Irak: Auf der Suche nach Normalität

Ich bin Fatima Ali Awad*, 30 Jahre alt, und lebe in Rabiya, einer wichtigen Handelsstadt im Nordwesten des Iraks, in der Grenzregion zu Syrien. Bis Juni 2014 lebten wir dort ein normales und friedliches Leben. Mein Mann war Arbeiter und verdiente ein einfaches Gehalt. Wir träumten von einer besseren Zukunft für unseren Sohn Ali*, unserem einzigen Kind.

Doch dann änderte sich plötzlich alles. Von einem auf den anderen Tag wurden die Geräusche meines spielenden Kindes vom Donnern einschlagender Granaten verdrängt. Innerhalb kürzester Zeit übernahmen bewaffnete Gruppen die Kontrolle über Rabiya. Hatten wir vorher Geflüchtete aus Syrien durch unsere Stadt ziehen sehen, befanden wir uns auf einmal selbst auf der Flucht.

Fatima Ali Awad mit ihrem Kind. CARE/Harikar

Fatima Ali Awad will sich um die Gesundheit von Müttern und Kindern kümmern. CARE/Harikar

Plötzlich auf der Flucht

Wir flohen mit dem Auto nach Dohuk, in die Region Kurdistan, um dort in einem Camp Schutz zu suchen. Verschiedene Hilfsorganisationen versorgten die Menschen vor Ort mit Notunterkünften und Lebensmitteln, aber die medizinische Versorgung reichte an vielen Stellen nicht aus. Das wurde für uns zum Problem, da Ali unterernährt war und ich selbst an Anämie litt. Das Domiz Camp, in welchem wir unterkamen, war eigentlich gut organisiert, doch sehnten wir uns nach unserem früheren Leben. Mein Mann hatte zwar eine Arbeit gefunden, verdiente aber nur sehr wenig, sodass wir einen Großteil unserer Kosten nicht decken konnten. Eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln war nicht immer gegeben; als Mutter tat es mir weh, mein Kind leiden zu sehen.

Flüchtlingscamp im Nordirak. CARE/Maxime Michel

Flüchtlingscamp in der Provinz Dohuk. CARE/Maxime Michel

Zurück zur Normalität?

Nach der Rückeroberung der Region rund um Mossul, einschließlich Rabiya, im Oktober 2017, kehrten wir zurück in unsere Heimat. Wir waren voller Hoffnung, ich wurde wieder schwanger. Doch das Glück hielt nicht lange an: Mein Gesundheitszustand und der meines ungeborenen Kindes verschlechterten sich; wir brauchten dringend medizinische Hilfe. Doch die Jahre der Besetzung und die Kämpfe hatten die zivile Infrastruktur stark in Mitleidenschaft gezogen, es gab nicht genügend Geburtseinrichtungen oder spezialisierte Ärzte und wir hatten kein Geld, um eine private Klinik zu bezahlen.

In dieser Zeit begann CARE mit der Bereitstellung von Medikamenten und Laborgeräten für das öffentliche Gesundheitszentrum von Rabiya. Als ich davon hörte, war ich bereits im zweiten Trimester meiner Schwangerschaft. Ich war stark unterernährt und mein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer weiter. CARE war unsere Rettung: Als ich das Gesundheitszentrum erreichte, bekam ich endlich die medizinische Unterstützung, die ich brauchte. Ich konnte mit einem Arzt sprechen, erhielt wichtige Medikamente sowie eine Geburtsausstattung mit Hygieneartikeln, Babykleidung, Windeln und einer Decke.

Ich habe außerdem an Sensibilisierungskursen teilgenommen zu pre- und postnataler Versorgung, Ernährung, zur Gesundheit von Kindern und zur Familienplanung. Nach der Behandlung und den Sensibilisierungskursen hatte ich ein viel besseres Gefühl dafür entwickelt, was für mein Baby wirklich wichtig ist. Mein Gesundheitszustand verbesserte sich und jetzt kann ich mich auch wieder besser um meine Familie kümmern. Falls ich in Zukunft nochmal krank werden sollte, gehe ich wieder in das Gesundheitszentrum in Rabiya, um dort kostenlos behandelt zu werden. Wie wichtig dieser Ort nicht nur für mich ist, erlebe ich jeden Tag: Unsere ganzes Umfeld lebt heute gesünder und sicherer.

CARE verteilt Pakete mit Windeln, Decken und Hygiene-Artikeln an die Mütter. CARE/Emily Kinskey

CARE verteilt Babyausstattung an werdende Mütter. CARE/Emily Kinskey

Mittlerweile ist wieder so etwas wie Normalität in unser Leben eingekehrt: Meine Kinder sind glücklich und mein Mann verdient genug, dass wir uns wieder ausreichend Lebensmittel leisten können. Auch gesundheitlich geht es mir viel besser. Ich will jetzt für die Gemeinschaft arbeiten und meine Nachbarn und Verwandten unterstützen, indem ich mein Wissen über Gesundheitsvorsorge mit ihnen teile.

*Die Namen wurden aus vertraulichen Gründen geändert.

Unsere Hilfe für die Menschen in Rabiya finanziert das BMZ.

So hilft CARE Frauen und Mädchen weltweit.

Unterstützen Sie die CARE-Hilfe mit Ihrer Spende.

Einsatzorte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.