Fünf Tage Politik pur

„Partizipation“ – ein oft benutztes Wort. Es bedeutet zuerst einmal Mitbestimmung, Teilhabe. Hinter diesem Wort steckt aber noch mehr. Denn Teilhabe und Mitbestimmung kann viel verändern in unserer Gesellschaft, kann Probleme lösen, kann Verbesserungen schaffen. Es gibt viele Menschen, die sich an der Gestaltung unserer Gesellschaft beteiligen, sei es im Beruf oder mit ehrenamtlichem Engagement. Einige dieser Menschen sind solche, die ein Freiwilliges Jahr im Politischen Leben oder auch Bundesfreiwilligendienst absolvieren, so wie ich bei CARE. Zusammen mit rund 20 weiteren Freiwilligen hatte ich vor zwei Wochen das erste der insgesamt fünf Seminare, die unser Träger ijgd (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) im Laufe des Freiwilligen Jahres organisiert. In diesen können wir uns mit anderen Freiwilligen austauschen und erhalten viele andere Eindrücke und Denkanstöße.

Auch im ehemaligen Bundesrat waren wir und hörten vier spannende Reden, gehalten von Teilnehmern unserer Gruppe. (Foto: Dominik Franzen/Alina Wiese)

Auch im ehemaligen Bundesrat waren wir und hörten vier spannende Reden, gehalten von Teilnehmern unserer Gruppe. (Foto: Dominik Franzen/Alina Wiese)


Es fand in einem Tagungshaus in Königswinter statt, in dem zu der Zeit nur unsere Gruppe untergebracht war. Wir alle sind politisch interessierte Freiwillige und arbeiten bei Organisationen wie der Welthungerhilfe, der Landtagsfraktion der SPD in NRW oder auch beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Einsatzbereiche der Einsatzstellen sind breit gefächert. Von CARE war außerdem auch Ayleen Vohl, die zweite Bundesfreiwillige hier im Haus, auf dem Seminar.

Gesetze müssen auf alle Menschen eingehen

Das Seminar sollte uns einen tieferen Einblick in die deutsche Demokratie geben, über Möglichkeiten und Chancen der Partizipation. Dies hat es dank des umfangreichen Programms auch geschafft. Außerdem haben wir unsere Rechte und Pflichten während des Freiwilligen Jahres besprochen und dazu ein Quiz durchgeführt. Besonders interessant war das Planspiel „Gesellschaft anders Leben“, das wir durchführten: Wir besprachen Details der deutschen Demokratie, wurden dann in Gruppen eingeteilt und erhielten mehrere Gesetzesentwürfe zu verschiedenen Themen. Diese wurden dann in der Gruppe diskutiert – einige wurden einhellig abgelehnt, andere erzeugten angeregte Diskussionen, die alle zu einer von allen akzeptierten Lösung führten. Im Anschluss daran erhielten wir Rollenkarten und mussten uns etwa in die Rolle eines arbeitslosen Ingenieurs oder auch eines erfolgreichen Geschäftsmannes versetzen und dann überlegen, was die beschlossenen Gesetzesentwürfe für uns bedeuten würden. Das gab uns einen Einblick in den schwierigen Prozess der Gesetzesfindung, bei der alle Menschen mit einbezogen und ihre Interessen berücksichtigt werden müssen.

Starke Meinungen und konstruktive Diskussionen

An einem anderen Tag wurden wir von ehemaligen Freiwilligen durch das Regierungsviertel in Bonn geführt und besuchten anschließend den alten Bundesrat. Dort erfuhren wir nicht nur geschichtliche Hintergründe – spannender Abschluss des Besuches waren vier Reden, die von Mitgliedern unserer Gruppe im Bundesrat gehalten wurden. Jeweils zwei Personen wurden für die Pro- und Contra-Seite ausgewählt und hielten ihre Reden zum Thema Kommunalwahlrecht für Ausländer an demselben Rednerpult, an dem bis zum Jahr 2000 noch bedeutende Politiker sprachen. Besonders positiv überrascht war ich auf dem Seminar vom politischen Interesse der Teilnehmer, denn täglich wurde bis in die frühen Morgenstunden diskutiert. Selten habe ich so viele starke Meinungen und Argumente, so viele spannende und konstruktive Diskussionen auf einmal erlebt.
Am Ende der Woche habe ich mich zwar wieder auf mein eigenes Bett gefreut – aber auch bereits auf das nächste Seminar, auf die nächsten Diskussionen in der Gruppe, auf Erfahrungsaustausch und die Erweiterung meines persönlichen Horizontes. Danke dafür an die Gruppenteilnehmer – doch auch den Leitern gilt mein Dank: Der Bildungsreferent des ijgd Dominik Franzen und die ehrenamtlich arbeitende Alina Wiese haben uns eine herausragende und lehrreiche Woche ermöglicht!

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