Jordanien: Die magische Zahl

Im CARE Informationszentrum werden die Daten der Flüchtlinge aufgenommen. So wird die Hilfe koordiniert und sichergestellt, dass die Menschen Unterstützung erhalten, die sie am dringendsten benötigen. (Foto: CARE/Sandra Bulling)

Im CARE Informationszentrum werden die Daten der Flüchtlinge aufgenommen. So wird die Hilfe koordiniert und sichergestellt, dass die Menschen Unterstützung erhalten, die sie am dringendsten benötigen. (Foto: CARE/Sandra Bulling)

Ich laufe eine Straße im Osten Ammans entlang, nehme einige Stufen nach oben und werde von Menschen in einer Warteschlange gegrüßt. Sie stehen vor der Rezeption und obwohl es erst neun Uhr morgens ist, sind schon keine Stühle mehr übrig. Wir sind hier im CARE-Informationszentrum für syrische Flüchtlinge.  Jeder, der neu eintrifft, wird befragt: „Wie lautet dein Name? Wo lebst du? Wann wurdest du geboren? Mit wie vielen Familienmitgliedern lebst du zusammen? Wie viele Familien leben in einem Haus?“ Außerdem fragen die CARE-Teams nach Schulden der Familie, ob sie bereits Hilfe erhalten haben, ob sie bedroht oder ausgenutzt worden sind. Außerdem wird festgestellt, ob die Flüchtlinge bereits bei den Vereinten Nationen (UN) angemeldet sind. So kann die Hilfe koordiniert werden.

Ist der Fragebogen ausgefüllt, beschäftigt sich ein CARE-Sozialarbeiter damit. In der letzten Woche waren 1.500 Flüchtlinge hier: Welche Familie braucht am dringendsten Hilfe? Das ist wohl eine der schwierigsten Fragen überhaupt. Dafür gibt es ein System von Punkten, und wer 15 erreicht, der erhält Hilfe. Momentan verteilen wir gezielt Bargeld, sodass die Familien ihre Miete, Nahrung und Wasser bezahlen können. Zu den Kriterien der Punkte, die die Bedürftigkeit messen, zählen etwa Krankheiten in der Familie oder die akute Gefahr, dass die Wohnung geräumt wird. Auch Familien, die auf sehr engem Raum mit anderen zusammenleben müssen, werden als bedürftig erfasst. Die Sozialarbeiter von CARE äußern oft ihre Sorgen darüber, dass manche Menschen nur knapp von der benötigten Punktzahl entfernt sind und dann keine Hilfe erhalten. Wir haben jedoch nur ein begrenztes Maß von Geld zur Verfügung. Also möchten wir sicherstellen, dass die am meisten betroffenen Menschen unsere Unterstützung erhalten. Gleichzeitig bedeutet das auch, dass viele Menschen keine Hilfe erhalten.

Täglich die schwierige Frage
Seit unser CARE-Informationszentrum im November 2012 eröffnet wurde, sind über 12.000 Flüchtlinge hierhin gekommen. Einem Sechstel der Menschen konnten wir helfen. Für den Rest fehlt es schlicht an Mitteln. Für das CARE-Team ist es schwer, diese Frage täglich zu beantworten: Wem können wir helfen, wem momentan noch nicht? Wir alle wissen, dass wir mit mehr Geld auch mehr Menschen helfen können. Aber wo soll dieses Geld herkommen? Die UN ruft weltweit zu Spenden auf, 1,2 Milliarden Euro werden benötigt, um die syrischen Flüchtlinge zu versorgen.  Doch davon sind bisher erst 20 Prozent zugesichert, weshalb alle Organisationen Mühe haben zu helfen. Erst einmal bleibt deshalb 15 die magische Zahl.
Dieser Besuch im Informationszentrum war mein erster. Ich bin nun für etwa zwei Monate in Jordanien, um unser CARE-Büro hier bei der Nothilfe für syrische Flüchtlinge zu unterstützen. So kann ich regelmäßig hier im Blog berichten, wie es vor Ort aussieht und womit CARE hilft. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für syrische Flüchtlinge in Jordanien – jeder Euro zählt!

 

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