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Kosovo: Die Brücke von Mitrovica

Von Sandra Bulling

Eine Brücke kann teilen oder verbinden. Sie kann reißende Flüsse oder tiefe Täler überwinden, Menschen verbinden – oder trennen.

Die Brücke von Mitrovica

Die geschichtsträchtige Brücke von Mitrovica (Foto: CARE/Bulling)

In Mitrovica im nördlichen Kosovo ist die Brücke über den Fluss Ibar nicht einfach nur ein Übergang von einem Ufer zum anderen. Sie ist viel eher ein Symbol für das tiefe Misstrauen zwischen zwei Völkern, dass sich nicht mit einfach nur mit ein paar Betonpfeilern überwinden lässt. Am nördlichen Ufer leben die Serben, die mit der proklamierten Unabhängigkeit des Kosovo nun zur Minderheit in ihrer Heimat geworden sind. Auf der südlichen Seite die Albaner, die zwar nun den Kosovo ihr Vaterland nennen, die aber den Serben noch immer misstrauen. Hier in dieser Gegend herrschen auch mehr als zehn Jahre nach Ende des Kosovokrieges Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen. Ein Grund, warum die Brücke von Mitrovica von Soldaten bewacht wird. Denn am Ufer des Ibar fanden viele Kämpfe statt, geschossen wurde über beide Seiten hinweg.

Versöhnungsbemühungen auf beiden Seiten
Es ist ein unangenehmes Gefühl, über diese Brücke zu laufen, immer beobachtet von den Soldaten der internationalen Schutztruppen. Wir überqueren den Fluss und sind auf dem Weg zu einer serbischen Organisation, die sich für Frieden und Verständigung zwischen nördlicher und südlicher Seite einsetzt. Zuvor besuchten wir ihren albanischen Gegenpart, der das gleiche Ziel hat. Beide Leiter der Organisationen sind sich einig: Arbeitslosigkeit ist einer der Hauptgründe für die Unzufriedenheit und den Frust, der sich oft in Gewalt und Hass auf andere ausdrückt. Momcilo Arlov von der serbischen Organisation CCSD berichtet von Granaten, die in sein Büro einschlugen, noch immer sind Einschusslöcher in den Fenstern zu sehen. Doch Valdete Idrizi von der albanischen Organisation CBM hat auch Hoffnungsvolles zu berichten: „Als vor einigen Tagen der internationale Gerichtshof die Unabhängigkeit des Kosovo für rechtens erklärte, blieb es hier in Mitrovica ruhig.“ Valdete hatte mit Unruhen gerechnet. Ein gutes Zeichen?

Ein „Alarmknopf“ für Konflikte
Am Nachmittag besuchen wir eine Gruppe Jugendlicher, die im Rahmen eines CARE-Projekts gemeinsam über die Probleme des Kosovos diskutieren. Sie alle gehören unterschiedlichen Volksgruppen an; Serben sind darunter, Albaner, aber auch Roma, Aschkali oder Bosniaken. Ihre Aufgabe: Gemeinsam zu identifizieren, welche die dringendsten Herausforderungen in ihrer Heimatstadt sind und dabei eine Art Alarmsystem für Konflikte zu entwickeln. Das heißt lernen zu erkennen, wann und wo aus alltäglichen Problemen handgreifliche Gewalt werden kann. Und diese dann im Keim zu ersticken.

Diskussion über alle Grenzen hinaus - eine Jugendgruppe im Kosovo (Foto: CARE/Bulling)

Diskussionen über alle Grenzen hinaus im Kosovo (Foto: CARE/Bulling)

Die Jugendlichen benennen offen und ohne Angst vor Tabus eine Reihe von Problemen, wie Landrechte, Arbeitslosigkeit, Sprachbarrieren und getrennte Schulen. Vlasnim Krasniqi, der zur Minderheit der Kosovo-Ägypter gehört, sagt: „Für uns Jugendliche gibt es nur wenige Möglichkeiten, unsere Ideen miteinander zu teilen. Wir haben keine Stimme im Kosovo.“

Die Diskussionsrunden sind also ein erster Schritt, den Jugendlichen Raum für Ideen und Vorschläge zu geben. Übersetzt wird ins Serbische und Albanische und für uns ins Englische. Hier sitzt also die Zukunft des Kosovo, die zwar auch untereinander erstmal eine gemeinsame Sprache finden muss. Die jedoch genügend Engagement zeigt, das Misstrauen zwischen den Gruppen eines Tages zu begraben und die die Hoffnung besitzt, dass auch ihre Stimme gehört wird.

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