Hass baut Mauern. Wir reißen sie ein.

Eine Wand auf dem Berliner Gendarmenmarkt, 10 Meter lang, und fast drei Meter hoch. Auf ihr stehen Dinge, die man selbst nie schreiben, laut sagen, geschweige denn denken würde. Hässliche Worte für Menschen, die aus einem anderen Land kommen. Ablehnende Parolen, Vorurteile, sogar Aufrufe zur Gewalt.

Eine 10 Meter lange Mauer aus Hassposts auf dem Gendarmenmarkt.

Eine zehn Meter lange Mauer aus Hassposts auf dem Gendarmenmarkt. (Foto: CARE/Björn-Arne Eisermann)

Was hat das mit CARE zu tun, der Hilfsorganisation, für die ich seit inzwischen acht Jahren arbeite? Wir haben uns entschieden, im Monat der Bundestagswahl ein Zeichen gegen den Hass zu setzen. Und so viele Menschen wie möglich damit zu erreichen, die mitmachen. Und die klar sagen: Wir stehen nicht für diese Parolen, wir stehen für Mitmenschlichkeit. Als international tätige Hilfsorganisation arbeitet CARE tagtäglich daran, Menschen in Not zu helfen, unabhängig von ihrer Religion, Hautfarbe oder Herkunft. Uns kann und darf der Hass nicht egal sein.

Deshalb fanden sich am 5. September 2017 Personen des öffentlichen Lebens, Politiker, Künstler, aber auch Schulklassen und viele weitere Menschen am Gendarmenmarkt ein. Gemeinsam rissen wir die Mauer des Hasses ein. Das war der Startschuss für die Kampagne #CAREdonthate, bei der jeder mitmachen kann. Denn auch im Netz kann man die Mauer des Hasses einreißen: Mit einem Video von sich selbst, das hochgeladen wird und die Mauer zum Einsturz bringt. Auf unterschiedlichste Art, mit der Abrissbirne wie es der Berliner Schauspieler Steffen Groth macht. Oder mit einem Herz, das Susan Sideropoulos aus ihren Händen formt.

Die Bundestagsabgeordneten Petra Pau (Die Linke) und Dr. Norbert Röttgen (CDU) helfen beim Einreißen der Mauer.

Die Bundestagsabgeordneten Petra Pau (Die Linke), Dr. Norbert Röttgen (CDU) und die Abgeordnete im Berliner Senat und Landesvorsitzende der Partei Die Linke, Katina Schubert, helfen beim Einreißen der Mauer. (Foto: CARE/Björn-Arne Eisermann)

Ich habe für CARE schon in vielen Ländern mit geflohenen Menschen gesprochen, die mir von ihren Wünschen berichteten. Dabei hörte ich nie, wirklich nie Sätze wie „Ich hätte gerne deutsche Sozialhilfe“ oder „Ich will nach Deutschland, da bekomme ich ein Auto und kann auf der faulen Haut liegen.“ Die Männer, Frauen und Kinder, die ich traf –  ob in Serbien, im Niger oder in der Region um Syrien – sie hatten alle eins gemeinsam: Sie wollten nach Hause. So schnell und sicher wie möglich. Und sie wollten Nahrung, Medizin und Bildung für ihre Kinder. Aber was macht man, wenn zu Hause die Bomben fallen, das Wohnviertel eingekesselt wird, das Trinkwasser verseucht ist? Wenn das eigene Leben und das seiner Kinder, seiner Familie bedroht ist? Man flieht. Und sucht Sicherheit. Genau diese verzweifelte Suche nach Sicherheit hat die Regisseurin Chiara Grabmayr in dem #CAREdonthate-Kampagnenspot „Die Mauer“ sehr eindringlich umgesetzt. Der Film endet mit einem klaren Appell: Lasst uns gemeinsam Mauern des Hasses einreißen.

Die Mauer auf dem Gendarmenmarkt ist zerstört.

Die Mauer des Hasses ist zerstört. (Foto: CARE/Björn-Arne Eisermann)

Der demokratische Wettbewerb politischer Ideen und die politische Diskussion sind das höchste Gut, das wir haben. Als Bürgerin dieses Landes bin ich sehr froh, dass ich am 24. September frei, sicher und individuell entscheiden darf, wer meine Interessen im Bundestag für die nächsten vier Jahre vertritt. Als Hilfsorganisation ist CARE zwar unparteiisch, aber nicht gleichgültig. Hass und Hetze gehen uns alle an, denn sie greifen das an, was uns als Gesellschaft zusammenhält: Die Mitmenschlichkeit, Offenheit und das Verständnis für Schwächere.

Vor über 70 Jahren verschickten amerikanische Bürger für 10 Dollar sogenannte CARE-Pakete ins Nachkriegsdeutschland. Sie wollten helfen, auch den ehemaligen Feinden. In Berlin versorgte CARE den Westsektor der Stadt während der Luftbrücke mit überlebenswichtigen Nahrungsmitteln. Die Hilfe der amerikanischen Bevölkerung baute eine Brücke der Menschlichkeit, die bis heute anhält. Wir verteilen heute keine CARE-Pakete mehr im klassischen Sinne. Aber dort, wo Menschen vertrieben wurden und in Not sind, ist CARE vor Ort. In über 90 Ländern, im Zeichen der Menschlichkeit. Und in Deutschland, wo wir geflohenen Jugendlichen bei der Integration in den Schulalltag helfen. Niemand flieht freiwillig aus seiner Heimat ins Ungewisse. Niemand von uns, egal, wo er oder sie herkommt, sollte Hass erleben müssen. Wir wollen ein Zeichen setzen: Care. Don’t hate.

Unterstützen Sie unsere Kampagne mit einem eigenen Video: www.caredonthate.de

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