Haiti – auf dem Weg in eine bessere Zukunft

Von Hugh Earp, CARE-Mitarbeiter im Team für Notunterkünfte

Haiti im Januar 2010, zehn Tage nach dem Erdbeben, war ein Land im Schockzustand. Die Menschen suchten mit bloßen Händen in den Trümmern nach Überlebenden – eine gefährliche Arbeit, da viele der Betonhäuser noch Wochen nach der Katastrophe durch Nachbeben oder durch die Bergungsversuche zusammen fielen.Der Wiederaufbau in den zwei Jahren nach dem Erdbeben wurde durch andere Krisen erschwert: einem gewaltigen Sturm, politischen Unruhen wegen der umstrittenen Wahlergebnisse und dem Ausbruch der Cholera. Jede dieser Katastrophen brachte Haiti wieder einen Schritt zurück, und verzögerte den Fortschritt des Wiederaufbaus.

Auch die Zerstörung des Flughafens, des Hafens und der Straßen in Port-au-Prince bedeutete eine gewaltige Herausforderung, um Hilfe zu leisten. Hinzu kam, dass dieses Erdbeben keine Ausnahme war und in Léogâne, nahe dem Epizentrum, 80 Prozent der Gebäude zerstört wurden.

Aber auch Fortschritte wurden gemacht: In einem engen überfüllten Stadtteil von Carrefour im Westen von Port-au-Prince war der kleine örtliche Marktplatz überfüllt mit Zelten, Bettwäsche und jeglicher Form von Abdeckungen. CARE stellte der Gemeinde 350 Übergangshäuser zur Verfügung. Diese Unterkünfte in Carrefour sind nur einige der insgesamt 2.500, die CARE seit Januar 2010 gebaut hat. Über 13.400 Menschen fanden darin eine Obdach, zudem hat CARE auch an 20.000 Familien Werkzeug und Baumaterial verteilt. So unterstützte CARE die Bewohner bei der Reparatur ihrer Häuser und stellte Wasser, Hygieneartikel und Nahrung bereit, außerdem organisierten die Teams Gesundheitsdienste und Bildungsunterstützung.

In Carrefour hat CARE Übergangshäuser gebaut, um den Menschen ein Obdach zu geben. (Foto: CARE/Cameron)

Leben kehrt zur Normalität zurück

Heute, nach zwei Jahren, ist der Fortschritt in Port-au-Prince sichtbar: Viele Lager sind geräumt und die Menschen sind in ihre Häuser zurückgekehrt. Jedoch sind noch viele Menschen arbeitslos und leben weiterhin in Notunterkünften, was durch die anhaltende Verstädterung noch verstärkt wird. Die Glücklichen, die eine Arbeit gefunden haben, verdienen weniger als einen Euro am Tag – so viel kostet ein Teller Essen. Angesichts solch chronischer Armut und hoher Arbeitslosigkeit, zusammen mit der Knappheit von verfügbarem Lebensraum in der Hauptstadt, werden geschätzte 300.000 Menschen dort noch für eine lange Zeit in den Lagern leben müssen.

Hilfsorganisationen wie CARE arbeiten daran, die Wohnmöglichkeiten in Port-au-Prince zu verbessern, aber es ist nicht einfach. Ich habe Fälle gesehen, bei denen drei verschiedene Personen rechtmäßigen Anspruch auf das gleiche Stück Land hatten. Und diese Situationen sind nicht selten. Aber wo es möglich ist, helfen wir durch Unterstützung und Training, den Haitianern das Land wieder zurück zu geben, das sie vor dem Erdbeben besaßen.

Fortschritte wurden gemacht. Aber Wiederaufbau ist niemals eine schnelle Sache. CARE und andere Organisationen haben beschlossen, vorerst für weitere drei Jahre in Haiti zu helfen. Kurz nach dem Erdbeben erstellte CARE einen Fünfjahresplan. Es ist keine leichte Aufgabe und es wird auch weiterhin keine sein. Aber es ist eine Aufgabe, vor der wir nicht davonrennen können. Das schulden wir nicht nur unseren über 370 CARE-Mitarbeitern, die überwiegend selbst Haitianer sind. Sondern auch jedem einzelnen Bewohner dieses Landes, der mit Unterstützung von CARE und anderen Hilfsorganisationen einen kleinen Schritt Richtung Zukunft machen kann.

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