„Ich konzentriere mich aufs Überleben“ II

Rami, 17, aus Syrien, ist auf der Flucht nach Deutschland. In Serbien berichtete er CARE-Helferin Ninja Taprogge von seiner Flucht, dem Krieg in seiner Heimat und seinen Hoffnungen.

In Subotica, im Norden von Serbien, bin ich erst heute angekommen. Ich weiß noch nicht wann und wie es weiter geht. Ich wünsche mir nichts mehr als endlich in Deutschland in Sicherheit zu leben. Wenn ich das geschafft habe, will ich meine Eltern zu mir holen. Doch jetzt muss ich mich erst mal darauf konzentrieren Ungarn zu erreichen. Dabei bin ich auf Hilfe angewiesen und über Unterstützung von Hilfsorganisationen wie CARE sehr dankbar. Über mein Handy versuche ich Informationen darüber zu bekommen wie die Lage an der Grenze aussieht. Freunde, die es nach Europa geschafft haben, behalten die Medien im Blick und schreiben mir Nachrichten, die für meine Weiterreise wertvolle Informationen enthalten. Doch gerade weiß ich nicht wie und ob ich es über die serbisch-ungarische Grenze schaffen kann. Ich habe mein Handy ausgeschaltet, weil ich sparsam mit dem Akku umgehen muss. In einem Hotel in Belgrad konnte ich ihn das letzte Mal vollständig aufladen und habe viel dafür bezahlt. Umgerechnet 100 Euro kostete mich eine Übernachtung, die ich mir ausnahmsweise geleistet habe, weil ich sehr erschöpft war und unbedingt Strom brauchte. Mein Handy ist das Kostbarste von dem Wenigen, das ich noch besitze. Ich darf es nicht verlieren, denn sonst kann ich meiner Mutter keine Textnachrichten mehr schicken und sie will schließlich jeden Tag wissen wo ich gerade bin und wie es mir geht.

Rami mit einer anderen Familie auf dem Weg zur zentralen Bussation in Subotica, einer kleinen Stadt im Norden Serbiens. (Foto:CARE/Ninja Taprogge)

Rami mit einer anderen Familie auf dem Weg zur zentralen Bussation in Subotica, einer kleinen Stadt im Norden Serbiens. (Foto:CARE/Ninja Taprogge)

Fast jeden Tag wache ich in einer anderen Stadt auf. Ich schlafe am Straßenrand, unter Bäumen, auf Feldern und bin oft sehr erschöpft. Mehr als vier Jahre Bürgerkrieg in Syrien haben viele unsichtbare Wunden hinterlassen. Und auch auf meiner Reise habe ich weitere Situationen erlebt, die ich nie vergessen werde. Viele Menschen werden sich fragen, warum ich diese gefährliche Flucht auf mich nehme. Doch für mich wäre es viel gefährlicher in Syrien zu bleiben. Für mich ist die Flucht der einzige Ausweg nicht zum Militär gehen zu müssen. Denn seit in Syrien Krieg herrscht, ist niemand mehr sicher. Ich will Menschen nicht erschießen und Großeltern, Müttern und Vätern noch mehr Leid bereiten. Ich möchte Menschen helfen und das kann ich am besten, wenn ich selbst am Leben bleibe.

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