Japan hält alle in Atem

Die Gerüchteküche in Asien kocht

Auf dem Weg nach Phnom Penh, Zwischenstopp in Bangkok. Dunkle Wolken hängen über dem Rollfeld des supermodernen Flughafens, der nur aus Glas und Stahl zu bestehen scheint. Jeden Moment werden sich wohl die Schleusen öffnen zu einem monsunartigen Regenfall. Über dem riesigen Flachbildschirm im Wartebereich läuft ein Fernseher mit den neusten Schlagzeilen aus Japan. Ein dritter der Reaktoren von Fukushima scheint kurz vor der Kernschmelze zu stehen. Die Welt hält den Atem an! Ein unheimliches Gespenst geht um, Tschernobyl. Die Deutschen wissen, was das bedeutet, befindet sich der Unglücksreaktor von Tschernobyl doch keine 1500 Kilometer von Berlin.

Eine Stunde später Landung in Phnom Penh. Die Sonne lacht, 34 Grad. Auch unseren Fahrer beschäftigt die Katastrophe in Japan. Das sei furchtbar, sagt er. Er hat tiefes Mitgefühl mit den Menschen dort, sogar von seinem eigenen Lohn würde er ein wenig geben, wenn dies hilft. Das kann nicht viel sein. Eine Arbeiterin in einer der zahlreichen Textilfabriken verdient 85 Dollar im Monat, Überstunden und Sechstagewoche eingerechnet. Der Mann arbeitet als Fahrer für eine Leihwagenfirma. Wegen seiner guten Englischkenntnisse verdient er vermutlich das Doppelte. Doch das Leben ist im Verhältnis zum Rest des Landes teuer in der kambodschanischen Hauptstadt. Selbst das kleinste Loch als Unterkunft kostet 25 bis 30 Dollar im Monat plus Strom und Wasser. Trotzdem würde er gerne was abgeben für die Japaner in Not. Er weiß nur nicht wie. Auch über den Reaktorunfall weiß er Bescheid. Grund zur Panik sieht er nicht, aber er hält es für besser, falls es regnen sollte, drinnen zu bleiben. Es gäbe Gerüchte, dass der Regen giftig sei, aber zurzeit sei Gott sei Dank Trockenzeit, meint er lachend.

Stav Zotalis, Landesdirektorin von CARE Kambodscha sieht sich veranlasst zu einer drastischen Mail an alle ihre Mitarbeiter/innen am heutigen Tag unter dem Titel: „Falsche Gerüchte“. Das Gespenst geht auch in Asien um. Eine SMS-Welle schwappt durch den Kontinent, die laut Bericht der BBC in den Philippinen ihren Ursprung hat und sich sogar als Nachricht des Senders ausgibt. Darin werden die Menschen vor erhöhter Strahlung gewarnt und sollen sich vorsehen. Dies ist jedoch alles Panikmacherei wie offizielle Meldungen der Weltgesundheitsorganisation über mögliche Gesundheitsrisiken bestätigen. Tatsächlich befindet sich auch Kambodscha viel zu weit weg vom Unglücksort, doch bei Regen ist es jetzt besser drinnen zu sein. Davon wissen die Leute auch hier, dank SMS direkt aufs Handy, wer immer diese Welle losgetreten hat.

„Kein Grund zur Panik“, meint Jan Noorlander, Programmleiter bei CARE Kambodscha, der fließend Khmer spricht. So schnell ließen sich Kambodschaner nicht aus der Ruhe bringen, aber das Mitgefühl sei ehrlich, denn schließlich tun die Japaner viel für Kambodscha. Sie sind einer der wichtigsten Unterstützer des kleinen Landes, das noch immer zu den ärmsten Asiens zählt. Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei 480 US Dollar, die Lebenserwartung bei 57 Jahren. Doch Dank der Japaner verbessert sich die Infrastruktur stetig, entstehen viele neue und dringend benötigte Brücken, das Straßennetz wächst. Das sehen und wissen die Kambodschaner und möchten nun ihrerseits den Menschen im „Land der aufgehenden Sonne“ helfen.

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