English Version

Frische Farben

Von

Peru ist kein Land, das seinen Weg häufig in die Schlagzeilen findet. In letzter Zeit hat man nicht viel von dem drittgrößten Land Lateinamerikas gehört, außer über seine Bemühungen in der Südamerika-Qualifikation zur Fußball-WM, der 100-Jahr-Feier des Machu Picchus, der Wahl eines neuen Präsidenten oder Morddrohungen gegen Justin Bieber. Dabei hat Peru in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte und ein hohes Wirtschaftswachstum erzielt sowie zahlreiche ausländische Investoren angezogen.

Die teilweise rot, grün und blau gestrichenen Häuser spiegeln die Unterschiede in Peru wieder. (Foto: CARE/Mitscherlich)

Während der über 14 Stunden Flug von Deutschland nach Lima denke ich darüber nach, wie weit diese Seite Perus von den Realitäten vieler Mütter im Land entfernt ist. Vor allem Frauen aus armen Bevölkerungsschichten und indigene Frauen in abgelegenen Regionen sterben, weil es an medizinischer Versorgung während der Schwangerschaft oder Geburt mangelt. Häufig liegen die Krankenhäuser und Gesundheitsstationen weit entfernt und es fehlt an ausreichender medizinischer Ausstattung und an Fachpersonal. Für indigene Frauen sind auch kulturelle Hürden und mangelnde Spanischkenntnisse ein Hindernis, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Erfolge in Ayacucho – noch viel zu tun in Huancavelíca

In den nächsten sieben Tagen werde ich mit meinen Kollegen von CARE Peru viel unterwegs sein. Unter anderem werden wir nach Ayacucho reisen, wo CARE Dorfgemeinden dabei unterstützt, ihr lokales Gesundheitssystem zu verbessern. Ich habe viel über den Erfolg des Projektes in Ayacucho gelesen, darüber, wie durch kostengünstige und einfache Maßnahmen die Müttersterblichkeit in den letzten zehn Jahren um mehr als 50 Prozent gesenkt werden konnte. Darüber, wie die Ausstattung örtlicher Gesundheitsposten mit Krankenwagen und Funkgeräten, die Schulung von Gesundheitspersonal und vor allem die Einbindung der Gemeinden durch die Ausbildung indigener, ehrenamtlicher Geburtshelferinnen vielen Frauen das Leben gerettet haben und die Müttersterblichkeit in der Region mittlerweile unter den nationalen Durchschnitt gesenkt haben.

Johanna Mitscherlich ist gerade unterwegs in Peru und besucht Projekte im Kampf gegen Müttersterblichkeit. (Foto: CARE)

Aber wir werden auch nach Huancavelíca reisen, wo die Müttersterblichkeit immer noch sehr hoch ist und wo CARE deswegen seit einiger Zeit ein ähnliches Projekt durchführt. Hier bedeutet, wie für viele Frauen in anderen ländlichen Gebieten des Landes, die Schwangerschaft oder Geburt häufig immer noch ein Todesurteil. In Deutschland engagiert sich CARE seit April mit der Jahreskampagne „Lebensband“ dafür, dass die Verwirklichung des fünften Millenniumsentwicklungsziels –  die Senkung der Müttersterblichkeit – auch eingehalten wird. Auch CARE hat sich ein eigenes, ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2015 weltweit 30 Millionen Frauen eine sichere Geburt oder Schwangerschaft zu ermöglichen. Ich bin gespannt zu sehen, wie CARE dieses Ziel in Peru realisiert.

Ein frischer Anstrich – aber nur von vorne

Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt finden sich die vielen Gegensätze des ganzen Landes auch in der Hauptstadt wieder. Straßenkinder halten Uhren, Sonnenbrillen, Staubwedel und andere Haushaltsgegenstände an die Fenster der Autos, die im Feierabendverkehr auf die Weiterfahrt warten, während sich am Horizont große Hotelbauten, blinkende Casinos und Shoppingmalls erstrecken. Am Rande der Straßen säumen Hochhäuser aus Beton die Landschaft. Mit ihren kleinen, gleichmäßig geschnittenen, in einer Linie angeordneten Fenstern sehen sie aus wie kleine, mahnend in die Luft erhobene Zeigefinger. Der GINI-Koeffizient, der ungleiche Einkommensverteilung in Ländern misst, lag in Peru bei der letzten Messung bei über 54 Prozent. Damit rangiert Peru auf Platz 15 von insgesamt 177 untersuchten Ländern. Mir kommt in den Sinn, wie sehr selbst die teilweise grün, rot oder blau gestrichenen Häuser die Gegensätze dieses Landes widerspiegeln, in dem trotz hohem Wirtschaftswachstum fast jeder zweite unterhalb der Armutsgrenze, und fast jeder vierte in absoluter Armut lebt und vor allem die Menschen auf dem Land unter Unterernährung und Krankheiten leiden. Denn auch die Häuser sind, wie zum Schein, nur von vorne bemalt.

Tags: , , , ,

Kommentar schreiben