Kongo: Flüchtlingslager und Kleinspargruppen

Rose Vive Lobo arbeitet als Projektmanagerin für CARE in der Demokratischen Republik Kongo. Zusammen mit ihrem Team unterstützt Rose Überlebende von sexualisierter Gewalt. Sie hilft Frauen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, ihren Platz in der Gesellschaft wiederzufinden und sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Außerdem hat sie bei den Verteilungen von CAREs Hilfe teilgenommen.

Rose Vive Logo

Rose Vive Logo bei der Verteilung von CAREs Hilfe im Ostkongo. Sie lebt und arbeitet in Goma. (Foto: CARE)

In der Demokratischen Republik Kongo für eine Hilfsorganisation zu arbeiten, kann eine große Herausforderung sein. In Goma, wo ich lebe und arbeite, war die Sicherheitslage in der letzten Woche ruhig. Aber das kann sich schnell wieder ändern. Viele sagen, dass die Truppen kurz vor davor stehen, die Kämpfe wieder aufzunehmen. Manchmal hört man Explosionen, mal fallen Granaten. Dazu kommen Drohungen der Streitkräfte. Viele erinnern sich dann an vergangenes Jahr, als bewaffnete Truppen unsere Heimatstadt für einige Tage besetzt hielten. Meine elfjährige Tochter Cathy ist davon immer noch traumatisiert.

„Was die Menschen mir berichteten, erschütterte mich“

Ich war damals auf dem Weg zur Arbeit im Flüchtlingscamp. Es war eines der Camps, die über Nacht wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Um pünktlich und sicher zur Arbeit im Camp zukommen, verließ ich mein Haus schon um 1 Uhr nachts. Cathy war sehr besorgt. Ich versuchte sie zu beruhigen und erklärte ihr, ich müsse gehen: Mitarbeiter von CARE und anderen humanitären Organisationen wollten die Flüchtlinge zählen und herausfinden wie viel Hilfe gebraucht wurde. Cathy hörte interessiert zu und stellte viele Fragen. Das hat mich berührt.

Ich war müde an dem Tag und das, was die Menschen in den Camps mir berichteten, erschütterte mich. Sie erzählten, dass sie aus ihren Dörfern fliehen mussten. Immer neue Gewaltausbrüche trieben sie weiter, von Dorf zu Dorf. Erst Monate später fanden sie in dem provisorischen Camp in Goma Zuflucht. Als ich zurückkam, erzählte ich Cathy von meinem Tag und sie sagte, sie würde nun verstehen, wie wichtig meine Arbeit ist und warum ich dafür vieles in meinem eigenen Leben zurückstelle. Ein paar Wochen später, im selben Camp, verteilte CARE Hilfsgüter: Küchensets, Kanister und Plastikplanen. Die Atmosphäre war angespannt. Die Flüchtlinge waren ungeduldig und traumatisiert.

Goma

Bei einer Zählung wird erhoben, wie viele hilfsbedürftige es in einem Camp gibt und was sie am nötigsten brauchen. (Foto: CARE/Sabine Wilke)

Plötzlich wurde unsere Arbeit unterbrochen. Ein paar Leute, die am Tag der Zählung der Flüchtlinge nicht da gewesen waren, forderten Hilfsgüter. Manche von ihnen versuchten sogar, sich die Hilfsgüter einfach zu nehmen und wegzugehen. Daraufhin musste das weibliche Personal aus Sicherheitsgründen das Camp verlassen. Einige Zeit später stabilisierte die kongolesische Polizei zusammen mit den UN Blauhelmen die Sicherheitslage wieder und wir konnten mit den Verteilungen fortfahren. Aber unsere Arbeit besteht nicht nur aus Nothilfe, wie in den Camps. Seit vielen Jahren gibt es auch im Kongo sogenannte Kleinspargruppen. Vor allem Frauen treffen sich hier regelmäßig und sparen, verleihen sich gegenseitig kleine Kredite, die ihnen dabei helfen, sich eine Lebensgrundlage aufzubauen.

Vor ein paar Monaten trafen Cathy und ich zwei Frauen aus einer der Kleinspargruppen, die ich betreue. Später meinte meine Tochter, die Frauen seien Kolleginnen oder Freundinnen von mir. Sie hat irgendwie Recht. Diese Freundschaften und Beziehungen motivieren mich und mein Team – vor allem auch in Zeiten, in denen wir mit einem Ausmaß an Leid konfrontiert sind, das wir mit unseren Kapazitäten und Ressourcen nur teilweise lindern können. Cathys Interesse und ihre vielen Fragen, lassen mich ahnen, dass sie trotz all der Herausforderungen und der instabilen Sicherheitslage, gerne dasselbe tun will wie ich: Humanitäre Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo leisten.

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