COP21: Hinter den Kulissen

Klimaexperte Sven Harmeling war für CARE bei der UN-Klimakonferenz in Paris. In seinem Blog berichtet er, was er in den zwei Wochen erlebt hat und wie es jetzt weitergehen muss.

„Zwei Wochen Klimakonferenz sind auch für uns Beobachter eine sehr intensive und stressige Zeit." (Foto: CARE)

„Zwei Wochen Klimakonferenz sind auch für uns Beobachter eine sehr intensive und stressige Zeit.“ (Foto: CARE)

Dieses Jahr im Advent: Klima-Erfolg bringt Energie für das neue Jahr

Die Adventszeit hat ihre Rituale. Jedes Jahr bin ich mit meiner Familie und anderen Familien bei einer Freundin zu Waffeln und Feuerzangenbowle eingeladen, immer am vierten Advent. Fast jedes Jahr – auch dies mittlerweile ein fester Programmpunkt im Dezember – treffen wir uns, kurz nachdem ich von der UN-Klimakonferenz zurückgekommen bin: Letztes Jahr aus Lima, 2015 nun aus Paris. Dieses Mal fühlte es sich aufgrund des Ergebnisses der COP21 anders an. Manche Freunde hatten per SMS zum Ende der Konferenz gratuliert, manche den spannenden Konferenzabschluss sogar live im Internet verfolgt, andere die Schlagzeilen in den Zeitungen gelesen, die überwiegend von einer historischen Einigung sprachen. Die Einigung von fast 200 Staaten wurde auch als Zeichen der Hoffnung gesehen in Wochen, die vor allem durch grausame Nachrichten von Attentaten, Krisen und Kriegen geprägt waren. Dass sich gerade auch die besonders von den Klimafolgen betroffenen kleineren Entwicklungsländer zu Treibern eines ambitionierten Abkommens in Paris entpuppten, zeigt auch, dass deren moralisches Gewicht von den Großen nicht einfach ignoriert werden konnte. Die Davids haben sozusagen die Goliaths angetrieben. Naja, und alle fragten schließlich auch, wie erholt ich denn schon sei.

Zwei Wochen Klimakonferenz kosten viel Energie

Zwei Wochen Klimakonferenz sind in der Regel auch für uns Beobachter – wir aus der Zivilgesellschaft verhandeln ja nicht selbst – eine sehr intensive, stressige und ermüdende Zeit: Jeden Tag, von früh morgens bis spät abends, gibt es viele Treffen zum Austausch mit anderen NGOs aus der ganzen Welt zur strategischen Beratung und Abstimmung. Dazu Treffen mit Regierungsvertretern – von technischen Experten bis zu Ministern und EU-Kommissaren – um auf deren Verhandlungsverhalten Einfluss zu nehmen. Beim morgendlichen 8-Uhr-Treffen der internationalen CARE-Delegation planen wir den Tag, werten die politischen Debatten des Vortages aus und diskutieren, wie wir den aktuellen Stand der Verhandlungen in Bezug auf CARE’s zentrale Forderungen bewerten sollen.

Zwischendurch stehen noch Präsentationen zu CARE‘s Arbeit bei Side Events auf der Agenda, es sind Artikel für den täglichen NGO-Newsletter zu verfassen, und natürlich besuchen wir auch Verhandlungssitzungen der Regierungen, so sie denn offen und zugänglich sind. In Paris lag auch das Medien- und Pressezentrum sehr nahe bei unserem CARE-Ausstellungsstand, so dass sich auch der ein oder andere Journalist leicht treffen ließ. Da die Medienvertreter häufig wenig Zugang zu den Verhandlungen selbst haben, nutzen sie oft Lageeinschätzungen durch die Zivilgesellschaft, ob im direkten Gespräch oder bei unseren Pressekonferenzen.

Gerade gegen Ende der Konferenz kann sich eine Verhandlungssitzung, wie in Paris, auch schon einmal bis morgens um 6 Uhr hinziehen. Dankenswerterweise – und vorausschauend – hatten die französischen Organisatoren im Medienzentrum einige Sofas bereitgestellt, die wir dann für ein 2-stündiges Nickerchen nutzen konnten. Eine durchaus pragmatische Lösung, denn Hin- und Rückweg zum Hotel verschlingen immer Zeit. Und um 8 Uhr standen dann bereits die nächsten Treffen an.

Doch gleichzeitig setzt auch jeder Tag wieder Energie frei in unserem CARE-Team mit Teilnehmern aus verschiedenen europäischen, afrikanischen und asiatischen Ländern sowie den USA, in dem jeder hochmotiviert und engagiert ist und sich gegenseitig unterstützt. Es war immer wieder toll zu sehen, wie uns vollkommen unbekannte Leute an unserem Stand ansprachen und über gute Erfahrungen mit CARE zu berichten wussten. Oder wie Vertreter anderer Nichtregierungsorganisationen oder auch von Regierungen ihre Wertschätzung für das CARE-Team ausdrücken und anmerken, dass wir für eine vergleichsweise kleine Delegation „deutlich über unserer Gewichtsklasse boxen” und in verschiedensten Bereichen deutliche Abdrücke hinterlassen haben. Das Gefühl, dass der Zusammenhalt in der vielfältigen klimapolitischen Zivilgesellschaft, trotz vieler unterschiedlicher Schwerpunkte und Hintergründe, möglicherweise größer ist als je zuvor, bricht sich dann auch in dem bei einer großen Aktion im Konferenzzentrum bahn: „Wir sind nicht zu bremsen, eine andere Welt ist möglich!”

Sven Harmeling mit einem Kollegen auf der Klimakonferenz. „Es ein großer Gewinn, dass das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, im Abkommen verankert wurde." (Foto: CARE)

Sven Harmeling mit einem Kollegen auf der Klimakonferenz. „Es ein großer Gewinn, dass das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, im Abkommen verankert wurde.“ (Foto: CARE)

Erfolg setzt Energie frei für die nächsten Aufgaben

Nach der Konferenz hat unsere Delegation auch von vielen anderen CARE-Mitarbeitern, Geschäftsführern und Unterstützern Glückwünsche und Zuspruch dafür erhalten, dass CARE hier aktiv und auch international angesehen ist. Dies setzt neue Energie frei.

Eine Diskussionsteilnehmerin brachte es bei einer Post-Paris-Veranstaltung am vergangenen Freitag in Berlin auf den Punkt: Wir, das heißt die ständig wachsende, aus Regierung, Zivilgesellschaft und Unternehmen bestehende Klimabewegung, seien jetzt „durch die Vereinbarung von Paris in der Offensive”, und nicht mehr – wie sonst häufig nach einer Klimakonferenz – in der Defensive.

Auch wenn wir von CARE genau wissen, dass mit der Einigung auf einen langfristigen Klimavertrag eine gefährliche Klimastörung noch lange nicht abgewendet ist und jetzt erst die zentrale Arbeit der Umsetzung beginnt – dies sagen zum Glück auch die meisten Regierungen offen – , so trifft es die Aussage des US-Präsidenten Obama doch gut: Die Klimavereinbarung von Paris sei „die beste Chance zur Rettung des Planeten, die wir haben”.

Nun gilt es allerdings, diese Chance weltweit zu nutzen und Klimaschutz überall, auch in Deutschland, neuen Schwung zu verleihen. Den gleichen Schwung braucht auch der Schutz und die Unterstützung der ärmsten Bevölkerungsgruppen weltweit, die schon heute mit den Klimafolgen kämpfen. Daher wird CARE auch im neuen Jahr konsequent und mit neuer Energie auf eine klimagerechte Politik drängen und gleichzeitig in vielen Projekten weltweit versuchen, zu besseren und klimasicheren Lebensbedingungen für die  ärmsten Menschen beizutragen.

Informieren Sie sich hier über CAREs Arbeit in Sachen Klimaschutz.

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