Integration in Deutschland: „Bildung ist der Schlüssel“

Interview mit Dr. Kristina Hasenpflug, Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung

Dr. Kristina Hasenpflug im Gespräch im Gespräch mit Thomas Knoll, KIWI-Projektleiter (Andrea Diefenbach © Deutsche Bank Stiftung)

Dr. Kristina Hasenpflug im Gespräch im Gespräch mit Thomas Knoll, KIWI-Projektleiter. (Andrea Diefenbach © Deutsche Bank Stiftung)

Seit Juli 2016 ist Dr. Kristina Hasenpflug Geschäftsführerin der Deutsche Bank Stiftung. Nach dem Abitur studierte sie Literaturwissenschaft, Politik und Geschichte. Mittlerweile ist Frau Dr. Hasenpflug bereits seit über 16 Jahren in der Stiftungsarbeit in Deutschland aktiv, insbesondere in den Bereichen Kultur und Bildung.

CARE: Frau Dr. Hasenpflug, was macht die Deutsche Bank Stiftung? Was sind ihre Ziele und Visionen?

Frau Dr. Hasenpflug: Die Deutsche Bank Stiftung zielt mit ihren Aktivitäten auf die zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Sie unterstützt Menschen, über sich hinaus zu wachsen und aus ihren Talenten Fähigkeiten zu entwickeln – um so aus Chancen Erfolge werden zu lassen. Mit ihrem Engagement in den Förderbereichen Kultur, Bildung und Soziales setzt die Deutsche Bank Stiftung nachhaltige Impulse für die Gesellschaft und stärkt damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Aktivitäten der Stiftung sind primär auf Deutschland ausgerichtet. Bei Katastrophen dürfen wir im Ausnahmefall auch weltweit tätig werden. So unterstützen wir gemeinsam mit dem Roten Kreuz hungernde Menschen in Ostafrika.

Die Hälfte unseres Engagements konzentriert sich auf Sozial- und Bildungsprojekte. Seit Jahren unterstützen wir etwa gemeinsam mit der Hertie Stiftung, der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und der Bundesagentur für Arbeit den Wettbewerb „Starke Schule – Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“. Der Wettbewerb zeichnet erfolgreiche Konzepte auf Landes- und Bundesebene aus und unterstützt die Siegerschulen bei der Qualifizierung ihrer Schüler für die Ausbildungsreife. Im kulturellen Bereich ermutigt die Deutsche Bank Stiftung den künstlerischen Nachwuchs neue Wege auszuprobieren und seine professionellen Fähigkeiten weiter auszubauen. Sie trägt zur Bewahrung einer vielfältigen Kulturlandschaft bei und macht sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. In vielen unserer Projekte sind die Grenzen zwischen Bildung, Sozialem und Kultur aber auch fließend, wie etwa beim CARE-Integrationsprojekt KIWI – dieses Projekt ist aus meiner Sicht sowohl ein Bildungs- als auch ein Sozialprojekt.

Warum legt die Deutsche Bank Stiftung den Fokus auf Bildung?

Bildung ist ein wichtiger Schlüssel. Bildung ist für eine Gesellschaft wichtig, um funktionieren zu können, um eine Wertegemeinschaft herzustellen und sich weiterzuentwickeln. Bildung ist unerlässlich, um eine Gesellschaft prosperieren zu lassen. Außerdem ist Bildung ein Werkzeug, das Individuen in die Lage versetzt, Grenzen zu überwinden, Potenziale auszuleben und neue Wege auszuprobieren. Bildung kommt dem Einzelnen genauso zu Gute wie der Gemeinschaft und ist eine der wichtigsten gesellschaftlichen Investitionen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft das Zehnfache dessen zurückbekommt, was sie zuvor in Bildung investierte.

Die Deutsche Bank Stiftung investiert 230.000 Euro in das KIWI-Projekt. Was überzeugt Sie an KIWI und an CARE?

Für uns war wichtig, dass CARE ein eingetragener Verein ist, der schon lange existiert. Und uns hat das Konzept der Young Men Initiative überzeugt, mit dem CARE langjährige Erfahrung auf dem Balkan hat. Dort werden junge Männer mit großem Erfolg etwa in Gewaltprävention geschult. Zusätzlich gab es von CARE auch langjährige Kontakte in deutsche Schulen, in staatliche Schulämter und Institutionen. Das hat uns gezeigt, dass das Ziel, geflüchtete Kinder und Jugendliche bundesweit zu erreichen, nicht zu hoch gesteckt ist. Das KIWI-Projekt machte gleich von Beginn an einen professionellen Eindruck, auf den wir aufbauen wollten. Zu guter Letzt hat uns aber auch vor allem das Lehrmaterial überzeugt. Es ist sehr umfassend und didaktisch sehr gut aufgearbeitet.

Heute haben Sie an einer Abschlusspräsentation einer Schulprojektwoche teilgenommen und so die Arbeit von CARE zum ersten Mal vor Ort gesehen. Können Sie kurz Ihre Eindrücke schildern?

Mich hat es gefreut, die Schülerinnen und Schüler fröhlich zu sehen. Ich war beeindruckt davon, dass viele Schüler in kurzer Zeit einige Sätze in einer völlig neuen Sprache gelernt hatten, dass sie ihre Erfolge souverän präsentierten und sich etwa in traditionellen Gewändern aus Pakistan oder dem Iran auf einer Bühne zeigten. Ich hatte den Eindruck, dass dieser Begegnungsraum Schule durch die Projektwoche einfacher und entspannter geworden ist. Zwischen Kindern verschiedener Nationalitäten schien es keinerlei Hindernisse oder Hürden zu geben. Es schien, als hätte das Projekt das Ziel erfüllt, zu einem Gemeinschaftsgefühl beizutragen.

Wenn Sie einen Blick auf die kommende Bundestagswahl im September werfen, inwiefern wird Integration im wirtschaftlichen Bereich thematisiert?

Bildung ist auch hier das Schlüsselwort. Jungen Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, muss es möglich sein, eine Ausbildung oder sogar ein Studium zu beginnen. Es darf nicht sein, dass eine ganze Gruppe von jungen Menschen abgehängt wird, nur weil sie durch das Schicksal der Flucht nach Deutschland kamen. Sprachkompetenz ist sehr wichtig, es müssen aber auch Inhalte und Kompetenzen vermittelt werden, das ist die große Herausforderung vor der wir stehen. Und ein Vorhaben, das uns bereichern wird, wenn der Prozess abgeschlossen ist.

Viele weitere Informationen zum KIWI-Projekt finden Sie auf unserer Webseite.

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