Klimacocktail in Cancún

Canún, 29. November 2010.

Das Wetter ist tropisch warm, die Strände sind türkisblau. Müde räkeln sich die Strandgäste auf ihren Liegen, nippen sanft an ihren Margaritas – und schauen verblüfft den Menschen in Anzügen und schwarzen Laptoptaschen hinterher, die durch die Urlaubsidylle eilen. Seit zwei Tagen treffen zwei Welten aufeinander hier in Cancún: die Teilnehmer der UNO-Klimakonferenz und die all-inclusive-Strandurlauber. Während die einen sich bräunen und den Urlaub genießen, heißt es für die anderen: Erneut verhandeln, streiten, zerren um ein Klima-Abkommen, dass viele Experten für nicht erreichbar halten in diesem Jahr. Das glaubt auch CARE.

Klimakonferenz in Cancún: Verhandlungen unter Palmen (Foto: CARE/Bulling)

Kopenhagen hat ein großes Scheitern demonstriert, trotz allen Drucks der Öffentlichkeit. Seitdem sind die Verhandlungen ins Stocken geraten, der Patient Klimavertrag ist nur mit vielen Infusionen durch das Jahr 2010 gekommen. Doch damit hier in Cancún zumindest in einigen Teilbereichen Fortschritte gemacht werden können, braucht das Klima-Abkommen einen politischen Herzschrittmacher, sprich: Führungskraft und Willen der Industriestaaten, sich nach vorne zu bewegen. CARE erwartet, dass am Ende der kommenden zwei Wochen die Verhandlungen in den Teilbereichen Anpassung, Waldschutz und die Einrichtung eines Klimafonds Erfolge erzielt haben werden.

Alternative zur UNO?

Nach Kopenhagen hieß es, dass das komplizierte Gebilde der Klimarahmenkonvention unter dem Dach der UNO kein geeigneter Rahmen sei für solche Klimaverhandlungen. Zu komplex, zu langwierig, zu nervenaufreibend, hieß es. Die Frage ist: Was ist die Alternative? Die G20 spielen hier in Cancún eine große Rolle, sie sind schließlich die größten Industrie- und Schwellenländer. Das heißt, sie können auch bewirken, dass sich die Knoten und Geschwüre in den Verhandlungen lösen und etwas erreicht wird, beispielweise beim Waldschutz oder bei der Finanzierung des internationalen Klimafonds, der Klimaschutz und Anpassung unterstützen soll.

Dennoch: In den G20 sind die ärmsten Staaten, also die Entwicklungsländer, nicht enthalten. Dabei sind doch sie es, die jetzt schon am stärksten unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Sie erleben Dürren, Wirbelstürme, Überschwemmungen. Ihre Einwohner werden vertrieben aus ihren Dörfern, weil die Brunnen versiegen oder die Felder verdorren. Deswegen kann ein gerechtes und ehrgeiziges Klima-Abkommen nur unter dem Schirm der UNO stattfinden, denn so haben die ärmsten Länder eine Stimme. Sie haben es dort schon schwer genug, sich gegen die Interessen der Industrie- und Schwellenländer zu stemmen und sich bei den Verhandlungen zu behaupten. Doch es gibt derzeit keine Alternative zur UNO, die alle Staaten an einen Tisch bringen kann.

Pendeln zwischen Palmen

CARE und andere Hilfsorganisationen sind hier, um den Bewohnern der Entwicklungsländer eine Stimme zu geben. CARE hat fünf Mitarbeitern von Partnerorganisationen die Teilnahme an der Klimakonferenz ermöglicht, damit sie sich hier einbringen und darüber berichten können, was passiert, wenn die Folgen des Klimawandels Lebensgrundlagen zerstören.

Allerdings macht es die Organisation des Gastgebers Mexiko nicht einfach, seine Stimme zu erheben. Denn die Vertreter der Hilfsorganisationen wurden kurzerhand in ein eigenes Konferenzzentrum verfrachtet, welches acht Kilometer vom Verhandlungsort der Regierungsdelegationen entfernt liegt. Ob das allein logistische Gründe hat, oder ob man eher unliebsame Vertreter der Öffentlichkeit aus dem Weg räumen möchte sei mal nur am Rande gefragt.

Und so verbringe ich den ersten Tag der Klimakonferenz in Bussen, in denen man vom Hotel und zwischen den beiden Konferenzzentren hin und her pendelt. Während in der Zwischenzeit die Urlauber ihre Margaritas am Pool schlürfen.

Einsatzorte

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