Harakiri in Cancún

Cancún, 1. Dezember 2010

Eines der Themen des Dienstags, über das in der NGO-Welt debattiert wurde, war Japans Blockade. Der asiatische Inselstaat verkündete, eine zweite Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll abzulehnen; das heißt, er will sich nicht zu Emissionsreduzierungen nach 2012 verpflichten. Und ohne diese Verpflichtungen gibt es keinen verbindlichen Fahrplan, wie die globale Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden kann.

Das CARE-Team trifft sich jeden Tag, um den Verlauf der Klimakonferenz zu besprechen. (Foto: CARE/Plush)

„Das Kyoto-Protokoll ist das einzig verbindliche Abkommen, was es derzeit zur Reduzierung der Treibhausgase gibt“, sagt mein dänischer Kollege Poul Erik Lauridsen. „Die Gefahr ist jetzt, dass andere Länder Japan folgen und vor ihren Verpflichtungen davon rennen. Und dann fließen all unsere Bemühungen die mexikanische Küste runter.“

Es scheint, als vergäße Japan die historische Errungenschaft von 1997, als sich in Kyoto die Staaten auf das gleichnamige Protokoll einigten. Oder spielt Japan nur auf Zeit? Diese Fragen wurden beim morgendlichen Info-Treffen der Tcktcktck-Kampagne, bei der auch CARE Mitglied ist, diskutiert – genauso wie die Strategie, wie man nun als NGO darauf reagieren sollte. Großen Aufruhr starten oder erstmal abwarten? Und was sagen eigentlich die Kollegen in Japan dazu? Da aufgrund der zwölfstündigen Zeitverschiebung von CARE Japan so schnell keine Antwort zu erwarten ist, bleibt erstmal nur die zweite Alternative übrig.

Dennoch kam Japan mit dieser Harakiri-Aktion nicht unkommentiert davon. Für seinen unkonstruktiven Auftakt in Cancún erhielt das Land am Dienstagabend das „Fossil des Tages“. Dieser Oscar für Klimasünder wird während der Klimakonferenzen jeden Abend vom internationalen NGO-Bündnis „Climate Action Network“ (CAN) vergeben. Auch hier ist CARE dabei. Die Zeremonie ist jedes Jahr die gleiche: Um sechs Uhr abends wird am CAN-Stand der rote Teppich ausgerollt, die Fossil-des-Tages-Hymne geschmettert und unter den Augen der Öffentlichkeit der Gewinner verkündet.

Allerdings ist die Öffentlichkeit in Cancún bei der Fossil-Verleihung nur spärlich vertreten. Denn während die offiziellen Regierungsvertreter im Moon Palace verhandeln, wurden die zahlreichen Organisationen der Zivilgesellschaft in die Cancúnmesse verbannt – die neun Kilometer entfernt liegt. Zwar fahren regelmäßig Shuttlebusse zwischen den beiden Konferenzzentren, doch haben nur die wenigsten Journalisten und Konferenzbeobachter Zeit, von den Aktionen der Klima- und Hilfsorganisationen zu berichten. Das Fazit: Die Positionen und Stimmen der Zivilgesellschaft, vor allem derer aus den Entwicklungsländern, bleiben im täglichen Pendelverkehr auf der Strecke.

Dabei war erst jüngst im Oktober Japan wieder Schauplatz eines erfolgreichen Abkommens: Auf der UN-Biodiversitätskonferenz in Nagoya hat sich gezeigt, dass unter dem Schirm der UN durchaus komplexe Abkommen möglich sind. Man muss es nur wollen. Doch anstatt das gleiche Engagement hier in Cancún zu zeigen, ist nun Japan einige beschämende Schritte zurück getrippelt.

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