Singsang. Aber geheim ist das alles natürlich nicht. Fast zeitgleich ist der Imam einer Moschee zu hören, von ganz weit her. „Allah ist groß!“ Dreimal. Alle sprechen ein kurzes Gebet. Alle trinken zuerst einen Schluck Wasser. Alle essen. Riaz und ich auch. Wir brechen das Fasten. Das nennt man hier Iftar. Es ist Ramadan in Pakistan.

Der 22jährige Yasir arbeitet im Guesthouse, wo Thomas Schwarz in Islamabad untergebracht ist. (Foto: privat)

Yasir ist 22 Jahre alt und der, der Nacht für Nacht an der Rezeption sitzt und  ansprechbar ist. Er hat mit den Fastenmonat erklärt. „Wer fastet, steht morgens gegen drei Uhr auf und isst, denn tagsüber darf das niemand. Trinken auch nicht.“ Und nicht rauchen, was ich besonders anstrengend finde. Kurz vor vier Uhr spricht man ein Gebet, trinkt einen Schluck Wasser – und fastet. Abends dann, mit dem Sonnenuntergang, begeht man gemeinsam den Iftar. Yasir hat mir aufgeschrieben, was ich machen muss, wenn ich fasten will. Ich bin nicht gerade religiös, aber ich habe mich daran gehalten. Nur einen einzigen Tag habe ich gefastet im Ramadan. Aber ich wollte so den Menschen und der Religion in diesem Land meinen Respekt bezeugen.

Mit Hilfe eines Notizbuches erklärt Yasir den Ramadan (Foto: CARE/Schwarz)

Das Warten wird unerträglich

Während ich den Blog hier schreibe und das Fenster geöffnet habe, gewittert es draußen. Ich bin in Islamabad. Samstag werde ich noch einmal nach Nowshera und Charsadda fahren. CARE und seine Partner haben dort Zelte hingebracht. Jetzt haben wir eine halbe Million Tabletten zum Reinigen von verschmutztem Wasser bestellt. Sie sind bald da. Und Wasseraufbereitungs-Anlagen. Und noch einmal 2000 Zelte. Wir warten, bis sie endlich da sind. Vor allem warten die betroffenen Menschen warten darauf. Es ist unerträglich, dieses Warten. Wir sehen, was gebraucht wird. Ich freue mich, was ich aus Deutschland lese: die privaten Spenden nehmen zu. Dennoch wissen hier alle, dass die Zeit keine Gnade kennt. Und die Menschen nur noch die Hoffnung.

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2 Kommentare to “Friedliche Begegnung, stille Religion”

  1. Ute Friedrich-Lendle Says:

    Hallo Thomas,

    und plötzlich rückt Pakistan näher…
    Am Dienstag haben wir eine Veranstaltung in Mainz. Mainz lebt auf seinen Plätzen … , ich hoffe, dass die Sammeldosen voll werden.
    Liebe Grüße aus Mainz: ” Bet`Dich …!”

    Ute

  2. Hedwig Hörsch Says:

    Hallo Thomas,
    habe am Samstag einen Waffelstand in der Fussgängerzone für die Flutopfer gestartet. Die Spendenbereitschaft war sehr verhalten, viele haben Angst, das mit den Geldern die Alkaida unterstützt wird. Die wenigsten sehen die katastrophalen Zustände für die Bevölkerung, vor allem der Kinder. Es sind aber auch Firmeninhaber darunter, die sehr interessiert zugehört haben! Wer weiß…..
    Gruß hedwig

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