Indien: Wissen ist was für Mädchen.

„Udaan“ heißt fliegen, damit habe ich meinen letzten Blog beendet. „Udaan“ ist auch der Name des Mädchenbildungsprojektes von CARE im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, das wir heute besuchen.

Das Mädchen die Schule besuchen dürfen ist noch immer nicht Selbstverständlich, obwohl es ein Grundrecht in Indien ist. (Foto: CARE/ Wilke)

Seit 2009 ist Bildung in Indien ein Grundrecht. Das Mädchen die Schule besuchen dürfen ist aber noch immer nicht selbstverständlich. (Foto: CARE/ Wilke)

Seit 2009 gibt es in Indien ein Grundrecht auf Bildung für alle Kinder von 6 bis 14 Jahren. Das sind zuerst einmal gute Nachrichten. Aber dieses Recht müssen die Eltern auch einfordern, und das ist gerade in ärmeren Gemeinden besonders für Mädchen keine Selbstverständlichkeit. Indien ist bis heute geprägt von einem starken Kastensystem, in dem gerade für Frauen und Mädchen der so genannten „unteren“ Kasten wenige Chancen bestehen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Gerade hier setzt „Udaan“ an: CARE unterstützt Internate, die sich vor allem an Mädchen aus armen Verhältnissen richten. Sie hätten ansonsten kaum eine Chance, in die Schule zu gehen. Damit das System funktioniert, haben sich die Internate eine Regel gegeben: Ein Viertel der Schulmädchen sollte aus Familien kommen, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen. Dreiviertel von ihnen aus einer niedrigen Kaste. Es ist oft schwierig, Eltern davon zu überzeugen, ihre Mädchen gehen zu lassen. Denn nicht selten werden sie für die Feldarbeit zu Hause und für die Versorgung jüngerer Geschwister gebraucht. „Aber die Eltern sehen den Nutzen, wenn ihre Mädchen in den Ferien zurückkommen und gesund sind. Die erste Udaan-Absolventin ist heute selbst Lehrerin“, berichtet unser Kollege Amit, der das Programm betreut.

Lust auf Lernen

Es gibt regelmäßige Gesundheitschecks von Ärztinnen, einen Nachtwächter für die Sicherheit und eine Lehrerin ist mindestens immer rund um die Uhr vor Ort. Denn auch die Freude am Lernen, die hier jedem Mädchen im Gesicht geschrieben steht, schützt natürlich nicht immer vor Heimweh. Ich spreche mit zwei Schülerinnen, der 13jährigen Madhumita und der 11jährigen Suniti. Was gefällt ihnen besonders gut hier an der Schule? „Alles.  Außer, wenn ich morgens verschlafe.“ Ich denke an gleichaltrige Kinder in Deutschland und wie oft bei uns gemeckert wird über Lehrer, den Unterricht und alles Mögliche. Hier sitze ich vor zwei jungen Damen, deren Augen vor lauter Wissbegier glänzen und die es gar nicht abwarten können, wieder zurück in ihren Klassenraum zu können. Diese Parallelen sind immer etwas moralistisch und ungerecht, ich weiß. Aber manchmal kann man solche Gedanken nicht ausblenden, wenn man auf der anderen Seite des Globus unterwegs ist, die großen Anstrengungen der Menschen in den CARE-Projekten sieht und wieder einmal feststellt, was für ein Glück es ist, in Europa zu leben.

Eine Teenager-Clique mit Köpfchen

13jährigen Madhumita und der 11jährigen Suniti steht die Freude in die Schule gehen zu dürfen ins Gesicht geschrieben. (Foto: CARE/ Wilke)

Der 13jährigen Madhumita und der 11jährigen Suniti sieht man an, dass sie gerne zur Schule gehen. (Foto: CARE/ Wilke)

Eine halbe Stunde mit dem Auto und wir kommen an einer weiteren Schule an, es ist inzwischen Nachmittag und der Unterricht beendet. Trotzdem findet sich eine lebhafte Gruppe junger Mädchen in einem der Klassenräume, die uns selbstbewusst begrüßen. Wir sind zu Gast bei einer Jugendgruppe, die sich selbst den Namen „Freiheit“ gegeben hat. Neben Schulen unterstützt CARE auch solche Initiativen, in denen sich Mädchen austauschen, unterstützen und ihre Stimme erheben.

Bei solchen Besuchen hören wir eigentlich meistens Fragen zu unserer Lebenssituation, ob wir verheiratet sind und Kinder haben. Familie ist eben etwas, das alle Menschen auf der Welt verbindet. Die Mädchen der Gruppe aber überraschen uns und fragen geradeheraus: „Warum habt Ihr Euch entschieden, für CARE zu arbeiten?“ Eine völlig angemessene Frage, und es ist spannend zu sehen, wie wir alle der Reihe nach unsere Antworten geben. Überhaupt sind unsere Projektbesuche hier in Indien sehr kommunikativ. Ich finde es schön, nicht immer nur selbst die Fragen zu stellen, sondern eine richtige Unterhaltung zu führen. Einige Mädchen zücken auch ihre Handys und fotografieren uns. Besuch aus dem Ausland ist schließlich nicht aller Tage hier.  Und auch nicht aller Tage ist die Bitte der Mädchen an uns, bei einigen Spielen mitzumachen. Klar, warum nicht? Und so müssen die erwachsenen CARE-Leute aus Norwegen, Frankreich, Kenia und Deutschland nacheinander Katze spielen, um die Mädchen zum Lachen zu bringen. Und tanzen. Und in die Hände klatschen und Grimassen schneiden. Wie gesagt: Ein Projektbesuch in Indien ist eine sehr kommunikative Sache. Auf dem Rückweg tragen wir alle ein breites Grinsen auf unseren Gesichtern. Das beantwortet dann auch die Frage, warum wir für CARE arbeiten.

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